Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 14 › Seite 217

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 8. Juli 1913, Seite 217

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mit größerer Vorsicht verfahren und ein Zeugnis über deren
Kenntnisse und Charakter verlangt werden soll; daß wir die
Kommission in Nordamerika bitten, uns einen weiteren Pro⸗
fessor für unsere Anstalt in Porto Alegre zu geben, und zwar
in der Person P. Mahlers; daß wir zwar in diesem Jahre
die dritte Klasse wieder eröffnen, aber fortan nur alle zwei
Jahre eine neue Klasse von Schülern aufnehmen, solange es
nötig sein wird, und daß wir die Lehrer unserer Anstalt bitten,
sich nicht mit außeramtlichen Arbeiten zu beschäftigen, sondern
ihre volle Kraft dem Seminar zu widmen.

P. A. Heine verlas den Missionsbericht. Der gnädige
Gott hat unsere Arbeit auch im vergangenen Jahre sichtlich
gesegnet. Wohl hat es an allerlei Not und Kampf, nach innen
in den Gemeinden, nach außen von seiten vieler Feinde, nicht
gefehlt. Mit großen Strapazen und Gefahren auf Reisen,
mit Mangel, Entbehrung, Arger und Verdruß daheim hat
mancher zu kämpfen gehabt. Drei ältere Arbeiter sind uns
verloren gegangen, da sie ihr Amt aus verschiedenen Gründen
niederlegen mußten. Aber dies alles kann den Segen Gottes
nicht trüben, kann die Erfolge nicht aufheben, die wir allent—
halben durch Gottes Gnade erringen durften. Zehn neue
Streiter, sechs Pastoren und vier Lehrer, konnten unserm
Streiterheer hinzugefügt, neue Arbeitsfelder eingerichtet und
alte erweitert werden. Besonders erfreulich entfalten sich die
Einwanderergebiete Quarany, Erechim und das südliche Ge—
biet in Argentinien, das mit einem eigenen Reiseprediger be—
setzt werden konnte.

Jedoch der Not ist noch lange nicht gesteuert.
uns an den nötigen Arbeitern. Die Kräfte der meisten Arbei—
ter sind bereits überspannt, und diese müssen schließlich unter
der Last zusammenbrechen, wenn ihnen nicht bald Hilfe ge—
währt wird. Dabei dehnen sich die Arbeitsfelder immer mehr
aus. Wir hätten jetzt Gelegenheit, über die Grenzen von Rio
Grande do Sul hinauszudringen nach Parana und Sta. Catha⸗
rina. Aber wir haben weder Missionare, um sie zu senden,
noch Geld, um sie zu erhalten; und die Arbeiter, die in der
Nähe stehen, sind mehr als überbürdet. Die Einrichtung von
Schulen ist eine schreiende Notwendigkeit, insonderheit in den
Einwanderergebieten, im Urwalde. Die Jugend verwildert,
und damit schwindet auch die Aussicht auf ein Erblühen der
Kirche dahin. Allein, die Einwanderer sind zu arm, um selbst
ein Schulgebäude zu errichten, ja haben oft Mühe, sich und
die Ihrigen notdürftig zu ernähren; und uns stehen keine
Mittel und Lehrer zur Verfügung, um uns ihrer Kinder an—
zunehmen. Es herrscht hier Not, bittere, schreiende Not.

Wir könnten noch von vielem berichten, von Gutem und
nicht Gutem, von Erfreulichem und nicht Erfreulichem. Wir
könnten einerseits erzählen, daß die Immigrantenmission mit
Segen in Porto Alegre betrieben und der Stadtmissionar von
Buenos Aires in Argentinien beauftragt wurde, diese gewiß
nicht überflüssige Arbeit auch dort zu beginnen: daß mehrere
Kassen eingerichtet wurden, eine Synodalkasse, eine Kasse für
Reparaturen an unserer Anstalt und eine Kirch⸗- und Schul—
baukasse, und daß ermuntert und beschlossen wurde, dieser wie
der alten Kassen fleißig durch Erheben von Kollekten zu ge—
denken; daß beschlossen wurde, jeder Pastor solle noch einmal
entweder selbst oder mit Hilfe eines Gliedes der Missions—
kommission oder der Visitatoren versuchen, den Gehalt in seinen
Gemeinden aufzubessern; daß eine Lehrerkonferenz ins Leben

Es fehlt

gerufen, daß ein portugiesischer Auszug der Synodalordnung
gemacht, angenommen und der Distrikt inkorporiert wurde; daß
berichtet werden konnte, daß der portugiesische Katechismus
und Formulare für Amtshandlungen fertig seien und bald
erscheinen dürften. Andererseits könnte auch noch angegeben
werden, daß fast alle Berichte der verschiedenen Kassen nicht
gerade erfreulicher Art waren. Aber wir glauben, das An⸗
geführte wird genügen, um den Brüdern in Nordamerika zu
zeigen, daß auf der Synode fleißig gearbeitet, das Wohl und
Weh unserer hiesigen Mission und der teuren Synode im all—⸗
gemeinen sorgfältig erwogen wurde, und daß unsere Arbeit
trotz vielerlei Anfechtung, Feindschaft und Hindernisse doch ihren
gesegneten Weg geht.

Der SErr, unser Gott, aber, der uns in dies Land ge—
führt und unsere Arbeit bisher gnädig überwacht und reichlich
gesegnet hat, sei auch ferner bei uns mit seiner Gnade und
Hilfe. Er gebe uns allen neue Gnade, neuen Mut, neue Kraft
und Ausdauer, daß wir alle Arbeit, alle Strapazen und Ent⸗
behrungen, allen Trotz und Haß Satans und der Welt verachten
und mit freudigem Auftun des Mundes ferner, wie bisher, die
Geheimnisse des Evangeliums kundtun zum Heil vieler. Ja,
es segne uns Gott, unser Gott, und alle Welt fürchte ihn!
Amen. J. Busch.

Etwas aus unserm jüngsten Missionsgebiet
in Brasilien.

*

Bekanntlich betätigt sich unsere Synode ganz besonders auf
dem Gebiet der Inneren Mission. Für diese gesegnete Arbeit
sind gewiß die neuen Besiedelungsgebiete die reifsten Ernte⸗
felder. So ist es in Nordamerika, so auch in Südamerika.

Seit einer Reihe von Jahren hat sich ein starker Strom
von Einwanderern nach Brasilien gewandt, wo die größte Mehr⸗
zahl in den Staaten Santa Catharina und Rio Grande do Sul
angesiedelt wird und somit zum Teil in den Wirkungskreis un⸗
serer Synode gelangt. Das Feld, welches jetzt ganz besonders
für uns in Frage kommt, ist die neue Kolonie Erechim. Dies
Gebiet ist im nördlichen Teile des Staates Rio Grande do Sul
gelegen und reicht von dem Städtchen Passo Fundo bis an die
Grenze der Staaten Parana und Santa Catharina. Noch vor
weniger als vier Jahren war die ganze Gegend unbekannter
Urwald; nur hier und da hausten etliche Brasilianer und In⸗
dianer. Durch die starke Einwanderung hat sich dies aber in
ganz kurzer Zeit geändert. Heute ist diese Gegend stellenweise
schon dicht besiedelt, und wenn die Einwanderung anhält, wird
das ganze Gebiet in wenig Jahren kolonisiert sein.

Es ist ein überaus buntes Gemisch von Menschen, das der
Wald hier aufnimmt. Fast alle Nationen Europas sind ver—
treten. Die meisten gehören den unteren Volksschichten an
und werden auf Kosten der Regierung in das Besiedelungs⸗
gebiet geschafft. Aller Mittel entblößt, unbekannt mit den Ver⸗
hältnissen des Landes, kommen sie in den dichten Wald hinein,
der ihnen in den ersten Jahren auch wenig zum Lebensunter⸗
halt bieten kann. So ist denn auch die leibliche Armut groß.
Überall begegnet man bleichen, abgezehrten und abgehärmten
Gesichtern. Könnte der dunkle Wald reden, er würde traurige,
ja schauerliche Geschichten erzählen.

Aber größer als das leibliche ist das geistliche Elend dieser

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