Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 14 › Seite 219

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 8. Juli 1913, Seite 219

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gemeindeſchule · Gemeindeſchule

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SVer 2„uthsranes

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römische an verhältnismäßigem Wachstum übertroffen hat, ist
„Die lutherische Synodalkonferenz mit 115 Prozent. Das wird
auch wieder auf die Gemeindeschule zurückgeführt.“

Diese statistischen Angaben sind in doppelter Beziehung
lehrreich. Sie beweisen einmal, daß die christliche Wochenschule
ein kräftiges und erfolgreiches Mittel ist, die Kirche zu bauen.
Die Pfarrschulen sind neben der starken Einwanderung aus
katholischen Ländern ein Grund für das große Wachstum der
römischen Kirche. Aber noch mehr tritt der Erfolg der Ge—
meindeschulen in der Synodalkonferenz hervor, die in den letz⸗
ten zwanzig Jahren kaum auf eine verhältnismäßig gleich
starke Einwanderung aus protestantischen Ländern zurückblicken
kann; denn die Zeit der großen lutherischen Einwanderung
liegt etwas weiter zurück. Und dennoch hat die Gliederzahl der
Synodalkonferenz um 16 Prozent mehr zugenommen als die
der römischen Kirche. Dieses größere Wachstum kommt zum
guten Teil auf das Konto unserer Gemeindeschulen. In beiden
Fällen aber springt die Tatsache in die Augen, daß gerade die—
jenigen Gemeinschaften das größte Wachstum zu verzeichnen
haben, die in eigenen Schulen sich die künftigen Gemeinde—
glieder heranziehen.

Uns ist dies nun ja nichts Neues; wir wissen, daß die
Gemeindeschule eine fruchtbare Pflanzstätte der Kirche ist; das
sagt uns die Vernunft, das lehrt uns die Erfahrung, das be—
weist jetzt auch die Statistik, die ein Mann zusammengestellt hat,
dem man kaum parteiische Rücksichtnahme auf unsere Schulen
vorwerfen kann. Kann man nun angesichts dieser Tatsache noch
behaupten, die Gemeindeschule habe sich überlebt und habe für
die Zukunft keinen Existenzzweck mehr? Kann da der Eifer
für die Pflege und Ausdehnung unserer Schulen unter uns
erkalten, da wir es doch vor Augen haben, daß wir gerade ihnen
zum großen Teil das Wachstum unserer Kirche zu verdanken
haben? Drängt sich uns hier nicht die Wahrheit auf, daß,
wenn wir unser lutherisches Zion bauen wollen, wir nach wie
vor gerade unsere Schulen pflegen müssen? Ja, unsere Schulen
sind das erfolgreichste Missionsinstitut, das wir haben. Daraus
ergibt sich ferner, daß gerade unsere Lehrer ganz bedeutende
und erfolgreiche Arbeiter in der Inneren Mission sind, und diese
Erkenntnis sollte wiederum jeden christlich gefinnten Lehrer,
dem die Ausbreitung des Reiches Gottes am Herzen liegt,
anspornen, treu in seinem Amte zu arbeiten und auszuhalten.
In einem weltlichen Beruf mag ein Mensch mehr Geld ver⸗
dienen, bessere Tage haben, größere Ehre vor den Menschen
erlangen; aber schwerlich wird er erfolgreicher für das Reich
Gottes arbeiten können.

Doch obige Statistik lehrt uns noch mehr. Die Tatsache,
daß die Synodalkonferenz, in der ja besonders die Gemeinde—
schule gepflegt wird, trotz des geringeren ausländischen Zu⸗
wachses dennoch verhältnismäßig mehr zugenommen hat als
die römische Kirche, zeigt uns, wie man am erfolgreichsten dem
Antichristen entgegenarbeiten kann. Angesichts der Machen⸗
schaften und Umtriebe der Römlinge in unserm Lande ist wohl
gerade in letzter Zeit das Lutherwort wieder lebendig geworden:
„Deus impleat vos odio papae“, das heißt, Gott erfülle euch
mit Haß gegen das Papsttum! Nicht ist die Meinung, daß sich
unser Haß gegen die Person des einzelnen Katholiken richte;
nein, in ihm sehen wir einen Mitmenschen, unsern Nächsten,
den wir lieben wollen wie uns selbst; aber gegen das Papst⸗
tum, dieses Geheimnis der Bosheit, dieses System der Lüge,

des Irrtums und des Aberglaubens, das Christum verdrängt
und den Papst vergöttert, das die freie Gnade Gottes ver—
schweigt und das Gewissen mit Menschensatzungen beschwert, das
den Weg zum Himmel versperrt und, soviel an ihm liegt, un⸗
gezählte Scharen in die Verdammnis stürzt — gegen dieses
System darf und soll sich unser heiliger Haß richten.

Als man die aggressive Politik der römischen Kirche in
unserm Lande mehr merkte, verfiel man auf mancherlei Mittel,
derselben entgegenzuarbeiten. Während es nun ganz recht ist,
wenn wir die Umtriebe der Römlinge aufdecken und mit allen
erlaubten Mitteln uns vereint papistischen Übergriffen entgegen⸗
setzen, unsere Mitbürger in jeder Weise belehren über die An—
schläge und die wahren Absichten der römischen Würdenträger,
so können wir doch nicht alle die Mittel gebrauchen, welche die
Papisten anwenden, um sich in der Welt zur Geltung zu bringen.
Wir dürfen nicht lügen, wir wollen nicht um die Gunst der
Welt buhlen, wir wollen nicht die weltliche Macht unsern In—
teressen dienstbar machen; unsere Waffen sind anderer Art.
Aber wir möchten auf ein Mittel hinweisen, das sich nach der
Statistik als sehr erfolgreich im Kampf gegen das Papsttum
erwiesen hat, und das sind unsere christlichen Gemeindeschulen.
Die römische Kirche verdankt ihr großes Wachstum ihren Pfarr—
schulen und der starken Einwanderung; die Synodalkonferenz
verdankt ihr größeres Wachstum vornehmlich den Gemeinde⸗
schulen. Wollen wir also römischem Einfluß in unserm Lande
kräftig entgegenarbeiten, dann laßt uns unsere Schulen mit
noch größerem Eifer pflegen. Daß man den Fuchs schimpft,
der den Hühnerstall geplündert hat, nützt nichts; man verwahre
seine Hühner besser! Auch der Teufel läßt es sich ganz gern
gefallen, wenn wir ihn verfluchen und verdammen; das tut
ihm nicht weh, solange wir ihn nur gewähren lassen. Wollen
wir ihm aber einen Schaden zufügen, der da recht beiße, so
laßt uns die liebe Jugend in Gottes Wort aufziehen. So wird
auch wenig ausgerichtet, wenn man sinnlos gegen das Papsttum
schimpft, obwohl Aufklärungsarbeit, im rechten Sinn und Geist
geführt, nützlich und nötig ist; doch ein viel größerer Abbruch
geschieht dem Reich des Antichristen, wenn wir unsere Kinder,
und so viele wir sonst noch erreichen können, in Gottes Wort
und Luthers Lehr' gründlich unterrichten, so daß sie sich nicht
nur selbst nicht durch den Heiligenschein und die lügenhaften
Wunder dieses Menschen der Sünde betören lassen, sondern
auch andere warnen können. Laßt uns daher für unsere Schu⸗
len mit aller Kraft arbeiten und missionieren, das Netz immer
weiter auswerfen, damit recht viele von Kind auf die Heilige
Schrift wissen und so als rechte Streiter Christi selbst dem
Antichristen entgegentreten können. E. K.

—— —

Möblierung der Zimmer des neuen Seminars in
River Forest.

Als der Unterzeichnete am 15. Mai seinen Bericht über
die Möblierung der Zimmer des neuen Lehrerseminars für
den „Lutheraner“ schrieb, da schloß er ihn mit folgenden Wor⸗
ten: „Rur unser Museum macht mir etwas Sorge. Die Aus⸗—
stattung desselben mit den vielen Glasschränken und Glaskasten
ist etwas teuer. Und doch sollten wir instand gesetzt werden,
gerade dieses Museum gleich zu Anfang wenigstens mit dem
Nötigsten auszustaffieren. Aber wir wollen nicht ängstlich sor⸗

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