Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 14 › Seite 221

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 8. Juli 1913, Seite 221

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Schöpfung 5

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S Ver 2„utheranerse

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senden? Wie köstlich wäre es, wenn wir die Anstalt ganz be⸗ Zeit den protestantischen Kirchgängern lieb und wert war. Jene

zahlt hätten durch freiwillige Gaben und dieses Gott zu Lob bei
der nächsten Delegatensynode mitteilen könnten. Man wende sich
um weitere Auskunft an Dir. W. O. Kohn, 3650 Honore St.,
Chicago, III. W. C. K.

Die Abonnentenzahl unsers „Lutheraner“ gibt der Lutherun,
an als 35,000. Das wäre doch gar zu wenig. Vielleicht han—
delt es sich um einen Druckfehler, daß der Drucker die ersten zwei
Zahlen verstellt hat und 53,000 setzen wollte. Das käme der
Wirklichkeit etwas näher. Auch die richtige Zahl ist für unsere
Verhältnisse noch zu niedrig. Es sollte eigentlich die Zahl noch
mit drei multipliziert werden. Das können wir natürlich nicht
von andern Leuten erwarten; das müssen wir selber tun.

Der Kirche unserer Zeit, die so vielfach dem Worte Gottes
nichts mehr zutraut, sondern durch allerlei andere, eigene Mittel
die Kirche bauen will, die ihre Aufgabe in allerlei Weltver—
besserung sieht und nicht darin, Sündern durch den Glauben an
das Evangelium zur Seligkeit zu helfen, gibt ein methodistischer
Schreiber im „Apologeten“ folgendes zun: Nachdenken: „Es gibt
keine bedenklichere Erscheinung in der Christenheit als die un—
leugbare Tatsache, daß die Vertiefung in das eigentliche Evange—
lium, sowohl in den öffentlichen Gottesdiensten als auch in den
Häusern, immer mehr vernachlässigt wird, und man sich in dem—
selben Maße mit Reformbestrebungen durch äußerliche, fleischliche
Mittel abgibt. Das kann nicht gut gehen. Das heißt der satani⸗
schen Versuchung nachgeben. Denn der Teufel macht der heutigen
Christenheit (wie einst dem HErrn selber) vor, daß es einen
kürzeren Weg zum Ziele gibt als den vom himmlischen Vater
vorgeschriebenen; aber er weiß, daß er gerade dadurch den Fort—
gang des göttlichen Werkes am besten hindern kann. So hat das
Papsttum die Welt auf einem kürzeren Weg bekehren wollen,
nämlich durch Massentaufen und durch Zwang. Aber ist das
Werk Gottes dadurch befördert worden? Die Kirchengeschichte
gibt auf diese Frage eine Antwort, die uns zum Weinen auf⸗
fordert. Und die heutige Christenheit hat sich offenbar vorge—
nommen, anstatt nur den gekreuzigten Christum den Menschen
mit einem Entweder — Oder anzubieten, durch allerlei gesetz⸗
liche Erfindungen und Künste die Welt zu reformieren, das heißt,
gut zu machen. Also durch die Welt selber, die doch nach der
Schrift im Argen, das heißt, im Teufel, liegt, will man die Welt
reformieren. Da kann sich der Teufel wohl etwas ins Fäustchen
lachen. Aber, ihr lieben Christen, hat euch Gott denn geheißen,
daß ihr die Welt reformieren sollt? Zeugen sollt ihr durch Wort
und Werk, ein jeder an seinem Ort. Die Welt aber sollen wir
Gott überlassen. Der wird schon mit ihr fertig werden, denn bei
ihm hat alles seine Zeit.“ — Jawohl, die Kirche hat den ge—
kreuzigten Christum zu predigen, und zwar mit dem energischen
Entweder — Oder: „Es ist in keinem andern Heil“; „Wer da
glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht
glaubet, der wird verdammt werden.“ E. P.

Unter der ganz richtigen überschrift „Schändung der Kanzel“
berichtet ein katholisches Blatt von einem protestantischen Prediger,
der über das heutige Tanzen predigen und dabei durch Mädchen
aus dem Theater zur Veranschaulichung seiner Predigt diese
Tänze vorführen lassen wollte. Weil die Mädchen ausblieben,
führte der ehrwürdige Pastor die Tänze selbst aus. Das Blatt
sagt: die Zuhörer oder Zuschauer seien sehr befriedigt worden,
und fügt noch die Betrachtung an: „Warum sollten sie auch nicht
zufrieden sein? Die Glieder der People's Church waren ge⸗
kommen, um unterhalten zu werden; und der tanzende Prediger
befriedigte ihre Wünsche vollständig. Weder er noch andere sen⸗
sationelle Prediger könnten Gemeinden halten, wenn sie sich auf
die Predigt des Evangeliums beschränkten, wie es in früherer

füllten ihre Kirchen, um sich die ewigen Wahrheiten predigen zu
lassen, hinter denen das Ansehen eines Buches stand, das sie für
Gottes Wort hielten. Heutzutage verlangen ihre Nachkommen,
die ihren Glauben nicht mehr haben, von ihren Pastoren eine
ganz andere Art von Belehrung. Daher die Predigten über
Politik, Sozialismus und andere Gegenstände, worüber es früher
den Predigern nicht eingefallen wäre, auf der Kanzel zu reden.
Daher denn auch dieses Narrenspiel in jener People's Church.“
— Zu dieser Auslassung jenes katholischen Blattes bemerken wir
zweierlei. Einmal entwirft es ja ein schönes Bild von den Pro⸗
testanten früherer Zeit, hat viel an ihnen zu rühmen. Warum
hat man ihnen denn früher das nicht gesagt, sondern gerade das
Hauptstück der „ewigen Wahrheiten des göttlichen Buches“ ver⸗
worfen und verdammt? Sodann wollen wir den Papisten es
sagen, wenn sie es noch nicht wissen, daß es noch sehr viele
Protestanten gibt, die noch viel tiefer als sie und mit viel besse—
rem Grunde solche Schändung der Kanzel verurteilen und ver—
abscheuen. Darin hat unser Katholik aber recht, wenn er sagt:
solche garstige Vorkommnisse seien ein direkter Auswuchs der
sensationellen Predigt. Sensationelle Predigt ist die, da der
Prediger Aufsehen machen will, da er nicht ein Botschafter an
Christi Statt, sondern ein gerühmter Kanzelredner sein will, da
er das gerade umkehrt, was St. Paulus sagt: „Wir predigen
nicht uns selbst, sondern IEsum Christ“, 2 Kor. 4, 5. Da gilt
es, sich vor den Anfüngen zu hüten. Das fängt klein an und
kann dann sich entwickeln zu solchen Auftritten, von denen jeder
verständige Mensch sich mit Ekel abwendet. E. P.

Von dem berüchtigten „Pastor“ Russell, der den lieben Un⸗
gläubigen zu Gefallen die Hölle abgeschafft hat, der, wie wenig
andere, es versteht, sein eigen Wort zu führen und zu sprechen:
„Er hat's gesagt“, können wir auch einmal einen guten Aus⸗
spruch anführen. Den Predigern, die klagen, daß die Kanzel ihren
Einfluß verloren habe, sagt er: „Das hat ihre eigene Predigt
getan. Ihre eigenen Colleges und Seminare lehren die Evolution,
und die höhere Kritik hat die Glaubwürdigkeit der Heiligen Schrift
untergraben, bis diese Dinge sich in den Sonntagsschullektionen
und in den Büchern der öffentlichen Schulen finden. Die Leute
finden darin keine Erbauung, wenn sie hören, daß Adam und Eva
von Affen abstammten oder selbst Affen waren, daß sie nie Gottes
Ebenbild getragen haben und es deswegen auch nicht verlieren
konnten und keiner Erlösung bedurften. Wenn die Evolution
wahr ist, dann ist der Mensch nie gefallen und bedurfte deswegen
keines Heilandes, keiner Rettung aus gefallenem Zustande, son⸗
dern nur, daß man ihn in seiner Entwicklung in Ruhe ließ.
Nach der höheren Kritik hat Moses die Bücher nie geschrieben, die
ihm zugeschrieben werden, Jesaias, Jeremias, Daniel und andere
auch nicht diejenigen, die ihren Namen tragen. Wenn das wahr
ist, dann waren IEsus und die Apostel betrogene Leute, die diese
Schriften anführten als Gottes Wort und sich für ihre Echtheit
verbürgten.“ — „Pastor“ Russell ist eben schlauer als diese Pre⸗
diger, die ihren Unglauben offen aussprechen. E. P.

Ausland.

Folgendes Bekenntnis eines liberalen Geistlichen der Trini⸗
tatisgemeinde in Charlottenburg ist in der „Reformation“ ver⸗
öffentlicht worden: „Nicht daß heutzutage mehr Austritte als
früher erfolgen, quält mich. Aber die immer unheimlicher wer⸗
dende Gleichgültigkeit des Großstadtvolkes eröffnet die trübsten
Blicke in die Zukunft. Es steht in der Tat so, wie es neulich
einer, der es aus langer Erfahrung und tiefem Erleben weiß,
von der Trinitatiskanzel sagte, daß wir grenzenlos einsam sind,
wir Pfarrer und das Häuflein seltener Leute, die uns am Ge⸗
meindeleben bauen helfen. Was tun? Frage lieber: Was ist

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