Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 9 › Seite 138

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. April 1914, Seite 138

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Unterſtützungskaſſe · Unterſtützungskaſſe 3 · Unterſtützungskaſſe 5 · Synode 5 · Synode 15

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so soll jede Gemeinde um der Ehre Gottes, um ihres eigenen
und des Nächsten Heils willen sich an dem Werk der Synode
beteiligen.

Alles, was wir tun mit Worten und mit Werken, sollen
wir tun zu Gottes Ehre, so auch die Werke der Synode. Indem
aber eine Gemeinde so im Dienste Gottes steht, sorgt sie aufs
beste für sich selbst und für den Nächsten. Was wäre wohl
in der Mission geschehen, wenn die Synode nicht Mission
getrieben hätte? Wo wären die vielen blühenden Gemeinden
des Ostens und des Westens? Vielleicht wären hie und da
einzelne Gemeinden zustande gekommen, aber nicht viele.

Die meisten Gemeinden unserer Synode haben Seelsorger,
die auf unsern Anstalten ausgebildet sind. Die Gemeinden,
welche sie berufen, wissen, daß sie die reine Lehre gelernt und
bisher einen guten Wandel geführt haben und sich auf das
Bekenntnis der Kirche verpflichten. Hingegen Gemeinden, die
allein stehen, bekommen gar zu häufig einen Landstreicher, der
mit beredter Zunge falsche Lehre führt oder durch einen ärger⸗
lichen Wandel die Gemeinde zerrüttet. Ja, wenn alle Ge⸗
meinden ihren eigenen Weg gingen, könnte man oft lange nach
einem Prediger suchen, und es würde die Predigt des Worts
kaum über die nächste Generation hinaus verkündigt werden.

Aus der Geschichte der Reformation sehen wir, wie übel
es da aussieht, wo die falsche Lehre herrscht. Da sind die
Gewissen der Menschen beschwert, in der Not ist kein Trost
zu haben, es kommen allerlei Mißstände in die Familie und
den Staat. Und wo jede Gemeinde allein geht, da ist große
Gefahr, daß hier eine, dort eine andere Irrlehre einreißt und
die Seelen verwirrt. Kurz, dadurch, daß Gemeinden zur
Synode gehören, sorgen sie am besten für ihre Selbsterhaltung
und Erbauung sowie für andere.

Fragen wir weiter, ob unsere Synode ihren Zweck erfüllt
hat, so dürfen wir zu Gottes Ehre bekennen, daß sie viel ge⸗
leistet hat. In mancher Hinsicht hat sie so Großes geleistet,
daß sich viele darüber gewundert haben. Aber sie hat bei
weitem nicht das getan, was sie hätte tun können,
wenn allezeit alle wie ein Mann gearbeitet hätten. Es geht
hier wie in den Gemeinden: Wenn die meisten Glieder sich
damit zufrieden geben, daß die Vorsteher und einige andere
die ganze Last auf ihren Schultern tragen, so mögen diese
noch so eifrig arbeiten, es kommt nur wenig dabei heraus.
Wenn aber alle Glieder nach Vermögen helfen, so ist die Arbeit
leicht, es geschieht viel, und es ist Freudigkeit beim Werk. Wenn
die kleinen Gemeinden darauf warten, daß die großen Ge⸗
meinden alles tun, und die großen Gemeinden unwillig sind,
weil die andern nichts tun, so geschieht nicht viel, und das,
was geschieht, geschieht nicht mit Freudigkeit. Hier sollte jede
Gemeinde sich vornehmen, nicht darauf zu warten, daß andere
vorangehen, sondern das Ihre zu tun um Christi willen, in
der gewissen Hoffnung, daß die andern, wenn nicht sogleich,
so doch später durch dies Beispiel gereizt werden. Und es
liegt ein besonderer Segen darauf, daß eine Gemeinde auch
für andere wirkt.

Hier ist nun not, daß die Gemeinden sich mehr um die
Sachen der Synode kümmern. Es ist selbstverständlich, daß
man kein Interesse haben kann für das, was man nicht kennt.
Die Glieder der Gemeinden sollten die kirchlichen Zeit⸗
schriften halten und lesen. Der Pastor sollte auf
die Arbeiten der Synode und ihre Not hinweisen. Wenn

E uthsranes

irgendwo Mangel ist, sollte der Christ sagen lernen: „Un⸗
sere, meine Mission ist in Not; ich muß helfen.“ Zu
den Synoden sollte man Delegaten schicken, die ein großes
Herz haben für ihren Heiland, die zu Hause erzählen, was

beschlossen wurde, und die versuchen, Begeisterung für das 1

Beschlossene zu erwecken. Es wird ja mehr als einmal vor⸗
kommen, daß Dinge beschlossen werden, die wir nicht für die
besten halten. Dann aber sollen wir sagen: „Die Mehrzahl
meint eben, daß dies das beste ist, und so will ich mich nicht
zurückziehen, sonst bleibt einfach die Arbeit meines Heilandes
liegen. Ich helfe mit und will in den ersten Reihen sein.“
Des SErrn Werk soll mit Eifer getrieben werden, wie die
Apostel und Propheten es getrieben haben. Die lässige Arbeit
fruchtet nicht viel. Darum lesen wir: „Verflucht sei, der des!
SErrn Werk lässig tut!“ Man braucht nicht zu befürchten,
daß zu viel geschehen wird; es ist ja immer Mangel, und der
SErr JEsus ist heute noch ebenso arm, wie er früher ge⸗
wesen ist. ö ö
Es ist eine Ehre und eine Freude, dem SErrn, unserm
Gott, zu dienen. Wir bitten den SErrn, daß er unsere
Synode und ihr Werk fernerhin segnen wolle, und wir wollen ö
unsere Dankbarkeit für erfahrene Segnungen damit beweisen,
daß wir uns mehr um diese Werke bekümmern, mit größerer
Freude daran teilnehmen, und alle wie ein Mann des SErrn
Werk treiben. Das walte Gott! H. Feth.

Wie steht es um die Versorgung amtsunfähiger Diener
der Kirche sowie deren Witwen und Waisen? ö

2. ö

Wir haben gehört, daß die Versorgung der Diener der
Kirche eine der Kirche von Gott auferlegte Pflicht ist.
nun? erstreckt sich diese Pflicht auch auf ar beits unfähige,
ausgediente Diener der Kirche und ihre Angehörigen?
Das ist die Frage, die uns heute zur Beantwortung vorliegt.!
Es gibt manche in unsern Kreisen, die glauben das nicht;

sie meinen, wenn ein Professor, Pastor oder Lehrer nicht mehr
im Amt sei, dann habe die Kirche auch nicht mehr die beson⸗
dere Pflicht, für des Betreffenden und der Seinigen Unter⸗
halt zu sorgen. Litten solche Mangel, bedürften sie der Unter⸗
stützung, so seien sie von der Kirche als Arme zu betrachten
und zu behandeln wie andere Arme auch. Die erste Pflicht,!
solche arbeitsunfähigen Diener der Kirche zu versorgen, ge⸗ 4
bühre deren Kindern; wenn deren Unterstützung nicht hin.

„reiche, dann freilich müsse die Kirche helfen; aber nicht nach

dem Spruch: „Die das Evangelium verkündigen, sollen sich
vom Evangelium nähren“, nicht weil sie Diener der
Kirche seien oder gewesen seien, sondern weil sie Arme,
Unterstützungsbedürftige seien.
Ist das recht geurteilt? Ist das dem Worte Gottes ge⸗
mäß, oder ist das auch nur dem natürlichen Gerechtigkeits⸗
gefühl gemäß? Stellt schon der natürliche Mensch einen sol⸗
chen, der sein ganzes Leben und alle seine Kräfte seinem Dienste!
gewidmet hat und ihm nun nicht mehr dienen kann, auf gleiche
Linie mit einem solchen Hilfsbedürftigen, der nie etwas für
ihn getan hat? Sagt nicht schon einem Menschen seine Ver⸗
nunft, daß er verpflichtet ist, einen solchen, der ihm sein Leben
und alle seine Kräfte geopfert hat, gut zu versorgen und zu

Wie

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