Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 9 › Seite 142

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. April 1914, Seite 142

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S er „TuthsranedE

in der Immanuelskirche zu St. Charles, Mo., als unsere ersten
Sendboten nach Indien abgeordnet. Heute, nach kaum zwanzig
Jahren, arbeiten 15 Missionare in zwei Missionsgebieten auf
7 Stationen. — In dem letzten Artikel hörten wir, daß lange,
lange Zeit verging, ehe unsere Missionare von den ersten Hei⸗
dentaufen berichten konnten. Im Jahre 1913 wurden aber
von den Missionaren 118 Heiden und 77 eingeborne Christen⸗
kinder getauft, also zusammen 195. Die Gesamtzahl der gé⸗
tauften Christen in unserer Mission beträgt jetzt 675. Das ist
doch schon eine ganz stattliche Zahl! Und diese getauften Chri⸗
sten bilden sieben oder acht mehr oder weniger geordnete Ge⸗
meindlein, in denen Wort und Sakrament im Schwange gehen.
Fünf dieser Gemeindlein haben ganz nette Kirchlein oder Ka⸗
pellen, und die sechste Kirche ist im Bau begriffen. Abgesehen
von unserm Bergheim, besitzt unsere Mission sieben große
Missionsgehöfte mit zehn Missionarswohnungen. Dazu kom⸗
men dann noch die vier Wohnungen auf dem Bergheim. —

Wenden wir uns nun zu der Säemannsarbeit, die
von unsern Missionaren verrichtet wird. Die Zahl der Heiden,
denen durch die Heidenpredigt und durch Verbreitung von
Schriften das Wort Gottes nahegebracht wird, läßt sich nicht
einmal annähernd angeben. Es werden an die 10,000 oder
wohl noch mehr sein. Als Durchschnittszahl der Zuhörer beim
Unterricht in den Kapellen oder sonstigen Versammlungslokalen
geben die Missionare 1525 an, von denen etwa 1321 als Kate⸗
chumenen, das heißt, als solche, die auf die heilige Taufe vor⸗
bereitet werden sollen, anzusehen sind. Welch ein Volk! Und
es würden ihrer noch viel mehr sein, könnten unsere Missionare
die Arbeit nur bewältigen. Nehmen wir dazu dann noch die
1524 Heidenkinder, denen in unsern 41 Schulen das Wort vom
Kreuz verkündigt wird, dann ergibt sich die gewaltige Zahl von
3049 Seelen, denen durch Predigt und Unterricht der Weg
zum Leben gezeigt wird, ganz abgesehen von der Heidenpredigt.
Und daß das gepredigte Wort sich als ein lebendiger Same
erweist, das beweisen die 118 Heidentaufen, das beweisen die
494 Heidenchristen, die zum Tisch des HErrn gegangen sind,
das beweist auch der Umstand, daß diese blutarmen Heiden⸗
christen im vergangenen Jahre §3230.00 für das Reich Gottes
beigetragen haben.

Von den Gegnern der Heidenmission wird immer wieder
behauptet: „Die Heidenmission bezahlt sich nicht!“ Kürzlich
erklärte ein gewisser „D. Shastri“, ein Hindu, in Minneapolis:
„Das Christentum hat in Indien keine Fortschritte gemacht.“
Das sind die alten, abgedroschenen Phrasen, die immer wieder
aufgewärmt und gedankenlos nachgeplappert werden. Die amt⸗
lichen Zahlen des Zensus der indischen Regierung für 1911
beweisen, daß die Zahl der Christen in Indien in zehn Jahren
um 33½ Prozent gewachsen ist. Ja im sogenannten Punjab
ist die Zahl der Christen in zehn Jahren sogar um 350 Prozent
gestiegen! Und wie steht es in unserer Mission? In kaum
drei Jahren hat sich die Zahl der getauften Christen und auch
die Zahl der Schulkinder mehr als verdoppelt. Wenn man
sich nur mehr mit der Heidenmission beschäftigen, sich besser
über den Stand und Fortgang derselben unterrichten wollte,
dann würde das Geschrei: „Die Heidenmission bezahlt sich
nicht!“ gar bald verstummen. Der Unterzeichnete hat bei sei⸗
nem Besuche in Indien oft gewünscht, unsere lieben Missions⸗
freunde hätten ihn begleiten können, hätten sehen dürfen, was
er gesehen, hätten hören dürfen, was er gehört hat. Ihr Herz

hätte gelacht, ihr Mund wäre übergeflossen von Lob und Dank;
sie wären in die Heimat zurückgekehrt mit brennender Liebe
und noch größerer Opferfreudigkeit für das vom SErrn so
herrlich gesegnete Werk unserer indischen Heidenmission.

IV. Ein Wort der Erklärung.

Der Unterzeichnete ist verschiedentlich gefragt worden, was
es eigentlich mit der Beurlaubung der Missionare auf sich habe.
Ob diese so kostspielige Einrichtung wirklich nötig sei? Es ist
nämlich nicht nur in den indischen Missionen, sondern auch bei
den britischen Regierungsbeamten, ja sogar bei der in Indien
stehenden britischen Armee die Regel, daß den betreffenden
Europäern in gewissen Zwischenräumen etliche Monate „Berg⸗
urlaub“ gewährt wird. Während dieser Ferien gehen sie ent⸗
weder nach dem weiten Norden oder auf die hohen Gebirge,
um sich zu erholen. Und das ist ganz unbedingt
nötig! Das tropische Klima Indiens wirkt nämlich so er⸗
schlaffend auf Geist und Nerven der Europäer, daß sie nicht
nur arbeitsunfähig werden, sondern schließlich geistig und kör⸗
perlich zusammenbrechen, wenn ihnen nicht Gelegenheit ge⸗
geben wird, sich in einem kühleren Klima zu erfrischen. Welch
eine Wohltat das ist, kann der Unterzeichnete aus eigener Er⸗
fahrung bezeugen, obwohl er ja in der sogenannten kühlen (7)
Zeit in Indien weilte. Aber dieser Bergurlaub gewährt nur
zeitweilige Erholung und Stärkung. Ist ein Missionar acht
bis zehn Jahre in diesem entnervenden Klima gewesen, dann
bedarf er unbedingt der längeren Ausspannung in einem nörd⸗
lichen Lande, etwa auf sechzehn bis achtzehn Monate. Das ist
kein Luxus, sondern eine unbedingte Notwendigkeit, soll der
Missionar oder der Beamte dem Dienst in Indien erhalten
bleiben. Ein indischer Arzt sagte mir auf meine Frage: t
is bad policy to permit aà missionary to become run dovn,
and then send him off to the mountains for aà few weeks.
The money expended for regular mountain leave at short
intervals is a good investment. For only in this way will
you be able to keep healthy and active workers in the field.“
Wer's nicht glauben will, der gehe nur nach Indien und wohne
eine Zeitlang in der glühenden Ebene; er wird bald zu der
Einsicht kommen, daß der Bergurlaub kein Luxus, sondern
eine unbedingte Notwendigkeit ist.

V. Besoendere Vedürfnisse in unserer Mission.

Im Auftrage der Ehrw. Kommission hat der Unter⸗
zeichnete unsere indische Mission besucht und dabei sonderlich
achtgehabt auf deren Bedürfnisse. Nichts hat ihn dabei so
schmerzlich berührt als der schreiende Mangel an Arbeitern.
Die Ernte ist weiß zum Schnitt, aber es fehlt an Schnittern.
Zunächst brauchen wir noch mehr Missionare, und zwar auf
beiden Gebieten. Aber selbst dann, wenn der HErr uns auch
noch etliche Missionare schenkte, wäre der Not nicht abgeholfen,
da es uns so sehr an eingebornen christlichen Gehilfen, Lehrern,
Katecheten, Bibelfrauen, Evangelisten mangelt. Unsere Mission

hat eben ganz neu anfangen müssen. Daher kommt es denn, 4

daß wir uns zum Beispiel in vielen unserer Schulen noch
immer notdürftig mit heidnischen Lehrern behelfen müssen.
Das ist ein Übelstand, unter dem die Missionare schwer leiden.
Es muß also unsere Aufgabe sein, möglichst schnell eingeborne
Gehilfen heranzubilden. Früher ging das nicht, weil wir
eben noch keine christlichen Knaben hatten. Das ist jetzt anders

2—

+rrr

.- —

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