Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 9 › Seite 154
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. April 1914, Seite 154
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Theater 9
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S Per Vutheranet
kirchliche Sitten, Weisen und Anordnungen gekämpft, darüber
sich gespalten und die Kirche Gottes auf Erden zerrissen. Am
greulichsten hat sich in diesem Stück das Papsttum versündigt.
So wurden auf dem Konzil zu Trient klare Lehren der Heili⸗
gen Schrift verworfen und verflucht, und römische Satzungen
unter Androhung der ewigen Verdammnis den Menschen aufs
Gewissen gelegt. Aber auch protestantische Kirchenversamm—
lungen, selbst lutherisch sich nennende Synoden, haben je und
je in gröberer und feinerer Weise es darin versehen, daß sie
auf der einen Seite in diesem und jenem Stücke die Farbe und
Wappen des SErrn der Kirche nicht getragen, sondern ihre
eigenen Wappen sich gemacht haben, und auf der andern Seite
mit kirchlichen Ordnungen und Gebräuchen die Gewissen be⸗
schwert.
Wollen wir daher, meine Brüder, in den kommenden
Tagen eine gottgefällige Versammlung abhalten und als Glie⸗
der der Kirche unsers Amtes und Berufes warten, so müssen
obige Artikel des großen Reformators unser Leitstern sein bei
allem, was wir reden und beschließen. Erlauben Sie mir,
hier auf einen Punkt besonders hinzuweisen. Wir alle be⸗
klagen tief die Zerrissenheit der lutherischen Kirche hiesigen
Landes und seufzen zu Gott, daß er den Schaden Josephs heilen
wolle. Wir freuen uns auch aufrichtig, daß gegenwärtig durch
alle lutherischen Synoden ein starkes Verlangen geht, einander
näher zu kommen und sich untereinander zu verständigen. Wir
wollen auch an unserm Teile mithelfen, daß Einigung erzielt
werde; doch darf dieses nun nicht in der Weise geschehen, daß
man die vorhandenen Lehrunterschiede übersieht und Stücke des
göttlichen Wortes preisgibt. Dann würden wir die Farben
unsers Heilandes verwischen und sein Wappen nicht zeigen und
bekennen. Da die Kirche nicht Herrin der Lehre ist, darf sie
keine Politik treiben und aus Nützlichkeitsrücksichten Artikel des
Glaubens verleugnen oder verschweigen, sondern muß allewege
als ein Untertan das Evangelium und die Heilige Schrift be⸗
stätigen und darf nur unter der Fahne und dem Wappen ihres
SErrn um Glaubensgenossen werben. So wollen wir auf
dieser Synode aufs neue bekennen: Wir schließen nur Bruder⸗
schaft, marschieren und kämpfen nur unter der Fahne und dem
Wappen unsers HErrn JEsu Christi, und wir tun dieses im
Gehorsam gegen Gott, der über sein Wappen eifersüchtig wacht
und nur da mit seiner Gnade und Wahrheit zugegen sein will
und Glück zum Siege verleiht, wo seine Farbe und sein Wap⸗
pen getragen werden.
In den Geschäftskreis der Delegatensynode gehört natur⸗
gemäß die Beratung über allerlei kirchliche Einrichtungen und
synodale Ordnungen. Wir fassen Beschlüsse über den äußeren
Betrieb unserer Lehranstalten und Missionen, über unsere Fi⸗
nanzen, über die Befugnisse unserer Beamten und dergleichen.
Bei solchen Verhandlungen woͤllen wir stets eingedenk sein,
daß alle diese Dinge nicht zur Farbe und zum Wappen der Kirche
gehören, und wir uns deswegen darüber auch nicht ereifern sol⸗
len als über eine große Beute. In solchen Fragen braucht man
nicht einerlei Meinung zu sein, und sie werden in der Weise er⸗
ledigt, daß nach ernstlicher brüderlicher Besprechung die Mino⸗
rität sich der Majorität fügt, oder auch, wenn es die Liebe er⸗
fordert, die Majorität der Minorität weicht nach dem Wort des
Apostels Petrus: „Allesamt seid untereinander untertan und
haltet fest an der Demut!“ Und stellt es sich heraus, daß eine
Einrichtung nicht zweckentsprechend ist oder sich überlebt hat, so
soll sie getrost verändert oder aufgehoben werden. Luther sagt:
„Solche kirchliche Ordnungen und Einrichtungen sollen nicht
ewiglich bleiben, sondern mögen alle Stunde aus Ursache nach⸗
bleiben oder geändert werden.“
Der SErr, unser Gott, aber sei mit uns, wie er gewesen
ist mit unsern Vätern! Er verlasse uns nicht und ziehe die
Hand nicht ab von uns, zu neigen unser Herz zu ihm, daß wir
wandeln in allen seinen Wegen und halten seine Gebote, Sit⸗
ten und Rechte, die er unsern Vätern geboten hat.
F. Pfotenhauer.
Das heutige Theater.
Bei der Behandlung des sechsten Gebots stellt unser Syno⸗
dalkatechismus die Frage: „Was ist dazu nötig, daß wir keusch
und züchtig leben in Worten und Werken?“ — und die Ant⸗
wort lautet: „Daß wir mit Gottes Wort und Gebet, durch
Arbeit und Mäßigkeit die bösen Lüste dämpfen und auch alle
Gelegenheit zur Unkeuschheit fliehen und meiden.“ Im christ⸗
lichen Schulunterricht und im Konfirmandenunterricht wird
unsere Jugend in Anknüpfung an diese Stelle besonders ge⸗
warnt vor der Lektüre unsittlicher Bücher, vor dem Anschauen
unreiner Bilder, vor dem Besuch der Tanzhallen und dem Tanz
überhaupt sowie vor dem Besuch der Theater als vor „Ge—
legenheiten zur Unkeuschheit“.
Nach der Konfirmation nimmt aber die Welt unsere
Kinder in ihren Unterricht, und da wird ihnen vor allem
klar gemacht, das es mit diesen Sachen nicht so gefährlich sei,
daß besonders das Tanzen nicht so schlechthin verurteilt werden
sollte — es komme eben darauf an, mit wem und wo und wie
man tanze —, und daß auch zwischen Theatern und Theatern
ein Unterschied gemacht werden müsse.
Man solle doch, so spricht die Welt, nicht alle Theater ohne
Unterschied verdammen. Es habe doch ein „gutes“ Theater⸗
stück einen hohen erzieherischen Wert, wirke bildend und be⸗
lehrend, und wenn auch das Tun und Treiben der Gottlosen
darin zur Darstellung komme, so geschehe das eben, um an den
Folgen, die die Sünde nach sich zieht, das Verwerfliche des
Lasters zu lehren. Erhebt der Lehrer in der Schule, der Pastor
im Konfirmandenunterricht und in der sonntäglichen Predigt
seine Stimme gegen den Theaterbesuch, wird in unsern Zeit⸗
schriften davor gewarnt, so wird gesagt, das sei eben die Eng⸗
herzigkeit, narrowness, unserer Kirche, daß sie zur Sünde mache,
was wohl zur Sünde werden könne, an sich aber gar nicht
zu tadeln sei. Man müsse eben, so sagt man, die unanstän⸗
digen Theaterstücke meiden und nur solche Schauspiele sehen,
die in sittlicher Beziehung einwandfrei seien; man müsse auch
hier „alles prüfen und das Beste behalten“; dem Reinen sei
doch alles rein — und was der verkehrten und heuchlerischen
Reden mehr sind.
Nun gibt es drei Klassen von Leuten, die mehr vom
Theaterwesen verstehen als das Volk im allgemeinen. Das
sind vor allem die Eigentümer von Schauspielhäusern und die
Schauspieler selber und die sogenannten dramatischen Kritiker,
die in den großen Tageszeitungen die neuesten Bühnenstücke
zu beurteilen haben. Hören wir einmal, wie diese Leute über
den gegenwärtigen Stand des amerikanischen Theaters urteilen.
Unser erster Zeuge sei Herr Charles Burnham, Präsident
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