Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 9 › Seite 143

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. April 1914, Seite 143

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S er Lutberan

143

geworden. Und so haben wir denn in Nagercoil im Missions⸗
institut und in Ambur in der Lower Secondary School den
Anfang gemacht. Der Ausbau des Instituts und der nörd⸗
lichen Schule ist von höchster Bedeutung. Es darf uns auch
nicht verdrießen, daß diese Ausbildung von eingebornen Ge⸗
hilfen große Geldsummen fordern wird. Denn wollen wir
halten und ausbauen, was wir haben, so müssen unsere Missio⸗
nare solche Gehilfen haben.

Mit tiefem Bedauern hat der Unterzeichnete gesehen, daß
die Wohnungsverhältnisse mancher unserer Missionare durch⸗
aus ungenügend, ja geradezu gesundheitsschädlich sind. Welch
schädliche Folgen das für die Missionare und für unsere
Mission hat, das haben wir in letzter Zeit zu unserm Leid⸗
wesen erfahren. Es kann eben ein Europäer nicht in dein
Hause eines Eingebornen wohnen und dabei gesund bleiben.
Wir müssen also dafür sorgen, daß alle unsere Missionare so
bald als möglich mit gesunden, luftigen Wohnungen versorgt
werden. Das bedeutet aber den Ankauf von noch mehr Mis⸗
sionsgehöften und den Bau mehrerer Missionarswohnungen.

Auf beiden Missionsgebieten werden die Missionare durch
die Verhältnisse gedrängt, teils neue Stationen zu gründen,
teils immer mehr Schulen zu eröffnen. Was soll da nun ge⸗
schehen? Wird die Gründung neuer Stationen abgelehnt, so
steht zu befürchten, daß andere Missionsgesellschaften die Ge⸗
legenheit wahrnehmen und zugreifen. Das würde unsere
Arbeit dann in der Gegend für immer lahmlegen. Gehen wir
aber voran, so bedeutet das eine große Vermehrung unserer
Ausgaben.

Die Zahl der Getauften mehrt sich rasch. Die Folge wird
sein, daß wir hier und dort werden Kapellen errichten müssen,
damit geordnete Gemeindewesen gegründet werden können.
Das fordert wieder größere Summen.

Auch dürfen wir die Gründung von Mädchenschulen nicht
länger mehr aufschieben. Die indischen Verhältnisse machen
diese Einrichtung zur unumgänglichen Notwendigkeit. Es will
scheinen, als hätten wir mit der Gründung von Mädchenschulen
schon zu lange gewartet.

Und schließlich sei noch bemerkt, daß in unserer jungen,
so schnell gewachsenen Mission noch so mancherlei zu beschaffen
ist für die Missionarswohnungen, für das Institut, für die
Schulen und Kapellen. Mancherorts sieht es da bei uns noch
recht kümmerlich aus. Und das Bergheim und die ärztliche
Mission werden immer höhere Anforderungen an unsere Kasse
stellen, sollen sie wirklich ihrem Zwecke dienen.

Soll die Kommission ihren Verpflichtungen gegen die Mis⸗
sion pünktlich nachkommen können, so wird jährlich eine Summe
von 842,000 bis 850,000 nötig sein. Letztere Summe würde
dann nötig sein, wenn etwa noch mehr Stationen gegründet
werden sollten. ů

Lieber Christ, du betest: „Dein Reich komme!“ Damit
betest du auch für unsere indische Mission und für die lieben
Brüder, die dort in deinem Namen und Auftrage das süße
Evangelium verkündigen. Gott gebe, daß obiger Bericht dich
auch freudig und willig mache, regelmäßig deine Gabe
für dieses heilige Werk zu opfern! Gott wird seinen Segen
darauf legen, daß dadurch immer mehr arme Heiden zur Er⸗
kenntnis ihres Heilandes kommen, mit dir und mir am Kreuze
Christi knien und ihn anbeten als das Gotteslamm, das der

Welt Sünde trägt. Jul. A. Friedrich.

Zur kirchlichen Chronik.

Der Wiederaufbau unsers Lehrgebäudes in River Forest ist
bereits in Angriff genommen worden. Die verschiedenen Be⸗
hörden haben nach langer Beratung am 21. März beschlossen,
wesentlich nach dem früheren Plan wieder aufzubauen. Wohl
werden einige Türen verlegt, zwei Innenwände verschoben und
der Heizraum verändert, so daß nach menschlicher Berechnung
keine Feuersgefahr von da aus zu befürchten ist; aber sonst wird
ganz nach dem alten Plan gebaut. Die unwesentlichen Ande⸗
rungen bedingen keine Mehrausgabe. Die schadhaften Mauern
sind an einigen Stellen bereits abgetragen und die Innenbalken
gelegt. Es ist aber eine mühsame und langsame Arbeit. Gott
gebe nur, daß bei dem Abtragen der schadhaften Mauern kein
Unglück geschieht! — Mit dem Kollektieren für den Wiederaufbau
geht es sehr gut voran. Auch einzelne Christen senden große
Gaben ein. So hat zum Beispiel der Laie, der, wie im „Luthe⸗
raner“ berichtet worden ist, von Kuba aus eine Depesche sandte,
seinen ermunternden Worten bald die Tat folgen lassen. Er
sandte §1000.00 für den Brandschaden ein, begleitet von einer
andern Geldanweisung von §200.00 von einer lieben Christin.
So wird getrost weitergearbeitet mit dem Bestreben, bis zur
Synode Tüchtiges fertig zu haben. Aber unser Arbeiten, Mühen,
Sorgen, Wachen ist nur dann von Erfolg, wenn Gott es segnet.
Um seinen Segen bitten wir. W. C. K.

Sämtliche Gemeinden des Visitationskreises von Fort Wayne
und Umgegend — 30 an der Zahl — erhoben zur Osterzeit
Kollekten für den Wiederaufbau unsers niedergebrannten Lehr⸗
gebäudes bei Chicago. Das Resultat war, daß über §4300.00
gesammelt wurden. Wie ermutigend und glaubensstärkend wirkt
es doch, wenn die Liebe zu IEsu und seinem Reiche sich so in
einem ganzen großen Kranz von Gemeinden einmütig betätigt!
Es gehört das mit zu dem uns von Gott zugedachten Segen der
Heimsuchungen Gottes, daß sie die Herzen seiner gläubigen Kin⸗
der zusammenschmelzen und sie so recht eindringlich zu gemein⸗
samer Liebestätigkeit antreiben. A. L.

Um das Volk mit der Stellung unserer Kirche in Sachen der
Lehre und des Lebens vertraut zu machen, gibt es ein Hilfs⸗
mittel, auf das uns ein Leser aufmerksam macht und das gewiß
Beachtung verdient. Es sind das die Lesezimmer unserer öffent⸗
lichen Bibliotheken, speziell die sogenannten Periodical Rooms.
Dort liegen gewöhnlich die Tageszeitungen auf, daneben aber
auch sehr oft katholische Zeitschriften und der Schund der Chris-
tian Science. An mehreren Orten haben unsere Gemeinde⸗
glieder schon die Behörden von Bibliotheken ersucht, auch luthe⸗
rische Zeitschriften auszulegen, und in jedem Fall hat man das
bereitwilligst getan. Oft genügt schon, wenn Personen, die sonst
häufig die Bibliothek benutzen, Nachfrage anstellen. In einem
Falle haben sich die Glieder eines unserer Jugendvereine darum
bemüht, daß lutherische Blätter in das öffentliche Lesezimmer ein⸗
geführt werden, und zwar mit Erfolg.

Die Folgen einer religionslosen Erziehung des Volkes be⸗
obachtet man auch in den reformierten Kirchengemeinschaften mit
wachsender Besorgnis. Durch die erschreckende Zunahme jugend⸗
licher Verbrecher, die allenthalben zutage tritt und an die auch
die große, gedankenlose Masse des Volks durch die Hinrichtung
jener vier jugendlichen Mordsgesellen in New York wieder ge⸗
mahnt worden ist, drängt sich ernsten Beobachtern immer mehr
die Wahrheit auf, daß unser öffentliches Freischulsystem ein sehr
unvollkommenes zu nennen ist, weil es nämlich eine Erziehung
bietet, die der religiösen Grundlage entbehrt. Rev. D. Sweets,
der Sekretär der Board of Education der Presbyterianer, weist
in einem sehr ernsten Artikel auf diesen Notstand hin und macht
Vorschläge zur Abhilfe. D. Sweet führt das Wort Bird S.

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