Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 9 › Seite 141
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. April 1914, Seite 141
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Sr Tutserane.
141
Selbstgerechtigkeit an die Stelle des Glaubens. Kommt aber
die Gerechtigkeit aus dem Gesetz, so ist Christus umsonst ge⸗
storben. Das Freimaurertum lehrt die Gerechtigkeit durch
eigene Werke. Man will sich den Weg in den Himmel ver⸗
dienen.“
Wenn einer unserer Pastoren dieses geschrieben hätte, und
der Leser es einem Freimaurer zeigte, so würde er die Antwort
bekommen, die wir so oft haben hören müssen: „Der Mann
weiß nicht, wovon er redet. Ist er drin gewesen?“ In diesem
Fall geht das nicht so leicht. Herr Holt ist drin gewesen.
Sein Entlassungszeugnis auf dem official stationery der Groß⸗
loge von Minnesota liegt vor. Er hat uns eine Liste von
einunddreißig in Barnesville, Minn., wohnhaften Freimaurern
übersandt, die es bezeugen können, daß er dort Ordensglied
war. Und seine Aussagen über die Religion der Loge stimmen
genau mit dem, was wir sonst aus freimaurerischen Schriften
wissen. Mackey sagt in seinem Lexicon“ (S. 16): AMason,
by living in strict obedience to the obligations and precepts
of the fraternity, is free from sin.“ („Ein Freimaurer, der
streng nach den Eiden und Vorschriften des Ordens lebt, ist
von Sünde frei.“) In Sickles Monitor“ heißt es (S. 54):
„Die Einführungszeremonie bedeutet den Tod des Lasters und
der Leidenschaften und die Einführung in ein neues Leben der
Reinheit und Tugend.“ Und Seite 189: „Wir können nicht
glauben, daß irgend etwas außer dem, was diese drei ersten
Grade enthalten, erdacht werden kann, was die Seele des
Menschen nötig hat.“) In Ronaynes „Handbook“ steht
Seite 90 zu lesen: „Wer das Schurzfell der Freimaurer trägt,
wird dadurch immer an die Reinheit des Lebens und Wandels
gemahnt, die so wesentlich erforderlich ist, daß er
Zutritt zu der Großloge droben erhalte, wo der große Bau⸗
meister des Weltalls den Vorsitz führt.“ Seite 95: „Der rauhe
Baustein erinnert uns an unsern rohen, unvollkommenen Zu⸗
stand, der behauene Stein aber an den Zustand der Vollkom⸗
menheit, den wir durch Erziehung in der Tugend, unsere
eigenen Anstrengungen und Gottes Segen zu erlangen
hoffen.“ Im dritten Grad heißt es bei dem „Symbol des
Allsehenden Auges“: „Es schaut in die innersten Winkel des
menschlichen Herzens und wird uns nach unsern Ver⸗
diensten belohnen.“ (Ronayne, S. 241.)
In den Ritualen wird mit großer Umständlichkeit von
den verschiedenen Tugenden gehandelt, durch die man sich die
Seligkeit erwerben könne. Es wird da von einer „theolo⸗
gischen Leiter“ geredet (auf die sich auch Herr Holt in seinen
Aufzeichnungen bezieht), die aus sieben Stufen bestehen soll.
Die Stufen sind: Mäßigkeit, Tapferkeit, Klugheit, Gerechtigkeit,
Glaube, Liebe, Hoffnung. Der Grad des Royal Arch, im ame⸗
rikanischen Ritus, gilt als der Grad, in dem die „Wahrheit“,
nach welcher das Ordensglied auf der Suche sei, enthüllt wird.
(Mackey, Ritualist, S. 389.) Doch findet sich in diesem Grad
keine andere Lehre als in den ersten drei. Auch da wird
geredet von der Pflicht, die Leidenschaften und Vorurteile aus
der Seele zu entfernen, die ein Hindernis sind auf dem Wege
zur Tugend, damit der Mensch „den geistlichen und mora⸗
lischen Tempel seines neuen Lebens auf dem ewigen Funda⸗
ment der Wahrheit und Weisheit errichten könne“. Nur wird
in diesem Grad, dem siebenten des amerikanischen Ritus, der
2) Christian Cynosure, Nov. 1907.
Eid geleistet, alle Geheimnisse von Ordensbrüdern itouνι
eœπαεαption“ (also auch Mord und Landesverrat, die
in den gedruckten Ritualen der unteren Grade noch Ausnahme
sind) zu bewahren! Welch furchtbare Verworfenheit! Die
Tugenden aber, die hier vorgeschrieben werden, sind: Eifer,
Inbrunst, Treue und Liebe. Es kommt die Schriftstelle
2 Thess. 3, 6—16 zur Verlesung, doch werden im ersten Verse
die Worte „in dem Namen unsers HErrn JEsu Christi“ aus⸗
gelassen. Im Grad „Prince of Mercy,“ dem christlichen
26. Grad des schottischen Ritus, wird einmal davon geredet,
daß die Seelen am Jüngsten Tag von Sünden gereinigt wer⸗
den, nämlich indem sie durch die im Feuer des Jüngsten Ge⸗
richts zerschmolzenen Berge hindurch müssen, „that thus part-
ing with the deéfilement of sin, they may be fitted for the
bliss that awaits them“. Also auch hier kein Wort von dem
Blut JEsu Christi, das uns rein macht von aller Sünde.
Wohin wir auch schauen in diesen Ritualen, immer ist es
die Gerechtigkeit nicht aus dem Glauben, sondern aus dem
Gesetz, die als der Weg zur ewigen Seligkeit gelehrt wird.
Wenn im dritten Grad an dem Grabe Hiram Abifs der Aka⸗
zienzweig aufgepflanzt wird als Symbol des Lebens nach dem
Tode, so lauten die Worte des Worshipful Master: „Wenn
unsere Auflösung bevorsteht, und der Todesschweiß an der
Stirne perlt, dann folgen wir mit Freuden dem Rufe des
Großmeisters im Himmel und gehen aus den Mühen dieses
Lebens zur ewigen Erquickung in das Paradies Gottes. Dann
werden wir, durch das Verdienst eines reinen und
schuldlosen Lebens, als unsern Paß, unge⸗
säumt Einlaß erlangen zur himmlischen Loge
droben, wo der große Baumeister des Weltalls den Vorsitz
führt, wo er, zur Rechten unsers Obergroßmeisters, uns mit
Wohlgefallen als gerechte und aufrichtige Frei⸗
maurer begrüßen wird.“ Trotz der christlichen Formeln
sieht jeder auf den ersten Blick, daß hier die nackte Werkgerech⸗
tigkeit gelehrt wird, daß die Loge ohne Buße, ohne Glauben,
ohne das Verdienst Christi, ohne Gnade, lediglich aus den eige⸗
nen Werken die Menschen selig machen will.
Die Freimaurerloge hat keinen Gott, sondern einen
Götzen. 2 Joh. 9 sagt der Heilige Geist: „Wer übertritt und
bleibet nicht in der Lehre Christi, der hat keinen Gott.“
Und die Großloge droben ist nicht der Himmel, in ihr führt
nicht der Baumeister des Weltalls den Vorsitz, sondern nach
der Lehre der Schrift führt die Lehre, daß der Mensch aus
eigenem Verdienst, durch seine eigenen Werke, durch seine
Tugenden selig werden kann, zu der Großloge im Abgrund,
aus der kein Austritt mehr möglich ist. G.
Unsere Heidenmission in Ostindien.
III. Gegenwärtiger Stand der Mission.
In der letzten Nummer des „Lutheraner“ ist unter den
„Kurzen Nachrichten“ die Statistik über unsere indische Mission
für das Jahr 1913 mitgeteilt worden. Wir wollen die Zahlen
hier nicht wieder abdrucken lassen, sondern nur einige Be⸗
trachtungen über sie anstellen.
Nur zwei Arbeiter, die Missionare Näther und Mohn,
wurden bei Gründung unserer Mission am 14. Oktober 1894
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