Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 13 › Seite 203
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 23. Juni 1914, Seite 203
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ständige Ordensorganifation.
ten Weise zu fördern.“)
r Tutpsranet
203
weil die „Lutherritter“ eine Loge sind und nichts anderes
als eine Loge sein wollen.
In einem Schreiben des Sekretärs der Hauptgeschäftsstelle
in Des Moines lesen wir: We have three degrees in our
— secret work, with passwords, grips, and signs, as any secret
order has.“
(„Wir haben drei Grade in unserer geheimen
Arbeit, mit Paßwörtern, Griffen und Zeichen, wie sie jede ge⸗
heime Gesellschaft hat.“) Die Organisation ist ganz den Logen
nachgebildet. In Des Moines besteht das Sovereign Castle
Hoder die „Hauptburg“ des Ordens. Jeder Zweigverein heißt
wiederum „Burg“ und hat, wie die „Hauptburg“, eine voll⸗
Die Beamten heißen Dictator
(Vorsitzer), Scribe (Sekretär), Purser (Schatzmeister), Pa-
tiriarch usw., und ein Schreiben des Sovereign Scribe beteuert:
*The fraternal side you will find effective and binding.“
(„Sie werden finden, daß die Logenseite zweckmäßig und bin⸗
dend ist.“)) Für 30 Dollars liefert das Sovereign Castle in
Des Moines alles, was man zur Organisation einer Zweig⸗
burg braucht, und unter den nötigen Gegenständen wird ge⸗
nannt ein Siegel, ein Stimmkasten, ein Hammer, eine Bibel,
ein Register und eine Konstitution.
In der Venace, die übrigens für die Entstehung dieses
Ordens verantwortlich ist, schrieb der Sovereign Scribe letztes
Jahr: „Die Knights of Luther sind ein Verein, der durchaus
nicht allein für Lutheraner besteht, sondern dem Glieder aller
Gemeinschaften sowie auch Kirchlose beitreten können. Wir be⸗
stehen nur darauf, daß unsere Glieder an ein höheres Wesen
glauben müssen.“ Unter den Gegenständen, die den Zweig⸗
vereinen geliefert werden, nennt dieser Beamte auch einen
hoodwink“, eine Augenbinde; es finden also bei der Aufnahme
Zeremonien statt, die den Aufnahmezeremonien des Freimau⸗
rerordens nachgebildet sind. Sodann wird nochmals vom Sov-
ereign Scribe betont, daß die Fraternal side“ (also Verpflich⸗
tungen, Stillschweigen usw.) genau so „kräftig“ sei wie die
irgendeiner geheimen Gesellschaft.
Doch steht die Sache noch ärger. Ein Schriftstück, das von
dem „Castle“ (Zweigverein) in Chicago ausgeht, gibt unter
anderm folgende Zwecke als „Objects“ des Geheimbundes der
„Lutherritter“ an: To promote the moral and material wel-
kare of our members by every legitimate means.“ (Die mora⸗
lischen und materiellen Interessen der Glieder in jeder erlaub⸗
Uns ist kein Mittel bekannt, die
moralischen Interessen der Menschen — heißt also, ihr inneres,
sittliches Leben, ihr geistliches Wohlergehen — zu „fördern“,
als das Evangelium. Die „Lutherritter“ haben aber eine Re⸗
ligion, in der das Evangelium keine Stelle hat, die also auch
das geistliche Leben nicht fördern kann. Die Religion dieses
Ordens ist aufs Haar dieselbe wie die Religion der Freimaurer,
der Odd Fellows, der MNodern Woodmen, der Red Men und
der Logen überhaupt, denn in dem Zirkular, das von den „Ob-
jects“ des Vereins handelt, wird weiter noch gesagt, daß ein
Zweck auch dieser sei: To promote an era of universal fra-
ternity based upon the fatherhood of God and the brother-
hood of man.“ („Eine allgemeine Vereinigung zu fördern,
die auf der Vaterschaft Gottes und der Bruderschaft der Men⸗
schen gegründet ist.“) Das klingt sehr bekannt. Es ist die
alte, schale Moral der Geheimbündelei überhaupt. Man würde
allerdings diesen Leuten zu viel Ehre antun, wenn man glaubte,
daß sie wirklich solche Pläne im Sinne hatten, als sie die
„Lutherritter“ ins Leben riefen. Ihnen war darum zu tun,
eine Organisation zu schaffen, die in der Politik den Römlingen
entgegentreten könne. Warum haben sie das nicht klar gesagt
und es dabei bewenden lassen? Nein, das Ding würde zug⸗
kräftiger sein, wenn man den ganzen Logenfirlefanz samt seinen
Griffen, Zeichen, seinem Ritual, seinen Einführungszeremonien,
hochtrabenden Titeln und vor allem mit seinen „moralischen
Zwecken“ in die neue Organisation hineintrug. Da durfte auch
die Lehre, daß alle Menschen, die noch an einen Gott glauben,
Brüder sind und alle einen himmlischen Vater haben, nicht
fehlen. Und diese Lehre will man zur Geltung bringen, wie
dieses Zirkular ausdrücklich besagt, indem man von allen
Unterschieden der Religion absieht. Wer zu den „Lutherrit⸗
tern“ gehört, ist dadurch der allgemeinen menschlichen Bruder⸗
schaft beigetreten und hat einen himmlischen Vater.
Da kann ein Lutheraner nicht mitmachen. Wir haben es
hier mit einer echten Loge zu tun, die sich auch in ihrer Religion
nicht von andern Logen unterscheidet. Unserm Doktor Luther
aber ist eine Schmach angetan, daß sich ein Verein nach seinem
Namen nennt, der eine Lehre führt, die dem Evangelium schnur⸗
stracks zuwiderläuft, daß ein Mensch nämlich ohne Buße und
Glauben Gott zum Vater haben, ein Kind Gottes sein kann,
und der sich einbildet, ohne das Evangelium „moralische und
ethische“, also sittliche Bildung seiner Glieder erzielen zu kön⸗
nen. Ganz gewiß würde Luther, wenn er vom Grabe erstehen
könnte, sich nicht als Dictator“ oder Patriarch“ oder“Scribe“
des „Sovereign Castle“ in Des Moines wählen lassen, selbst
wenn man ihm den jährlichen Beitrag von §2.75 erlassen wollte.
Wir Lutheraner haben ganz andere Waffen, den Papst zu
bekämpfen. Wir haben das, womit ihm einst Luther das Loch
in seine Macht gerissen hat — das reine Evangelium. Der
Papst hat es noch nicht für der Mühe wert gehalten, die NMenace
und die „Lutherritter“ mit dem Fluch zu belegen, aber Luther
und sein Werk, die Reformation, und die lutherische Kirche hat
er schon unzähligemal mit seinen schrecklichsten Bannflüchen be⸗
legt. Die Papstkirche weiß auch, daß sie an unserer Kirche ihren
allergefährlichsten Gegner hat. Das hat sie schon oft erfahren,
erfährt es immer wieder und fürchtet daher unsere Kirche, wie
sie sonst keine Organisation auf Erden fürchtet. In Brasilien
starb vor einiger Zeit ein deutscher Jesuit namens Jacobs. Er
hat sich einem deutschen Reisenden gegenüber, wie folgt, über
den Einfluß, den das Zeugnis unserer Kirche auf sein Leben
ausgeübt hat, ausgesprochen: „Etwa zehn Jahre bekleidete ich
das Amt des Leiters einer unserer Missionsanstalten in Nord⸗
amerika. Unsere Hauptaufgabe bestand darin, das starke pro⸗
testantische Vordringen nach Möglichkeit zu bekämpfen. Am
festesten gesattelt gegen uns war die lutherische
Missourisynode. Um die von mir geleiteten Brüder recht
kampftüchtig zu machen, studierte ich die Schriften der Gegner
und führte meine ausgesucht begabten Streitgenossen für ihre
Predigten und Vorträge gründlich in alle Unterscheidungslehren
ein.“ Pfarrer Jacobs las die Luthersche Bibelübersetzung und
unsere Bekenntnisschriften und übte dann die ihm als Schüler
untergebenen Priester zu ihrem Kampf gegen die Lutheraner
auf die Weise ein, daß er, wie er erzählt, so tat, als ob er „ein
orthodoxer Lutheraner vom reinsten Wasser wäre“. Das tat
Pfarrer Jacobs, um die jungen Priester mit den stärksten Be⸗
weisgründen, die von unserer Seite gegen römische Lehre ange⸗
führt werden, bekannt zu machen, damit sie später erfolgreich
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