Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 13 › Seite 208
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 23. Juni 1914, Seite 208
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Wohltätigkeit 2 · Synode 15
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S Ner 2. utheranes
gekommen, um seinen Heimatsurlaub zu nehmen. — In Am⸗
bur Jhat sich der headmaster unserer Schule in Periankuppam,
ein Brahmine, zum Christentum gemeldet. So berichtet
mit herzlichem Dank gegen Gott Missionar G. Küchle.
Jul. A. Friedrich.
Sur kirchlichen Chronik.
Wie erzielen wir willige und eifrige Anteilnahme unserer
Gemeinden an dem Werk, das sie als Synode gemeinschaftlich
treiben? Diese Frage beantwortet ein Schreiben, das uns von
einem unserer Pastoren in Saskatchewan. Canada, kürzlich zu⸗
ging. Der betreffende Pastor schreibt: „Die im Lutheraner“
öfters gemachte Bemerkung, daß es bei unsern Leuten nicht an
der nötigen Willigkeit fehlt, Gaben für das Reich Gottes zu
opfern, wenn man es ihnen nur sagt. wo Not ist, kann ich aus
Erfahrung als richtig bestätigen. Ich begann meine Tätigkeit
hier vor einigen Jahren unter den schwierigsten Verhältnissen.
Man war ganz und gar gegen das Synodalwesen und nicht weni⸗
ger auch gegen das Kollektieren für auswärtige Zwecke eingenom⸗
men. Die Ursache war aber nicht nur der Geiz, sondern vor
allem folgendes: Von einer Synode hatte man die sonderbarsten
Vorstellungen. Was sah man da nicht für mißtrauische Gesichter,
wenn ich auch nur über eine Synodalversammlung Bericht er⸗
stattete! Ferner wurden unsere kirchlichen Zeitschriften fast gar
nicht gelesen. Und endlich war den Leuten die Not des Reiches
Gottes niemals warm ans Herz gelegt worden. Mein erstes
Ziel war daher, wo möglich, wenigstens eins unserer Kirchen⸗
blätter in jedes Haus zu bringen, jährliche Missionsfeste einzu⸗
führen und sowohl öffentlich als auch sonderlich die Leute mit
den Angelegenheiten unserer Synode bekannt zu machen. Diese
Arbeit blieb keineswegs erfolglos. Die Gaben fließen jetzt an⸗
ders als früher. Es zeigt sich mehr Interesse für Synodalsachen.
So wurde ich jüngst gefragt, ob ich nicht etwas tun wollte zur
Deckung der Synodalschuld. Die Erwartungen, die für aus⸗
wärtige Zwecke an die Gemeinden unserer Synode gestellt wer⸗
den, sind, wie ich mir sorgfältig ausgerechnet habe, nicht zu groß.
Wir könnten noch mehr tun. Wenn nur von allen Seiten nach
Kräften und planmäßig beigesteuert wird, dann sollte keine Kasse
leer bleiben. Wir haben zwar in unserm Distrikt eine große
Last mit der Inneren Mission, aber ich zweifele nicht daran, daß
meine Gemeinden bald den Durchschnittsbetrag für alle Kassen
werden aufbringen können. Man darf es den Leuten nur sagen,
wo es fehlt. Schlechte Christen wären es, die dann nicht gern
helfen wollten.“ G.
Das ein Christ seinem Nächsten in der Not helfen, vor allem
dem notleidenden Glaubensbruder mit seiner Unterstützung die⸗
nen soll, ist eine Wahrheit, die der Leser zur Genüge aus dem
Evangelium kennt. Wo wir Not sehen, sollen wir einspringen,
auch ohne lange zu fragen, ob die Not wohl selbstverschuldet ist,
sondern mit Rakt und Tat, mit unserer Zeit und unsern irdischen
Mitteln dem bedrängten Mitmenschen, vor allem dem leidenden
Glaubensgenossen, sooft sich die Gelegenheit bietet, zu Diensten
stehen. Damit soll aber nicht geleugnet sein, daß man für so⸗
genannte wohltätige Zwecke auch mit Unverstand geben
kann. Wir denken hier vor allem an gewisse Vereine, die für die
Unterstützung Notleidender unsere Gaben erbitten, die aber oft
für die Verwendung der gesammelten Gaben niemand als sich
selber verantwortlich sind. Die Beamten mancher dieser Vereine
arbeiten zum Teil unter hohem Gehalt, und da ist die Regel, daß
aus den gesammelten „milden Gaben“ erst die Gehälter der Be⸗
amten bezahlt werden müssen, ehe die Armen etwas erhalten. So
stellte sich kürzlich in Chicago heraus, daß die United Charities“-
Gesellschaft von einer Jahreseinnahme von §816,000 mehr als
5125,000 für Saläre ausgab. Ging aus der Kasse dieser großen
Gesellschaft, die sich ja sonst eines guten Rufs erfreut, doch noch
eine bedeutende Summe zur Linderung leiblicher Not, so kann
dieses leider nicht von allen Gesellschaften gesagt werden, die
unter der Flagge der Bruderliebe segeln. In Illinois und viel⸗
leicht auch in andern Staaten besteht ein Verein, der sich die
„Samaritan Army“ nennt. Die Beamten des Vereins wurden
kürzlich vor Gericht geladen, und das vorgenommene Verhör er⸗
gab die Tatsache, daß diese barmherzigen Samariter in neunzehn
Monaten, sage und schreibe, acht Dollars und fünfundvierzig Cents
den Armen zukommen ließen; die ganze übrige Einnahme wurde
auf Saläre verwandt. Ahnliche Zustände fand man in der Ver⸗
waltung einiger andern Gesellschaften, die kürzlich entstanden sind
und auch, wie die „Samariterarmee“, durch Sammeln an den
Haustüren ihre Gelder zusammenbringen. In dieser Verbindung
möchten wir einen Leser zu Worte kommen lassen, der sich neulich
über einen verwandten Gegenstand, nämlich über das Land⸗
streicherwesen, über das berufsmäßige Betteln, aussprach. „Wohl
sollen wir Christen“, schreibt dieser Leser, „das Almosengeben
nicht vergessen, wohl sollen wir geben dem, der uns bittet, aber
doch nur, wenn solche nicht zu denen gehören, von denen der
Apostel Paulus redet: welche unordentlich wandeln und Vorwitz
treiben“. Solche sollen wir in ihrem Treiben nicht stärken. Wir
lutherischen Christen können gewiß unsere Liebesgaben besser an⸗
wenden, als sie solchen Vorwitz Treibenden zu schenken. Wir
wollen sorgfältig und haushälterisch verfahren.“ Ganz gewiß.
Und als Glieder unserer Synode sind wir in der Lage, unsere
Gaben für Notleidende da anzubringen, wo wir wissen, daß sie
ohne Abzug für Saläre oder „laufende Ausgaben“ solchen zugute
kommen, die der Hilfe wirklich in hohem Maße bedürftig sind. Die
Kasse, die unsere Synode für diesen Zweck errichtet hat, ist die
Allgemeine Unterstützungskasse. Aus dieser Kasse sind in den
letzten drei Jahren an notleidende Glaubensbrüder mehr als
840,000 verausgabt worden. Die Kommission macht in ihrem
Bericht dankend darauf aufmerksam, daß dieser Kasse in den letz⸗
ten Jahren verschiedene Vermächtnisse zugeflossen sind. Eine
ganze Anzahl unserer Gemeinden bedenkt jetzt diese Kasse mit
regelmäßigen Kollekten. Daran tun die Glieder dieser Gemein⸗
den jedenfalls besser, als wenn sie ihre Gaben fragwürdigen Ge⸗
sellschaften mit rührenden Namen geben, etwa den Agenten der
„Gospel Army“ oder der „Redeemer's Army“, der „Lord's
Army“, der Volunteer Slum Army“ oder gar der schon genann⸗
ten „Samaritan Army“, die in neunzehn Wochen §8.45 für
Wohltätigkeit und etwa §5590 an Salären für ihre Beamten
ausgab. G.
über die amerikanische Mordstatistik stellte kürzlich der
„Christliche Apologete“ folgende Betrachtung an: „Im Jahre
1900 wurden von je hunderttausend Bewohnern der Vereinig⸗
ten Staaten zwei ermordert. Im Jahre 1905 waren es zwischen
vier und fünf, im Jahre 1911 beinahe sieben. Im Jahre 1912
wurden in unserm Lande 9152 Menschen umgebracht; im letzten
Jahre werden es wohl reichlich ebenso viele gewesen sein — macht
in zwei Jahren reichlich 18,000 Opfer von Mördern und Tot⸗
schlägern. Ungefähr dieselbe Anzahl Opfer haben, wenn man die
von dem Feinde Getöteten zählt, die neun bedeutendsten Schlach⸗
ten des Bürgerkrieges gefordert. Es gibt in der ganzen Welt
kein Land, wo die Morde und Totschläge in den letzten Jahren so
ungeheuer zugenommen haben wie in den Vereinigten Staaten.
Dafür gibt es aber auch kein Land wieder, wo Mörder so leicht
ihrer Strafe entgehen wie hierzulande. Im Jahre 1910 wurden
in. Chicago an die zweihundert Morde verübt, aber nur ein
Mörder büßte seine Tat am Galgen. Während in Deutschland
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