Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 13 › Seite 209

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 23. Juni 1914, Seite 209

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7 Laune der Schülerschaft muß Rechnung getragen werden.

Xerziehung.“

mert und verschroben bleibt.

es, ein Stück Rasen zu schneiden.

209

und England nur ein ganz geringer Prozentsatz der Morde unge⸗
sühnt bleibt, wird hierzulaͤnde nur ein geringer Prozentsatz ge⸗
sühnt. Dort wird gegen das Mordgesindel mit der ganzen Strenge
des Gesetzes verfahren, hier sucht man für jeden Mord nach mil⸗
dernden Umständen und banalen Entschuldigungen. Dort wird
der überführte Mörder unerbittlich dem Nachrichter überant⸗
wortet, hier steckt man ihn auf ein paar Jahre ins Zuchthaus,
wo er es besser hat als so mancher Arbeiter, der schwer um sein
bißchen Existenz zu kämpfen hat. Mit solchen Strafen macht
man auf das Mordgesindel keinen Eindruck. Darüber lacht es.
Weil wir eine so mangelhafte Rechtspflege und so viel Gefühls⸗
duselei im Lande haben, haben wir die unheimliche Mordstatistik,
mit der wir uns vor der ganzen Welt schämen müssen.“ — Da⸗
mit ist die Sache noch nicht erklärt. Der Grund liegt tiefer. Die
große Mehrzahl dieser Mörder sind junge Männer, viele kaum
dem Knabenalter entwachsen. Es muß in der Erziehung
Jungamerikas etwas faul sein. Das erkennen auch unsere Er⸗
zieher. Im Atlantio Montily sprach sich vor einiger Zeit ein
solcher aus über die Zunahme von Verbrechen gegen Leben und
Eigentum und faßte sein Urteil in den Satz zusammen: „Diese
aufwachsende Generation hat eine so mangelhafte und verwässerte
religiöse Erziehung erhalten wie wohl keine Generation, seitdem
das Christentum besteht.“ Man kann noch weiter gehen und
Herrn W. O. Thompson, dem Präsidenten der Universität des
Staates Ohio, recht geben, der sich in einer Rede letztes Jahr, wie
folgt, vernehmen ließ: „Die Sache liegt tatsächlich so, daß ein
junger Mann heutzutage durch alle Staatsschulen gehen kann.
die Universität eingeschlossen, und doch so wenig von der Bibel
wissen, so wenig berührt worden sein von der Wahrheit der Bibel
und in solcher Unkenntnis der Grundlehren des Christentums ge⸗
blieben sein, als ob er in einem Heidenlande aufgezogen wäre.“
Wo geistliche Finsternis herrscht, wo alle Gottesfurcht fehlt, da
müssen die Verbrechen überhandnehmen. So erklärt sich auch die
schauerliche Mordstatistik unsers Landes. G.

Ein scharfes Wort über die Verweichlichung der amerikani⸗
schen Jugend redet J. V. Collins, ein namhafter Schulmann, in
der letzten Nummer des Educational Review. Sein Artikel trägt
die überschrift: „Die Schwäche in der amerikanischen Schul⸗
Die gegenwärtige Mode ist, nach der Darstellung
des Herrn Collins, daß man in der Volksschulerziehung den
Schülern alles so leicht wie möglich macht. Die Schulstunden
müssen um jeden Preis „interessant“ gemacht werden. Jeder
Die
Mandeln (tonsils) und Zähne der Kinder sind Gegenstand der
weitgehendsten Schutzmaßregeln; dagegen kehrt man sich wenig
daran, ob der Geist des Kindes schwächlich und die Seele perküm⸗
Die Jugend wird dann auch da⸗
nach. Collins führt den Fall eines Knaben an, der gerade der
Schule entwachsen war. Der betreffende junge Herr übernahm
Während der Arbeit fand er
es nötig, sich mit einem Glas erfrischenden Getränks zu stärken,

und reichte schließlich für seine zweistündige Arbeit eine Rechnung
ein für 2 Dollars. Herr Collins meint, man solle bei jeder öffent⸗

lichen Hochschule ein Fabrikgebäude errichten, wo sich die Kinder

mit passender Arbeit, je nach ihrer Veranlagung, beschäftigen

könnten, wenn ihnen die Unterrichtsfächer nicht behagen. Dazu
bemerkt der CMurchman ganz treffend, es könne ja außerdem für
den Fall, daß manchen Kindern weder der Schulunterricht noch

die Beschäftigung in der Fabrik gefalle, für solche Zöglinge bei
jeder öffentlichen Hochschule gleich ein kleines Zuchthaus (a juve-

nile penitentiary) errichtet werden. 6

Daß man unheilbar Kranke, besonders wenn sie große

Schmerzen leiden, durch Chloroform umbringen sollte, um sie aus

ihren Qualen zu erlösen, ist ein Gedanke, der von gottlosen

Urzten manchmal ausgesprochen wird, und der auch schon in der
Form eines Gesetzvorschlags an die Legislatur mehrerer Staaten
gelangt ist. Natürlich sind diese Vorschläge in den Papierkorb
gewandert, wo sie hingehören, denn auch das natürliche Gewissen
sträubt sich gegen ein Abschlachten „unheilbar“ Kranker. Wir
setzen das Wort unheilbar in Gänsefüßchen, um anzudeuten, daß
es wohl schwer festzustellen ist, wann eine sogenannte unheilbare
Krankheit wirklich unheilbar ist. Es wird das jetzt als eine
besondere Barmherzigkeit herausgestrichen, wenn einem Menschen,
der voraussichtlich lange Zeit in Schmerzen liegen muß, durch eine
Dosis Chloroform oder durch das Öffnen einer Ader, wie man
sagt, „die Qualen verkürzt werden.“ Allerdings wird dieser Vor⸗
schlag nur von Gottesleugnern gemacht, wie zum Beispiel ein
deutscher Monist (Ungläubiger) vor einiger Zeit schrieb: „Vor
allem möchte ich hervorheben, daß wir Monisten die unabweisbar
moralische Verpflichtung haben, unsern Kranken die Euthanasie“
— so nennt man die ärztliche Tötung von unheilbar Kranken —
„zu erkämpfen. Wir zerstören im Namen der Wissenschaft den
Jenseitsglauben, der den Elenden ihr monate⸗ und jahrelanges
qualvolles Sterbelager erträglich macht; wir predigen ein kriti⸗
sches Verhalten zu Sitten und Gebräuchen und wecken diejenigen,
welche, der Sitte gehorchend, ohne nachzudenken, ihr „anges,
schweres Leiden mit „Würde“ als etwas Unvermeidliches“ zu
tragen und „selbstverständlich' bis auf den letzten Tropfen durch⸗
zukosten bereit gewesen wären. Was bieten wir ihnen als Ersatz?
Was antworten wir ihnen, wenn sie fragen: „Ihr Rüstigen und
Starken, warum verurteilt ihr uns zu so trostlosem, zwecklosem,
überflüssigem Leiden? Warum laßt ihr uns nicht schon heute
sanft sterben, sondern fordert, daß wir den langen Marterweg
durchwandern, dessen sicheres Endziel ja doch derselbe Tod ist, den
ihr uns heute versagt?““ — Daß nur ein ungläubiger Kranker
seine Angehörigen so zum Mord auffordern kann, liegt auf der
Hand. Doch liegt solchen Forderungen und Vorschlägen außer⸗
dem noch eine große Torheit zugrunde. Vor einigen Jahren
veröffentlichten die Zeitungen den Brief einer Frau, die, von
einem unheilbaren Leiden befallen, ihre Arzte bat, sie möchten
ihr doch „gnädig“ auf „wissenschaftlichem Wege“ den Garaus
machen, um sie von ihren Schmerzen zu erlösen. Damals erhielt
diese Frau aus allen Teilen des Landes Zuschriften, die ihr allen
Ernstes den Rat erteilten, sich doch von einem guten Freund ums
Leben bringen zu lassen, und auch in den Zeitungen las man
damals öfters von dem „Recht“ der Arzte, in solchen Fällen
durch einen schmerzlosen Tod den Kranken von seinen Leiden zu
„erlösen“. Ganz kürzlich stand aber in dem Journal of tze
American Medical Associatton, der bedeutendsten medizinischen
Fachschrift des Landes, eine Notiz, daß die betreffende Frau jetzt
vollständig genesen sei und sich sehr freue, daß ein „barmherziger“
Arzt ihr nicht einige Gran Strychnin verabreicht habe, als sie
scheinbar „unheilbar krank“ lag. In Atco, N. J., lebt eine Frau
namens Squier, die vor einem Jahre an einem „unheilbaren“
Gewächs litt. Sie bat um „barmherzige Tötung“, da sie ja doch
nur einige qualvolle Monate zu leben habe. Jetzt ist sie von
ihren Ärzten als vollständig geheilt aus der Behandlung ent⸗
lassen worden! Welcher Mensch will entscheiden, wann eine
Krankheit unheilbar ist? Wir Christen wissen, daß es eigentlich
gar keine unheilbaren Krankheiten gibt. Wo es Gottes Wille ist,
daß das Leben erhalten bleiben und die Gesundheit wiederkehren
soll, muß jede Krankheit, auch die schwerste, weichen. Christen
haben es erfahren, daß auf ihr inbrünstiges Gebet hin auch
Kranke, die von allen Arzten aufgegeben worden waren, wieder
gesundet sind. Aber das weiß die ungläubige Welt nicht. Sie
weiß auch nicht, daß für manche Leute die Qualen erst be⸗
ginnen, nachdem sie aus diesem zeitlichen Dasein geschieden
sind, und daß man deshalb auch nicht so ohne weiteres das als

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