Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 13 › Seite 207

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 23. Juni 1914, Seite 207

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8 Tutheranet

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spendet. Etwas müde und gelähmt kommt man heim, aber es
gilt, sich bald wieder zu rüsten zu neuer Arbeit.

Diese und ähnliche Erfahrungen machen eure Arbeiter
in der Mission. Wenn ihr nun aufgefordert werdet, Gaben für
die Mission darzubringen, so tut das mit fröhlichem Herzen und
wißt, daß eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem HErrn. Ihr
gebt es wirklich dem HErrn JEsu, zum Bau seines Reiches.

E. D.

Südamerika. Argentinien. (Brief an die Missions⸗
kommission.) Es sind jetzt bald zwei Jahre, seit ich auf meiner
damaligen Besuchsreise von Ihnen mich verabschiedete. In
dieser ganzen Zeit habe ich Ihnen noch nichts geschrieben über
den Fortgang unserer Arbeit hier in Argentinien. Wir müssen
bekennen, daß der HErr in dieser Zeit mit uns gewesen ist und
unsere leider recht geringen Kräfte über Bitten und Verstehen
gesegnet hat. Haben wir doch nicht nur einen Mitarbeiter be⸗
kommen, so daß das so notwendige Reisepredigeramt im Süden
der Republik eingerichtet werden konnte, sondern auch eine ganze
Anzahl neuer Gemeinden und Predigtplätze übernehmen dürfen.
So bedient unser von Gott mit schönen Gaben gezierter Reise⸗
prediger, P. Konrad Schröder, in der Pampa Central gegen⸗
wärtig zehn Posten. Allerdings ist die Lage der Gemeinden
dort unten recht schwierig, da die Leute durch vier aufeinander⸗
folgende Fehlernten sehr verarmt und verschuldet sind. Auch
die diesjährige Ernte war für die meisten unserer Gemeinden
dort eine vollständige Mißernte, so daß sie gar nicht schneiden
konnten. Bei vielen steht es so, daß Hungersnot droht, und sie
der Beisteuer der andern ́Gemeinden bedürfen. Doch je schlech;
ter die Leute im Irdischen stehen, desto empfänglicher pflegen
sie zu sein für Gottes Wort. Und das wird ihnen, will's Gott,
nicht mangeln.

Auch hier in Entre Rios sind wir nicht stehen geblieben.
Das Gemeindegebiet von Lucas Gonzalez, wo gegenwärtig
P. C. A. Nicklas im Segen arbeitet, ist etwas zurückgegangen
an Seelenzahl, da viele von den Pächtern bei Galarza in mein
Gemeindegebiet gezogen sind. P. Nicklas bedient gegenwärtig
vier Gemeinden (La Slave, Campo Moran, Galarza und Li⸗
baros). Daneben predigt er aus hilfsweise öfters in einzelnen
meiner Gemeinden. Mein Kirchspiel, wie die Leute hier sagen,
ist in den letzten zwei Jahren wieder gut gewachsen. Damals
bediente ich drei Plätze, gegenwärtig deren acht, und dann sind
noch drei, die um Bedienung nachgesucht haben. Ich bediene jetzt
San Juan, San Ernesto, Santa Dolores, Irazusta, Campo
Dellachiesa, Campo Esmeralda, San Jose und Villa Carlota.
Um Bedienung gebeten haben Urdinarrain (11 lutherische Fa⸗
milien), Campo de los Cinta (12 bis 15 Familien) und etwa
6 Familien Schweizer und Franzosen bei Urquiza. Die letzteren
müssen in spanischer Sprache bedient werden. Damit würden
wir auch einen Anfang bekommen mit der Arbeit unter den Ein⸗
gebornen dieses Landes, die in wahrhaft heidnischer Finsternis
sitzen, trotzdem sie zumeist äußerlich Glieder der römisch⸗katho⸗
lischen Kirche sind. In diesen Ländern hier unten sieht man so
recht, wie die römische Kirche ihre Angehörigen als eine rechte
(Raben⸗)Mutter behandelt, indem sie sie in der größten Un⸗
wissenheit beläßt und erhält. Die Sekten (Methodisten, Adven⸗
tisten und andere) arbeiten mit guten Erfolgen unter diesen
armen Menschenkindern. Und wir, die wir doch allein ihnen
das reine Licht des Evangeliums anstecken könnten, haben

bisher noch nichts getan. Es fehlt uns ja auch immer an Leuten,
um nur das Vorhandene einigermaßen zu bedienen, nämlich
die zerstreuten Glaubensbrüder, die um unsere Bedienung nach⸗
suchen. Aber wieviel mehr sollten und könnten wir doch tun!
Es wird mir nicht eben etwas Leichtes sein, jetzt spanisch zu
predigen, weil meine übung im Reden in dieser Sprache gering
ist, und ich im Spanischpredigen gar keine Erfahrung habe.
Doch Gott wird schon helfen, und ist auch nicht alles der Form
nach gleich mustergültig, so wird doch durch Gottes Gnade die
Lehre von der Rechtfertigung rein sein.

Aber mich drückt besonders die Frage: Wie kann ich alle
diese Leute bedienen, zumal ich mit Recht vermute, daß bald
neue Nachfragen um Bedienung einlaufen werden? San Ernesto
werde ich abtreten an P. Nicklas, aber den Rest kann ich kaum
abtreten, da die Bahnverbindung dahin von Lucas Gonzalez
aus sehr unpassend ist. Wir haben auf unserer letzten Konferenz
im November ein dringendes Gesuch um einen Reiseprediger für
Entre Rios an die Missionskommission in Brasilien eingesandt.
Aber es kommt nun darauf an, ob ein Kandidat kommt oder
nicht. Ich kann unmöglich immer, wie das nun schon fast sechs
Jahre der Fall gewesen ist, Reisepredigerdienste tun und meine
große Hauptgemeinde dadurch vernachlässigen. So willig diese
auch war, mir zu erlauben, den dringenden Gesuchen um Be⸗
dienung mit Gottes Wort Folge zu leisten, so macht sich doch
mehr und mehr die Unzufriedenheit bemerkbar, weil das immer
so fortgeht und immer mehr dazukommt, ohne daß Hilfe ge⸗
leistet wird durch Zusendung eines Reisepredigers.

In Buenos Aires geht es, wie es scheint, recht langsam
vorwärts. Wir jungen Leute wollen nämlich immer gleich
Früchte mit heimnehmen, wenn wir den Samen ausstreuen.
Unsere Väter wußten das besser, und wir müssen es auch
lernen, daß unsere Saat eine Saat auf Hoffnung ist, und Jes.
55, 11 wahr ist, auch wenn wir es nicht gleich mit Augen sehen.

Urdinarrain, 28. Febr. 1914. O. W. C. Böttcher.

Indien. Missionar R. Freche, der auf der Rückreise von
der Missionskonferenz auch die Station Trivandrum besuchte,
berichtet: „Ich war selber Zeuge, wie alle Tage Eingeborne
vor Bruder Naus Tür standen mit geschriebenen Petitionen, in
denen Bruder Nau gebeten wird, da- oder dorthin zu kommen;
es wollten immer mehrere Hundert Christen werden.“ — Am
8. März taufte Missionar Freche einen heidnischen Ehemann
namens Markanden. In der Taufe bekam er den Namen
„Marku“ (Markus). — In der Gemeinde zu Vaniyambadi
starb eine Frau namens Pakkiyam an der Pest. — Missionar
Freche berichtet: „In Vellayampattu bricht das Eis immer
mehr. Ein verhältnismäßig wohlhabender Paria, der Felder
besitzt ..., mit Namen Krishnan, hat sich mit seiner Tochter,
neun Jahre alt, und einem Söhnchen, vier Jahre alt, zum
Christentum gemeldet. Er soll zu Pfingsten samt seinen Kin⸗
dern getauft werden. . .. Es befinden sich.. . 10 Seelen gegen⸗
wärtig im Unterricht und in der Bereitschaft zur Taufe.“ Die
Schüler in unserer Christenschule zu Turayeri lesen unter Lei⸗
tung Missionar Freches das Johannisevangelium und sind bald
damit fertig. — Missionar G. Hübener berichtet, sein Lehrer
in Maruchaltalei sei an Blinddarmentzündung gestorben. —
Die Leute in Kalunkadi haben das Stück Land, auf dem unser
Pandel steht, gekauft und der Mission überschrieben. —. Missio⸗
nar H. Nau ist mit seiner Familie glücklich in Deutschland an⸗

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