Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 13 › Seite 211
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 23. Juni 1914, Seite 211
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Vutpsrane.
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glaubens sind aufgestiegen, sie zu verdunkeln, Zweifel und Un⸗
wetter haben sich erhoben, aber die Sonne steht noch am Firma⸗
mente, sie hat die Macht, mit ihren Glückstrahlen die Finsternis
und die Nacht der Sünde zu durchbrechen. Auch in unser Herz
will diese Sonne scheinen, will das Dunkel aus unserer Seele
wegnehmen, uns zu Kindern des Lichtes machen. Möchten wir
alle ihr doch freudig entgegenschauen und uns von ihr durch⸗
leuchten lassen!
—
Warum sollt' ih n
Das ganze Leben JEsu ist von Lobgesängen umrahmt.
Maria spricht: „Meine Seele erhebet den HErrn, und mein Geist
freuet sich Gottes, meines Heilandes.“ Zacharias jubelt: „Ge⸗
lobet sei der HErr, der Gott Israels; denn er hat besucht und
erlöset sein Volk.“ Die Hirten preisen und loben Gott um alles,
was sie gehört und gesehen hatten, und freudig bewegt begrüßen
Simeon und Hanna das JEsuskind im Tempel. Später hören
wir dann wiederholt, daß das Volk bei den Zeichen und Wun⸗
dern des HErrn zum Lobe Gottes begeistert wird. Ja, sogar
als IEsus am Kreuze verscheidet, da preist der Hauptmann dies
selige Sterben, und endlich nach der Himmelfahrt kehren die
Jünger nach Jerusalem zurück mit großer Freude, preisen und
loben Gott. Der aber, welcher einst allen ein Born der Freude
war, der ist bei uns bis an der Welt Ende. Wer wollte da trau⸗
rig sein?
denn grämen?
Warum sollt' ich mich denn grämen?
Hab' ich doch Christum noch,
Wer will mir den nehmen?
—
Das Testament eines Mörders.
Vor nicht langer Zeit wurde in Bautzen ein Mann namens
Hoche wegen Ermordung seiner Frau zum Tode verurteilt. In
der Nacht vor der Hinrichtung hat der Verurteilte Aufzeich⸗
nungen gemacht, aus denen die Blätter folgende Stellen mit⸗
teilen:
„Wenn ich mich frage, was mich zum Wörder gemacht hat,
so weiß ich nur eine Antwort: der Schnaps. Langsam hat
es angefangen. Schon von Kind an habe ich es nicht anders ge⸗
sehen. Mein Vater war ein Trinker und ist in der Trunkenheit
im Schnee erfroren und elend umgekommen. Ihr Väter, die ihr
Trinker seid, bedenkt, daß ihr durch eure böse Gewohnheit das
Blut und durch euer böses Beispiel das Leben eurer Kinder ver⸗
giftet! Als ich die Schule verließ, wurde ich Maurer und trank
wie alle Maurer meinen Schnaps. Anfangs war ich dabei noch
ein fleißiger und guter Arbeiter und verdiente mein schönes Geld.
Aber je mehr ich verdiente, desto mehr trank ich, und je mehr ich
trank, desto mehr schwand die Lust und Kraft zur Arbeit. Es
ging langsam, aber unaufhaltsam bergab mit mir. Ich machte
die Bekanntschaft mit dem Zuchthause und dem Korrektionshause.
Aber wenn ich heraus war, fing das Trinken wieder von vorne an.
Zuletzt arbeitete ich gar nicht mehr und ließ mich von meiner
Frau ernähren. Ich war zufrieden, wenn sie mir das nötige
Geld zum Schnaps gab. Gab sie es mir nicht, so schlug ich sie.
Meine Stiefkinder mußten mir den Schnaps holen früh, ehe sie
in die Schule gingen, und abends, wenn sie von der Arbeit kamen.
Ich will verschweigen, welche Schandtaten ich verübt habe, weil
der Schnaps mir alle Willenskraft geraubt hat, so daß ich nur
meinem tierischen Triebe folgte. Schließlich erschlug ich meine
Frau; das war das letzte Glied in der Kette von Sünden und
Schandtaten, zu denen mich nur der Schnaps verleitet hat. Mor⸗
gen werde ich hingerichtet. Ich habe den Tod verdient; ich sterbe
reuig, und Gott wird mir gnädig sein. Aber ich vermag nicht
*
zu sterben, ohne einen lauten Warnungsruf in die Welt geschickt
zu haben. Das soll mein Testament sein. Der Warnungsruf
gilt vor allem euch, meinen Freunden und Trinkgenossen, die wir
manchmal zusammengesessen haben. Kehrt um von eurem bösen
Wege! Mein Beispiel zeigt euch, wohin er führt. Werft die
Schnapsflasche an die Wand, solange es Zeit ist, ehe euch der
Schnapsteufel so weit bringt, wie er mich gebracht hat!“
————
Die Scheidestunde.
Als Robert Flockhart, Prediger in Edinburgh, Schottland,
im Jahr 1848 auf dem Sterbebette lag, sagte er: „Ich habe so⸗
eben von einigen meiner teuersten Freunde Abschied genommen.“
Auf die Frage: „Wer waren diese?“ antwortete er: „Der erste,
der ins Zimmer trat, war der Glaube. Zu diesem sagte ich:
Glaube, dich habe ich jetzt nicht mehr nötig, denn ich gehe hinein,
ich gehe in das Schauen; darum sage ich dir Lebewohl. Der
zweite Freund, der hereintrat, war die Hoffnung; zu ihr sagte
ich: Hoffnung, du bist in vielen dunklen, einsamen Stunden mein
Trost gewesen; aber jetzt brauche ich dich nicht mehr, denn ich
gehe hinein zu dem, der die lebendige Hoffnung ist. Darum sage
ich dir Lebewohl. Der dritte Freund war die Liebe; zu ihr sagte
ich: Liebe, ich habe nicht vor, von dir Abschied zu nehmen, denn
der Himmel ist voll von Leuten, wie du bist; darum denke ich, es
ist am besten, wenn du gleich mit mir gehst. H.
Du darfst nicht fehlen.
Denke keinen Augenblick, daß, weil andere nicht auf ihrem
Platze sind, du nicht vermißt wirst, wenn du auf dem deinigen
fehlst. Als einst der Direktor einer berühmten Musikkapelle
Probe hielt, wurde der Pikkolospieler etwas müde und gedachte,
nur einen Augenblick zu pausieren, in der Meinung, daß sein
kleines Instrument nicht würde vermißt werden. Er hatte aber
kaum zu spielen aufgehört, da rief der Direktor schon Halt und
sagte: „Wo ist das Pikkolo?“
Merke dir es: Wenn du auf deinem Platze fehlst, wirst du
vermißt werden, IEsus wird dich vermissen.
Todesanzeigen.
P. Friedrich Wilhelm Lange wurde am 28. März
1839 zu Heithöfen, Hannover, Deutschland, geboren. Mit sei⸗
nen Eltern kam er im Jahre 1855 nach Amerika und wurde bei
Washington, Mo., wohnhaft. Als neunzehnjähriger Jüngling
bezog er 1858 das praktische Predigerseminar zu Fort Wayne.
Nach bestandenem Examen wurde er im Sommer 1861 als erster
Missionar nach Kansas gesandt. Er begann seine Arbeit am
13. August desselben Jahres bei Clarks Creek, Kans., wo etliche
lutherische Familien sich niedergelassen hatten. Vier Tage später
hielt er im Wohnhause seines Wirtes namens C. F. Wetzel den
ersten Gottesdienst und predigte über Joh. 3. 16. Drei Wochen
später erhielt er von den sich um das Wort Gottes scharenden
Zuhörern in einer Gemeindeversammlung seinen Predigerberuf.
Da kein rechtgläubiger lutherischer Pastor in ganz Kansas war,
und auch sonst keiner kommen konnte, wurde der Kandidat Lange
erst am 12. Sonntag nach Trinitatis im folgenden Jahre ordi⸗
niert von P. M. Meyer, der inzwischen auch in den Missions⸗
dienst in Kansas eingetreten war. Im Jahre 1863 nahm er
einen Beruf nach Humboldt, Kans., an. Nach neunjähriger an⸗
gestrengter Arbeit im Missionsdienst, in welcher er Mühsale und
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