Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 13 › Seite 210
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 23. Juni 1914, Seite 210
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Ver TutberaneSE
eine „Erlösung“ bezeichnen sollte, wenn ein Mensch nach schmerz⸗
hafter Krankheit stirbt. G.
Der Feldzug der Verleumdung gegen das Andenken
D. Luthers, mit dem die katholische Kirche neuerdings wieder
einen frischen Anlauf genommen hat, wird auf der ganzen
Linie weitergeführt. Das Jesuitenblatt Vera HRoma nannte
kürzlich Luther einen „schamlosen Renegaden“ (Abtrünnigen),
der Deutschland einer „ketzerischen Fäulnis überantwortet“ habe,
indem er jene Trennung in der „katholischen Mutterkirche“ an⸗
richtete. Die Reformation wird ein Verbrechen genannt, das
„Unreine, tausendmal verfluchte Hände mit schmutzigem Messer“
an der Kirche taten; es sei das eine „ekle satanische Rebellion
gegen die Lehren der heiligen Kirche“ gewesen. Das Luthertum
sei aber jetzt am Aussterben, sei ein „Kadaver, den man nicht
mehr ins Leben zurückrufen wird'! Man hört den Jesuiten
ordentlich schnauben, wie er das hinschreibt. — Doch noch eine
ganz andere Leistung hat ein amerikanischer Papist kürzlich an
die Sffentlichkeit gelangen lassen. Es ist das ein in Pittsburg
wohnhafter Katholik namens Robert Trach Alonzo. Der hat ein
Drama geschrieben, das den Titel trägt: „Failures of Satan“
(Die Fehlschläge Satans). Die Personen, die in diesem Drama
auftreten, sind: Judas Ischariot, Nero. Luther, Mohammed,
Cromwell, Bismarck, Voltaire, Ingersoll und andere mehr.
Alle diese werden von dem fanatischen Papstknecht dargestellt, wie
sie mit Beelzebub in der Hölle Gespräche führen. Ist schon die
Zusammenstellung von Personen wie Cromwell, der dem Wieder⸗
emporkommen der römischen Sekte in England den Riegel vor⸗
schob und als einer der größten Engländer gelten muß, und
Bismarcks, des großen Deutschen, mit dem Lügenpropheten Mo⸗
hammed und dem blutigen Verfolger der Christen, Nero, eine
überaus schändliche Beleidigung aller Protestanten, was sollen
wir Lutheraner erst sagen, wenn wir die Reden lesen, die dieser
Pittsburger Sudler unserm Reformator in den Mund legt? Wir
lesen da, als einen Ausspruch Luthers: „Ja, der Teufel ist ein
Lügner von Anfang; ich wünsche, ich hätte ihm nie Gehör ge⸗
schenkt!“ Judas Ischariot nennt Luther im Verlauf des Ge⸗
sprächs einen seiner „berühmten Nachfolger“, und als Luther sich
dagegen wehrt, sagt Judas: „Du bist herumgegangen und hast
Reden gegen die Katholiken gehalten; das habe ich wenigstens
nicht getan. Ich habe mich mit einem Strick erhängt, ehe ich
so weit kam. Du bist meinem Beispiel nachgefolgt. Außerdem
hast du deine heiligen Gelübde gebrochen und eine Nonne ge⸗
heiratet.“ So geht es weiter, in scheußlicher Verleumdung nicht
nur Luthers, sondern auch Bismarcks. Cromwells, der Königin
Elisabeth und anderer. Aus jedem Satz des jämmerlichen Mach⸗
werks redet ein glühender Haß gegen alle, die je der römischen
Kirche hinderlich in den Weg getreten sind. Der Verfasser
sandte sein Werk an eine antikatholische Zeitschrift. den Con-
verted Catkolic,) mit der Herausforderung, der Redakteur solle
es abdrucken, wenn er es wage. Der Dialog Alonzos wurde sehr
prompt in der Mainummer des Converted Catholic veröffent⸗
licht. Wir täuschen uns wohl nicht, wenn wir vermuten, daß
diese Verleumdungen gegen Luther sich gerade jetzt so häufen,
weil man hofft, dadurch die öffentliche Meinung gegen die luthe⸗
rische Kirche zu vergiften. Man fürchtet, daß die Feier des
Reformationsjubiläums im Jahre 1917 der römischen Kirche zum
Nachteil gereichen möchte, indem das amerikanische Volk auf die
Segnungen aufmerksam gemacht wird, dis von Luthers Werk auf
die Völker geflossen sind. Dadurch, daß man nun systematisch den
Reformator und sein Werk durch den Kot zieht, glaubt man den
Veranstaltungen des Jahres 1917 schon im voraus die Spitze
abbrechen zu können. Bei der schwachen Geschichtskenntnis unsers
*) Te Converted Catholic, 331 W. Fifty-seventh St., New Vork.
15 Cts, die Nummer.
amerikanischen Volkes ist diese Erwartung nicht so ganz unbe⸗
gründet, besonders wenn wir Lutheraner diese Schmähungen, die
ja auch in der Tagespresse erscheinen, mit Gleichmut hinnehmen
und sie nicht in eben den Blättern, in denen sie an das Volk
gelangen, zurückweisen. G.
In ihrem Haß gegen die Bibel hat die katholische Klerisei
unsers Landes allen Eisenbahnen, die in den Parlorwagen eine
Bibel aufliegen haben, den Krieg erklärt. Wie verlautet, hat
schon eine westliche Ba4hn auf das Drängen der Priester hin die
Bibeln, die sonst für die Reisenden in den Parlorwagen lagen,
entfernt. Katholische Vereine, natürlich von ihren Priestern ver⸗
anlaßt, haben Protestbeschlüsse gefaßt, in denen auf das Vor⸗
handensein von „tainted Bibles“ in den Bibliotheken der Parlor⸗
wagen aufmerksam gemacht wird.
Catholic Societies ganz kürzlich beschlossen, gegen das Auflegen
von Bibeln, die „beleidigende Bezugnahmen“ auf die römische
Kirche enthielten, bei den Bahnen zu protestieren. Welche Über⸗
setzung der Bibel diese Bahnen aufliegen hatten, wissen wir nicht,
doch wird wohl in den betreffenden Bibeln nicht der Spruch ge⸗
fehlt haben 1. Tim. 4, 3, wo der Apostel vor der letzten Zeit
warnt, in der Leute aufstehen werden, die „verbieten, ehelich zu
werden und zu meiden die Speisen, die Gott geschaffen hat, zu
nehmen mit Danksagung“, und diese Lehre als eine „Lehre der
Teufel“ bezeichnet. Das ist allerdings eine „beleidigende Bezug⸗
nahme“ auf die Lehre des Papstes, der den Priestern verbietet,
ehelich zu werden, und das Enthalten von Speisen am Freitag
gebietet, die doch „Gott geschaffen hat, zu nehmen mit Dank⸗
sagung“. Gewiß stand in diesen “tainted Bibles“ auch der
Spruch, der nicht nur dem Petrus, sondern allen Jüngern die
Schlüsselgewalt verseiht, Matth. 18, 18. Wenn ein Katholik im
Parlorwagen die Stelle zu lesen bekäme, möchte er an der römi⸗
schen Lehre irrewerden, daß nur Petrus vom HErrn diese Gewalt
erhalten habe. Oder es möchte der Papist in der Lehre vom Meß⸗
opfer wankend werden, wenn er im Hebräerbrief liest, daß unser
Hoherpriester durch ein einmaliges Eingehen ins Heiligtum eine
vollkommene Erlösung gefunden hat. Und wenn schließlich das
Papsttum im 17. Kapitel der Offenbarung dargestellt wird als
ein verworfenes Weib, „die Mutter der Hurerei und aller Greuel
auf Erden, trunken vom Blute der Heiligen, die sie erwürgt hat“,
so ist das wohl eine Beschreibung des Papstreichs, die von der
Priesterschaft als „beleidigende Bezugnahme“ bezeichnet werden
möchte. Könnte die Sekte des Antichristen die Bibel nicht nur
aus den Parlorwagen der Eisenbahnen, sondern auch aus den
Christenhäusern und von den Kanzeln und Altären entfernen,
dann wäre ihr geholfen. G.
———— —
Die Sonne.
Der Maler Karl Piloty hat ein Bild gemalt, das den Augen⸗
blick darstellt, in dem Christoph Columbus zum erstenmal das
neuentdeckte Land vor sich liegen sieht. Auf seinem Schiffe steht
der Held hoch aufgerichtet, vorwärts schauend und weisend, um
ihn herum die Freunde und die Schiffsmannschaft, die ihm durch
ihre Zweifel und Mutlosigkeit so schwere Stunden bereitet haben.
Hinter dem Schiffe liegt finstere Nacht, wie alle sie durchlebt haben
bis jetzt, die Nacht der Verzweiflung, Angst und Entbehrung.
Aber vor ihnen geht der helle Morgen auf, die ersten Sonnen⸗
strahlen fallen auf das Land, das in schwachen Umrissen sich am
Horizonte zeigt. So lange haben sie vergebens nach ihm gesucht
— jetzt liegt es in erreichbarer Nähe vor ihnen.
So hat ein Licht auch einst in die Finsternis hineingeschienen
und alles, was dunkel war, erhellt, eine Sonne, die noch heute
über der Welt steht, die Sonne IEsus Christus. Nebel des Un⸗
So hat die Federation of x
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