Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 14 › Seite 218

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 7. Juli 1914, Seite 218

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N „Tuthorane8S

wir sollten uns doch schämen, wenn wir in drei Jahren nicht
diese Gelder und noch mehr zusammenbrächten. Wie reich
sind nicht viele unserer Gemeinden! Wo das beste Farmland
ist, da finden wir immer unsere Lutheraner, und sie werden
von Jahr zu Jahr reicher. Und was für prächtige Kirchen
bauen nicht so viele unserer Stadtgemeinden! Da sollten doch
auch für die Mission und das Anstaltswerk die Gaben reichlich
fließen!“ So redet der eine. Der andere hat nicht so viel
Mut. Der spricht: „Ja, daß unsere Leute im allgemeinen
wohlhabend sind, daß auch viele es zu Reichtum gebracht haben,
wer wollte das bestreiten? Aber, aber, es fehlt so sehr an
der Willigkeit. Wir haben in manchen Kassen noch Schul⸗
den; es ist in den letzten drei Jahren nicht alles zusammen⸗
gekommen, was für unsern Haushalt nötig war; wie wird's
in den nächsten drei Jahren gehn? Wenn es nur nicht an
so vielen Orten an der Willigkeit fehltel“ So redet der
andere. Und welcher von beiden hat wohl recht?

Keiner von beiden. Der erste nicht; denn daraus, daß
unsere Synode, wie ja nicht zu leugnen ist, auch ein gut Teil
reicher Gemeinden aufzuweisen hat, läßt sich noch nicht schließen,
daß unsere Synodalkassen reiche Beiträge zu erwarten haben.
Es sollte wohl so sein, daß nach Verhältnis gegeben
wird, aber das wird, wie in der einzelnen Gemeinde, so auch
in der Synode immer nur von einzelnen im vollen Maße
gelten. Der andere ist auch im Irrtum, der da sagt, es fehle
an der Willigkeit. Wohl gilt auch hier von ganzen Gemein⸗
den, was in jeder Gemeinde von einzelnen Gliedern gesagt
werden muß, daß es nämlich trotz alles Predigens und Er⸗
mahnens bei ihnen nicht zum willigen, reichlichen Geben kom⸗
men wird. Daß es aber bei weitaus den meisten Gemeinden
nicht an der Willigkeit fehlt, durch ihre Gaben das Werk, das
sie als Synode treiben, zu unterstützen, davon haben wir in
letzter Zeit wieder einen handgreiflichen Beweis gehabt, als
nach der reichen Sammlung zur Tilgung der Synodalschuld
auch noch die große Last, die durch den Brand unsers Lehrge⸗
bäudes in River Forest auf unsere Gemeinden entfiel, in weni⸗
gen Wochen aus dem Weg geräumt war. ö

Zur rechten Antwort auf die Frage: „Können wir's auch
tun?“ soll uns eine kurze Notiz verhelfen, die wir eben in
dem „Gemeindeblatt für Lutheraner in Idaho, Oregon und
Washington“ zu Gesicht bekamen. Da steht in der Juninum⸗
mer zu lesen: „Die Gemeinde zu M. hat beschlossen, in jedem
Gottesdienst eine Extrakollekte zu erheben, wovon der „Luthe⸗
raner“ bezahlt und das übrige für auswärtige Zwecke gegeben
werden soll.“

Das ist eine für den Gegenstand, der uns gerade beschäf⸗
tigt, lehrreiche kleine Notiz. Der Ort im Staate Washington,
aus dem sie geschrieben ist, findet sich nicht im Century Atlas.
Er muß also eine sehr kleine Ortschaft sein. Er ist aber im
„Statistischen Jahrbuch“ aufgeführt, und da erfahren wir, daß
die Gemeinde zu M. aus ganzen 14 konfirmierten Personen
besteht! Daß diese 14 Personen es der Mühe wert halten, das
Werk der Synode durch ihre Gaben regelmäßig zu bedenken,
ist eine Erinnerung, daß auch die kleinen Gemeinden
sich nicht von dem Werk der Synode zurückziehen sollen. Das
kann leicht geschehen, wenn eine kleine Gemeinde hört, was
für große Summen für den Haushalt der Synode erforderlich
sind, und dann sich ausrechnet, wie klein die Summe sein wird,
die sie im Laufe eines Jahres für diese Zwecke aufbringen

auch dort sein unsichtbares Reich.

kann. Und doch ist es von der allergrößten Bedeutung, daß

auch gerade die kleinen Gemeinden nach Vermögen an der
Arbeit, zu der sie sich mit andern verbunden haben, teilnehmen.
Unsere Synode besteht ja zum großen Teil aus kleinen
Gemeinden. Was sie einzeln tun können, ist allerdings sehr.
wenig, denn viele dieser Gemeinden bestehen aus nur fünf,
acht oder zehn Familien. Was sie aber gemeinschaftlich tun
können, das soll uns ein kleines Beispiel klar machen. In den
Kassenberichten das letzten Jahres steht für eine kleine Ge⸗
meinde in Texas die Gabe verzeichnet: „Für Taubstummen⸗
mission §1.86.“ Vergleicht man die Gabe mit der Summe,
die jährlich für Taubstummenmission erforderlich ist, so kommt
uns §1.86 als ein ganz verschwindend kleiner Beitrag vor.
Und doch, hätten alle Gemeinden nur so viel beigetragen —
und die ärmste Gemeinde wird doch wohl §1.86 in einem gan⸗
zen Jahr für die Taubstummen aufbringen können —, so
hätte die Kasse für Taubstummenmission nie Mangel gehabt.
Das ist also die erste Lektion, die uns die Leute in M., Wash.,
erteilt haben: Es sei eine Gemeinde noch so klein, sie darf sich
nicht vom Werk der Synode zurückziehen, wenn es einen ge—
deihlichen Fortgang haben soll.

Sodann stellt es sich heraus, daß dort in M. nach den
Angaben des neuesten „Jahrbuches“ überhaupt keine Ge⸗
meinde besteht. Allerdings ist dort ein Häuflein Christen,
die sich zu Gottes Wort halten, und so hat der HErr gewiß
Aber eine Gemeinde im
gewöhnlichen Sinne des Wortes gibt es da nicht. M. ist nur
als Predigtplatz aufgeführt. Stimmberechtigte Glieder sind
dort noch nicht vorhanden, nur 14 kommunizierende, also kon⸗
firmierte Personen. Und doch wollen sie mithelfen, das Werk
der Synode aufrechtzuerhalten! Wenn es nur allenthalben
so stünde, daß man in unsern Gemeinden erkennen würde, daß
ein kommunizierendes Glied (oder Abendmahlsgast) genau
dieselbe, aber auch aufs Haar genau dieselbe Pflicht
hat, Kirche, Schule, Anstalten und Mission zu
erhalten, wie die stimmberechtigten Glieder!
Zur Erhaltung des Predigtamtes — und dazu gehört natür⸗
lich die Erhaltung unserer Anstalten, denn aus denen bekom⸗
men wir unsere Prediger — ist niemand erst dann verpflichtet,
nachdem er eine Gemeindekonstitution unterschrieben hat und
als stimmberechtigtes Glied aufgenommen worden ist. Die
Pflicht hat ein jeder Christ aus dem Auftrage seines Heilandes.
Wenn nur dies allgemein erkannt würde, brauchte nie eine
Kasse unserer Synode Not zu leiden. Wenn allenthalben nicht
nur die Familienhäupter, sondern jede konfirmierte Person, die
eigenen Verdienst hat, Hand ans Werk legen, ein jeder die
Sache der Mission und der Ausbildung von Predigern und
Lehrern als seine Sache ansehen würde, wie die Leute in M.
das getan haben, so wäre es nicht nötig, die sorgenvolle Frage

zu stellen: „Können wir's auch tun?“

Wir können es tun, wenn man es macht wie die Leutchen
dort im Nordwesten, die sich über die Bedürfnisse der Missionen
und unsers Anstaltswesens durch das Lesen kirchlicher
Zeitschriften informiert halten. Denn wir lesen da, daß
sie aus den Extrakollekten vor allem auch den „Lutheraner“
bezahlen wollen. Es sehen also die Leute in M. die Verbrei⸗
tung unserer Zeitschriften als eine Sache an, an der die ganze
Gemeinde ein Interesse hat. Sie halten sich den „Lutheraner“
auf gemeinschaftliche Kosten. Daß aber zwischen dem Lesen

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