Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 14 › Seite 223

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 7. Juli 1914, Seite 223

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er Nutheraned⸗ 223
Baumeister und Aufseher. Die Arbeit wurde von den Ge⸗— Zur kirchlichen Chronink.
meindegliedern getan, wobei der Pastor mit Picke und Schaufel,
mit Hammer und Säge immer voranging. In der Frühe des Zum Reformationsjubiläum im Jahre 1917. Es hat ein

nächsten Morgens wurde mit dem Bau begonnen. Zunächst
wurden die noch auf dem Lande befindlichen Baumstumpfen
mit Dynamit aus dem Wege geräumt, und dann begann die
Ausgrabung für das Fundament. Am Freitag wurde das
Fundament aus Zement gegossen. Während dieses trocknete,
wurde das Holz für den Oberbau, das zum großen Teil von
Gliedern der Gemeinde geschenkt worden war, herbeigeschafft,
und am Montagmorgen konnte weitergebaut werden. Abends
bereitete der Missionar noch einige junge Leute zur Konfirma⸗
tion vor und predigte, während der Kirchbau im Gange war,
viermal in der Umgegend. — Am Samstag, den 30. Mai, nach
vierzehn Arbeitstagen, war das Kirchlein (16426 Fuß, mit
72 Sitzplätzen und einem Turm von 30 Fuß Höhe) fertig zur
Einweihung. Selbst Altar, Kanzel und Bänke fehlten nicht.
Auch eine Orgel war geschenkt worden.

Am Pfingstfest zog dann die Gemeinde unter Lob und
Dank gegen Gott in ihr Kirchlein ein. P. Klemmer hielt in
diesem Gottesdienst vor etwa 100 Zuhörern die Kirchweih⸗
predigt, taufte vier Kindlein, konfirmierte eine Klasse von fünf
jungen Leuten und reichte 26 Gästen das heilige Abendmahl.
Der Gottesdienst währte von elf bis drei Uhr. Als man nach⸗
her die Kosten des Baues berechnete, fand sich's, daß von den
verfügbaren hundert Dollars noch 20 Dollars übrig waren,
der Kirchbau somit an barem Gelde nur 80 Dollars gekostet
hatte.

Unser Litauermissionar, P. Brustat, der seit einem
Jahre das ganze östliche Gebiet bedienen mußte, ist unter der
Last dieser Arbeit beinahe zusammengebrochen. In der Woche
vor Ostern predigte er in Brooklyn, N. Y., Naugatuck, Bridge⸗
port und New Haven, Conn., und Baltimore und am Ostertag
in Philadelphia und Brooklyn und legte dabei 900 Meilen
zurück. Jetzt ist ihm die Arbeit etwas erleichtert worden, da
P. G. Matzat, früher in Elmore, Minn., das Missionsfeld in
Brooklyn und in den Neuenglandstaaten übernommen hat.
Nun hat die Kommission P. Brustat einen wohlverdienten Ur⸗
laub von vier Wochen zur Erholung gewährt. Unterdessen
wird Student E. Kories von Springfield seine Arbeit versehen.

Die Persermission in Yonkers, N. Y., war eine
Zeitlang ganz verwaist, da Missionar Phil. Pascha sein Amt
krankheitshalber niederlegen mußte. Doch hat sich jetzt P. von
Schlichten auf die Bitte der persischen Lutheraner bereitfinden
lassen, sich ihrer anzunehmen. Er hält den Persern eine eng⸗
lische Predigt, die dann sofort, Satz für Satz, von einem Dol⸗
metscher ins Persische übertragen wird. Die Zuhörerzahl
schwankt zwischen 10 und 200.

Auch unter den Italienern in Danbury, Conn., so
berichtet P. Fischer von dort, ist kürzlich eine Mission in An⸗
griff genommen worden. Karl Kretzmann.

Indien.
Missionar H. Nau eingeladen, Mitte August nach Amerika zu
kommen und in unsern Gemeinden Vorträge über unsere
Heidenmission zu halten. Wollen die Brüder, die etwa seines
Dienstes begehren, den Unterzeichneten rechtzeitig benachrich⸗
tigen, damit Missionar Nau schon in New York seinen Reise⸗
plan ausarbeiten kann. Jul. A. Friedrich.

Die Kommission für Heidenmission hat Herrn.

gewisser D. Keyser aus der Generalsynode kürzlich ein Buch gegen
die „missourische“ Lehrstellung geschrieben. Der Hauptgedanke
in diesem Buch ist der, daß der Mensch nicht allein aus Gottes
Gnade in Christo bekehrt, gerecht und selig werde. Das Ent⸗
scheidende in Sachen der Seligkeit sei vielmehr der von der Gnade
nur angeregte freie Wille (“the free moral agency“) des
Menschen. Das ist nicht die biblisch⸗lutherische, sondern die
römische Lehre von dem Wege zur Seligkeit. Jowasche und
ohiosche Schreiber sowie Schreiber aus dem General Council und
der Generalsynode loben dies Buch. D. Stellhorn erklärt, daß
er in allem Wesentlichen mit D. Keyser stimme. Diese Schreiber
sollen wohl bedenken, was sie tun. Es ist ein Ding der Un⸗
möglichkeit, die lutherische Kirche in Amerika mit römi⸗
scher Lehre zu bauen. Wollen die Schreiber aus den genannten
lutherischen Kirchenkörpern es an ihrem Teile wahr machen, was
die Römischen in der neuen Catolie Encyclopedia behaupten?
Die Römlinge behaupten nämlich, daß nur noch die missourischen
Lutheraner und die Lutheraner der Sächsischen Freikirche Luthers
Lehre vom Seligwerden aus Gnaden festhielten. F. P.

Unsere Anstalt zu Fort Wayne feierte am Sonntag, den
21. Juni, das 75jährige Jubiläum ihres Bestehens. Im Som⸗
mer 1839 im Urwalde von Perry Co., Mo., erbaut, wurde sie
anfangs Dezember desselben Jahres von sieben Schülern be⸗
zogen. Unsere glaubensmutigen und aufopferungsfreudigen
Väter, die Kandidaten Bünger, Brohm und Fürbringer unter
Beirat der Pastoren Walther und Löber, waren die Erbauer und
ersten Lehrer dieser ersten treulutherischen Anstalt Amerikas. Im
Jahre 1850 wurde sie, nun Eigentum der Shnode geworden.
nach St. Louis verlegt und seit September 1861 hat sie hier
unter den Gemeinden Fort Wahnes ihre bleibende vortreffliche
Heimat gefunden. Am 21. Juni schloß das 75. Studienjahr.
Seit Mitte April wurde unermüdlich von den verschiedenen
Komiteen an den Vorbereitungen für das Fest gearbeitet. Auch
in den Gemeinden im Umkreis bis zu 200 Meilen von Fort
Wayne traf man Vorkehrungen zur Beteiligung an der Feier.
So kamen denn zum Festtage nach allgemeiner Schätzung etwa
12,000 Gäste zusammen. Von prächtigem Wetter begünstigt,
verlief die ganze Feier programmäßig. Es wurden an drei ver⸗
schiedenen Orten auf dem Collegecampus drei deutsche Reden zu
gleicher Zeit und ebenso darauf drei Reden in englischer Sprache
gehalten. Präses Pfotenhauer, Dir. Albrecht und Prof. Für⸗
bringer hielten die deutschen und die Professoren Dau, Wessel und
Köhler die englischen Reden. Auch war Prof. Ernst als Vertreter
der Ehrw. Wisconsinsynode und seiner Anstalt erschienen sowie
die Professoren Hensel und Sauer als Vertreter der Anstalt der
Ehrw. Michigansynode zu Saginaw. Zur Hebung der Feier
trugen der Gemeindegesang sowie die Vorträge eines Kinderchors
von 800 Stimmen und eines Massenchors nicht wenig bei.
Gratulationen waren eingelaufen von allen Schwesteranstalten
unserer Synode, von verschiedenen Distriktskonferenzen und ein⸗
zelnen Gemeinden und Pastoren sowie von den Seminaren der
Ehrw. Wisconsinsynode zu Wauwatosa und der Ehrw. Nor⸗
wegischen Synode zu St. Paul. Unmittelbar nach der Feier
fand der Schlußaktus und die Entlassung unserer Schüler statt.
Abends versammelten sich dann noch die Alumnen der Anstalt.
— So durften wir denn an diesem denkwürdigen Tage einander
zurufen: „Dies ist der Tag, den der HErr macht. Lasset uns
freuen und fröhlich darinnen sein!“ Und für die Zukunft unserer
ältesten Concordia vereinigen wir uns zu dem Gebet: „Der
SErr, unser Gott, sei mit uns, wie er gewesen ist mit unsern

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