Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 14 › Seite 225

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 7. Juli 1914, Seite 225

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengemeinſchaften 3

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gut hält.

Ner utheraneεν

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verhältnismäßig geringen Anzahl einen so großen Einfluß auf
das politische und bürgerliche Leben unsers Landes ausüben. Ein
Hauptgrund ist ihr geschlossenes Auftreten. Die katholische Kirche
war und ist auch ein weltliches Reich, das von Rom und der
römischen Klerisei dirigiert wird. Gerade auch die letzten Päpste
haben es in ihren Rundschreiben immer wieder ausgesprochen,
daß die Katholiken verpflichtet seien, auch in bürgerlichen Dingen
auf ihre Bischöfe, das heißt, auf den Papst, zu hören. Freilich
sind nicht alle Katholiken hierin dem Papst gehorsam. Es gibt
einzelne Katholiken, die mit Freuden anders stimmen, als die
Klerisei will. Aber das sind Ausnahmen. Im großen und
ganzen tritt die römische Kirche als eine geeinte und geschlossene
Macht an die Stimmkasten heran. Und das hat in einem Lande,
wo so viel abgestimmt wird wie bei uns, viel zu sagen. Ohne
sich dessen klar bewußt zu sein, macht alles — vom Präsidenten
an bis zu dem Wardpolitiker herab — hinten und vorne Ver⸗
beugungen vor der römischen Kirche, und zwar ohne Unterschied
der Partei. Ebenso steht es in bezug auf die weltliche Presse.
Die Herausgabe von weltlichen Zeitungen ist im großen und
ganzen weiter nichts als ein Geschäft. Die protestantischen
und nichtkatholischen Leser lassen sich viel gefallen. Die katho⸗
lischen Leser hingegen sind sehr empfindlich und bestellen unter
der Direktion ihrer Klerisei die Blätter ab, die etwas gegen die
römischen Herrschaftsbestrebungen sagen. Die Zeitungsheraus⸗
geber sagen es zum Teil offen heraus, daß sie „es sich nicht

leisten können“ (we cannot afford it), etwas gegen die weltlichen

Herrschergelüste des Papsttums zu sagen. Das würde natürlich
mit einem Schlage anders werden, sobald die Protestanten und
Nichtkatholiken sich ebenso empfindlich zeigen würden wie die
Katholiken. Allem übel liegt zugrunde eine große geistliche
Blindheit. Wir haben ein in den Staatsschulen groß ge⸗
wordenes Geschlecht, das schließlich alle Religionen für gleich
Wen der Sohn Gottes nicht frei macht, das heißt, wer
nicht an IEsum Christum, den Gekreuzigten, als seinen einigen
Heiland glaubt, der bleibt ein Knecht des Irrtums und der Sünde
und nimmt, wenn es die Umstände zu erfordern scheinen, auch
die Herrschaft des Papstes mit in den Kauf. Wollte Gott, daß
die Christen unsers Landes Mann für Mann die Gelegenheit
benutzen würden, das Evangelium von Christo zu bezeugen! Das
ist die wirksamste Bekämpfung des Papsttums. Dies schließt nicht
aus, daß die Christen auch als Bürger Recht und Pflicht haben,
dem Papsttum entgegenzutreten. Jeder Staat hat Recht und
Pflicht, als Staat das Papsttum zu bekämpfen, weil das
Papsttum auch weltliche Herrschaft im Staat beansprucht.

Inspektion katholischer Anstalten. Unsere Brüder in Detroit
wie auch wohl im übrigen Staate Michigan haben die Führer⸗
schaft in einem Feldzug ergriffen, der das Offnen katholischer
Anstalten für staatliche Inspektion als Ziel hat. Da unsere
lutherischen Anstalten wie auch die Verpflegungsanstalten, Hospi⸗
täler, Kinderheime, Waisenhäuser, Altenheime usw. anderer Ge⸗
meinschaften unter staatlicher Aufsicht stehen, und nur die Römi⸗
schen sich weigern, andern einen Einblick in ihre Anstalten zu
gewähren, so ist diese Forderung unserer Brüder durchaus be⸗
rechtigt. Dazu kommt noch, daß gerade die katholischen Ver⸗
pflegungsanstalten, besonders auch die Rettungsheime (Houses
of the Good Shepherd) in einer Weise geführt werden, die solche
Inspektion sehr wünschenswert erscheinen läßt. Was die from⸗
men Schwestern „Zum Guten Hirten“ anbelangt, so gibt es im
ganzen Lande keine Arbeitsgeber, die so ihre Arbeiter ausbeuten
und sie so behandeln, wie diese Schwestern die Mädchen behandeln,
die sie unter dem Vorwand der christlichen Nächstenliebe bei sich
aufnehmen. Ein Franzose namens Guinaudeau, ein ehemaliger
Priester, hat ein Buch geschrieben, betitelt: „Klostergreuel.“

Es enthält haarsträubende Dinge über französische Klöster, wie
sie vor der Aufhebung der Mönchs⸗ und Nonnenorden in Frank⸗
reich bestanden. Besonders über die Mißhandlungen anvertrauter
armer Kinder durch die Schwestern „Zum Guten Hirten“ wird
darin berichtet. Es handelt sich in diesen Anklagen zuerst um
die Anstalt zu Nanzig. Die Kinder, die von den dortigen Schwe⸗
stern aufgenommen wurden, waren Kinder armer Eltern, Waisen⸗
kinder und Gefallene. Sie mußten alle in der Anstalt schwer
arbeiten. „Die Arbeit, mit der sie beschäftigt wurden, bestand
ausschließlich in den allerfeinsten, kostbarsten Stickereien, zumal
in Wäschestücken für Prostituierte. Mit letzteren Gegenständen
beschäftigte man die Kinder besonders, weil die lieben Schwestern
dafür das meiste Geld erhielten.“ Die Kinder wurden schon mit
fünf Jahren zur Arbeit gezwungen; sie mußten dann Knopf⸗
löcher nähen. Die Arbeitszeit dauerte von 45 Uhr morgens
bis um 7 Uhr am Abend. Jeden Tag wurde gearbeitet, ausge⸗
nommen an hohen Festtagen. Die Masse, die jedes einzelne Kind
während des Tages bewältigen mußte, war derart groß, daß sie
noch oft während der Nacht bei Mondschein im Bett arbeiteten.
Es gab schwere Strafe, wenn das vorgeschriebene Maß nicht fertig
wurde. Die Verpflegung der Kinder war schauderhaft. Bei der
schweren Arbeit wurde ihnen ungenügende und kraftlose Speise
verabreicht, trockenes Brot, Wassersuppe, verdorbener Speck. Und
diese Speise wurde obendrein unordentlich zubereitet und in un⸗
reinen Gefäßen aufgetragen, so daß die armen Kinder trotz großen
Hungers oft vor Ekel die Speise nicht anzurühren vermochten.
„Die Schlafstuben waren einfach der Gesundheit schädlich, un⸗
geheizt; die Betten hatten zu wenig Decken; die Luft war feucht
und dumpf. Im Winter waren die Wände mit Eis bedeckt.
Oft klagten die armen Kinder über erfrorene Gliedmaßen. Daß
viele der Kinder bei solcher Pflege erkrankten, läßt sich denken.
Sie litten alle an schwachem Magen und hatten kein Blut. Viele
erkrankten an Schwindsucht. Aus einer Anstalt starben einmal
fünf im Laufe zweier Wochen. Und waren die Kinder auch krank,
so wurde doch für sie nichts getan. Kam dann der Arzt und ver⸗
ordnete Arznei, so sagten ihm die Schwestern: „Das ist zu teuer;
das können wir nicht geben.“ Die armen Kinder mußten zusehen,
wie sie besser wurden. Wurden sie es nicht, gut, so starben sie.
Die Schwestern kümmerten sich einfach gar nicht um die Kinder;
die Kinder waren ihnen nur die Maschinen, die für sie arbeiteten.
Waren sie ausgenutzt, so wurden sie eben weggeworfen, wie man
eine ausgepreßte Zitrone wegwirft.“ Solange die Kinder, zumal
die tüchtigen, etwas leisten konnten, wurden sie durch allerlei Ver⸗
sprechungen und Lügen an die Anstalt gekettet; aber sobald sie
nichts mehr tun konnten, krank waren, schwindsüchtig, halb er⸗
blindet, so schwach, daß sie kaum mehr stehen konnten, dann
wurden sie einfach auf die Straße gesetzt und in der schmutzigsten
und ärmlichsten Kleidung ohne einen Cent Geldes ihrem Schick⸗
sale überlassen. — Durch gerichtliche Untersuchung sind diese An⸗
gaben außer allen Zweifel gestellt worden. Einem Knaben, der
für die ihm widerfahrene Behandlung auf Schadenersatz klagte,
wurden §2000 als Entschädigung zugesprochen. Durch die Auf⸗
hebung aller Mönchs⸗ und Nonnenorden und die Verstaatlichung
ihres zusammengeraubten Eigentums hat Frankreich diesen Zu⸗
ständen auf immer ein Ende gemacht. Aus allem, was man in
Erfahrung bringen kann — und das ist nicht wenig —, sind die
Zustände in amerikanisch⸗katholischen Anstalten um nichts besser,
als sie in Frankreich waren. G.
Einem Anhänger der Christlichen Wissenschaft (Christian
Science) namens Wessel erkrankte kürzlich ein Kind an Diph⸗
therie. Vom Standpunkt der Christian Science-Religion aus
gibt es aber keine Diphtherie, sondern nur eine Einbildung, die
diesen Namen trägt. Denn oberster Grundsatz dieser Religion
ist ja: Es gibt keine Schmerzen, es gibt keine Krankheit, es gibt

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