Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 14 › Seite 228

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 7. Juli 1914, Seite 228

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S er „utheranet

Todesanzeigen.

Wiederum hat es Gott gefallen einem treuen Arbeiter in
seinem Weinberg Feierabend zu geben. Diesmal ist es mein
liebwerter Amtsbruder, P. Karl A. Wiegel von Rome, N. Y.
Seine Wiege stand in Eisenberg, Bayern, wo er am 7. Nodember
1835 auf die Welt kam. Seine Ausbildung erhielt er in Deutsch⸗
land. Von da rief ihn Gott nach Südafrika, wo er sechs Jahre
als Missionar tätig war. Da das dortige Klima ihm aber nicht
zusagte, kam er auf Zureden seiner Freunde nach Amerika, wo er
im Jahre 1866 in Boston landete. Hier bediente er ein Jahr
lang das Gemeindlein in Bleecker, N. Y. Von da kam er nach
Verona, N. Y., dicht bei Rome, wo er vier Jahre einer Land⸗
gemeinde vorstand. Im März des Jahres 1870 wurde er als
Pastor der St. Johannesgemeinde in Rome, N. Y., eingeführt.
Hier hat er in der Stille, aber unter viel Segen das heilige Amt
verwaltet, und zwar vierzig Jahre ununterbrochen. Im April
1910 legte er Altersschwäche halber sein Amt nieder und genoß
seitdem die nach einer fünfzigjährigen Amtstätigkeit wohlverdiente
Ruhe. Er war nicht nur ein von Herzen frommer und demütiger
Mann und trefflicher Prediger und Seelsorger, sondern auch mit
reichen Kenntnissen und köstlichen Gaben von Gott beglückt. Als
Dichter ist er vielen, die unsere Blätter lesen, bekannt. Sein
seliges Stündlein kam am 10. Juni nach ganz kurzer Krankheit.
Seine teure Gemeinde, die ihm im Leben so viel Gutes erwiesen
hat, hat ihn auch im Tode geehrt und ihm Sonntag, den 14. Juni,
ein feines Begräbnis bereitet. Dabei predigte sein Seelsorger
über Hebr. 4, 9. 10 a englisch und der Unterzeichnete über Matth.
25, 21 deutsch. C. A. Germann.

Am 13. Juni ist wieder ein treuer Diener Gottes, der sich
im Weinberge des HErrn müde gearbeitet hatte, zur Ruhe des
Volkes Gottes eingegangen, nämlich P. Gustav Adolf
Feustel. Er wurde geboren am 8. November 1848 in Greiz,
Sachsen. Nachdem er das Proseminar Pfarrer Brunns in Steeden
absolviert hatte, kam er im Jahre 1867 nach Amerika, um sich
auf dem praktischen Predigerseminar, das damals in St. Louis
war, für das heilige Predigtamt ausbilden zu lassen. Nach be⸗
standenem Examen folgte er im Jahre 1870 einem Beruf an
die Gemeinde zu Effingham, Ill. Sein zweites Arbeitsfeld wurde
Concord, Wis. Von hier rief ihn der HErr der Kirche im Jahre
1886 nach West Bloomfield, Wis. Hier arbeitete er achtzehn
Jahre als ein treuer und gewissenhafter Diener Gottes. Dies
war damals eine der größten Landgemeinden im Staate Wis⸗
consin. Im Jahre 1904 hieß der Oberhirte IEsus Christus sei⸗
nen Unterhirten nochmals auf ein anderes Arbeitsfeld ziehen,
diesmal nach Amherst, Wis. Hier setzte der HErr der Wirk⸗
samkeit seines Knechts im heiligen Predigtamt dadurch ein Ende,
daß er ihn am 4. Juli 1909 einen Schlaganfall erleiden ließ.
Bald darauf mußte er sein ihm so liebes Amt niederlegen und
in den Ruhestand treten. So zog er denn im Jahre 1910 nach
Manawa, Wis., um dort seine letzten Tage nach dem Willen des
SErrn zu beschließen. Am 6. Juni 1914 traf ihn ein weiterer
Schlaganfall, der seine linke Seite völlig lähmte, und eine Woche
später, am 13. Juni, rief der HErr seinen müden Diener heim
in das himmlische Vaterhaus. Fröhlich und getrost ist er im
Frieden heimgefahren zu seinem Heiland, den er seinen Pfarr⸗
kindern vierzig Jahre lang mit freudigem Auftun des Mundes
verkündigt hat. — Am 17. Juni wurde seine sterbliche Hülle
unter großer Teilnahme in Manawa, Wis., zur Ruhe gebettet,
um dem fröhlichen Auferstehungsmorgen entgegenzuschlummern.
Im Hause amtierte der Unterzeichnete und P. W. T. Naumann.

In der Kirche redete der Unterzeichnete Worte des Trostes in
deutscher Sprache über Luk. 2, 29, während P. H. A. Handrich.
ein früherer Konfirmand des Entschlafenen, über 1 Mos. 25, 8
in englischer Sprache predigte. Am Grabe amtierte P. Martin
Müller. Das Gedächtnis auch dieses Gerechten bleibe unter uns
im Segen! R. A. Karpinsky.

„Mein Vater ist tot!“ rief eine Knabenstimme in der Nacht
vom 24. auf den 25. April dieses Jahres vor der Wohnung des
Unterzeichneten, damit eine höchst unerwartete und traurige
Kunde bringend. Unerwartet war die Kunde, denn obwohl Lehrer
Karl G. P. Heintz — das war der „Vater“ — seit einer
Woche krank gelegen hatte, so hatte doch niemand sein Ende ge—
ahnt. Traurig war die Kunde; denn wenn ein so begabter und
eifriger Lehrer der Kirche in den besten Lebensjahren aus ge⸗
segneter Tätigkeit herausgerissen wird, ist wohl Ursache zur
Trauer. — Der Entschlafene war der Sohn des vor einigen
Jahren heimgegangenen P. Georg Heintz und dessen Gattin
Marie, geb. Germann. Er wurde geboren am 23. Dezember
1870, bezog nach seiner Konfirmation das Lehrerseminar in
Addison, begann im Sommer 1891 seine Lehrtätigkeit in Utica,
N. Y., und wurde 1899 nach Hammond, Ind., 1904 nach Detroit
und von dort an die St. Stephansgemeinde zu Milwaukee be⸗
rufen, wo er von Anfang des Jahres 1906 bis zu seinem Ende
unermüdlich arbeitete. Am 17. April hielt der entschlafene Ober⸗
lehrer noch mit Aufbietung aller seiner Kräfte seine liebe Schule
und am Abend noch eine Singstunde. Es sollte sein letzter Schul⸗
tag, seine letzte Singstunde sein. Nach kurzer, schmerzhafter
Krankheit — Rheumatismus, der zuletzt das Herz affizierte —,
während welcher er sich viel mit Gottes Wort und Gebet be⸗
schäftigte, sandte Gott am 25. April, nachts um 2 Uhr, seine
Engel, die seine Seele aufnahmen und gen Himmel trugen.
Sein Erdenleben hat er gebracht auf 43 Jahre, 4 Monate und
2 Tage — ein zu kurzes Leben nach unsern Gedanken, aber nicht
vor Gott, dessen Uhr immer richtig geht. Bei der Trauerfeier
am 28. April in der Kirche predigte der Unterzeichnete über
Ps. 4, 4. 7. Bei der Begräbnisfeier am 30. April in Crown
Point, Ind., wo der Leichnam beigesetzt wurde, predigte P. Aug.
Biester über Matth. 25, 21, und der Unterzeichnete hielt eine
kurze Schlußrede über Joh. 11. 11. Der Heimgegangene wird
aufs schmerzlichste beweint von seiner Gattin, zwei Kindern, der

betagten Mutter, vier Brüdern und einer Schwester. Eine große
Christengemeinde teilt ihre Trauer. Gott sei ihr Tröster, Be⸗
rater und Führer! B. Sievers.

Neue Drucksachen.

Alle an dieser Stelle angezeigten Bücher, Mufikalien, Bilder usw. kön⸗
nen durch das Concordia Publishing House, St. Louis, Mo., zu den bei⸗
gefügten Preisen bezogen werden. Wo eine andere Bezugsquelle angegeben
wird, wolle man, bitte, bemerken, ob zu besorgen, falls nicht vorrätig.

Sonnenkind. Ein Lebensbild von Margarete Nicolaus.
den 1913. Verlag von C. Ludw. Ungelenk.
in Pappband gebunden.

In der „Einführung“ heißt es: „Das hier gebotene Lebensbild ist nach
den Erzählungen einer achtzigjährigen Dresdnerin mit möglichst großer
Treue niedergeschrieben, nur find für einige Orte und Personen Decknamen
gewählt worden. Die einfache Familiengeschichte, in der das „Sonnen⸗
kind“' redend eingeführt wird, ist zugleich ein Zeit⸗ und Sittenbild ver⸗
gangener Tage und schildert in der Darstellungsweise eines Bürgerkindes
jener Zeit die besonderen Verhältnisse, unter denen sich die glücklichen
Naturanlagen der Erzählenden entwickeln konnten. Es ist der Greisin von
der frühen Jugend an bis heute vergönnt geblieben, Menschen und Dinge
von der hellen und guten Seite zu betrachten und mit ihrem Herzen voll
Liebe, ihrem kindlichen Gottvertrauen beglückend und beglückt durchs Da⸗

Dres⸗
159 Seiten 547½,

English translation

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