Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 14 › Seite 224
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 7. Juli 1914, Seite 224
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er „Tutpsransts⸗
Vätern! Er verlasse uns nicht und ziehe die Hand nicht von
uns ab!“ 1 Kön. 8. 57. L.
Die Kreuzgemeinde zu St. Louis, Mo., feierte am 21. Juni
das goldene Amtsjubiläum ihres Lehrers H. F. Hölter. G.
Unsere Reiseprediger in Südamerika treiben seit einiger Zeit
auch an den Eingebornen stellenweise Mission. Daß unsere Mis⸗
sionare trotz ihrer überbürdung mit Arbeit es sich nicht verdrießen
lassen, sich auch noch den Gebrauch des Spanischen anzueignen,
um die Eingebornen mit der Predigt des Evangeliums zu er⸗
reichen, erklärt sich aus dem namenlosen geistlichen Elend, das
unsere Missionare in Brasilien und Argentinien schauen müssen.
Obwohl die römische Kirche seit vierhundert Jahren ganz Süd⸗
amerika beherrscht, haben die unglücklichen Bewohner doch noch
kaum einen Schimmer vom Lichte des Evangeliums zu sehen be⸗
komnien. Über den Stand der Religion in Südamerika berichtet
ein amerikanischer Reisender folgendes: „Die Religion in Süd⸗
amerika ist angeblich römisch⸗-katholisch. Das Land ist voller
Kruzifixe; die Altäre zeigen immer nur einen sterbenden Mann,
nicht aber einen lebendigen Heiland. In keiner Kirche sahen wir
auch nur ein Symbol oder die geringste Andeutung der Aufer⸗
stehung oder Himmelfahrt. Man fand Hunderte von Bildern der
Heiligen und der heiligen Familie und Maria, aber kein einziges
Bildnis der Auferstehung. Und sogar der gekreuzigte Christus
nimmt immer eine minderwichtige Stellung ein. Die Hauptfigur
ist jedesmal die Maria. Am Altar der ältesten Kirche in Barran⸗
quilla ist gar keine Abbildung von Christus; Maria mit dem Kind
steht in der Mitte; zu beiden Seiten sind andere Gestalten, und
über denn Ganzen steht geschrieben: „Gloria a Maria“ („Ehre
sei der Maria!“). Noch auffallender sind andere Darstellungen.
In die steinerne Wand der alten Jesuitenkirche in Cuzco zum
Beispiel sind die Worte eingemeißelt: „Kommt her zu Maria alle,
die ihr mühselig und mit euren Sünden beladen seid. Sie wird
euch erquicken.“ Was lehrt denn eine solche Religion, und wer
baut solche Kirchen? Wissen die Leute denn gar nichts von der
Bibel? Leider nicht, und die Kirche selbst ist für diesen Zustand
verantwortlich. Es sind römisch-katholische Übersetzungen der
Bibel vorhanden in den beiden Sprachen dieses Landes, nämlich
Spanisch und Portugiesisch, aber die römische Kirche verbietet
deren Gebrauch. Einmal über das andere haben Priester die
Bibeln verbrannt, welche die Leute von Kolporteuren oder Mis⸗
sionaren gekauft hatten. Wiederholt haben sie die Missionare
verschrien, weil sie Bibeln unter die Leute brachten; nein, mehr
als das: sie haben sie aus ihren Städten vertrieben und sogar
gefangengenommen. Nicht ein Mann aus tausend in Südamerika
bekäme je eine Bibel zu sehen, wenn die protestantische Mission
nicht wäre. Und wie bitter nötig ist es, daß diese Leute die
Segnungen des Evangeliums erfahren dürfen! Aberglaube und
Unwissenheit herrscht überall. Als wir eines Tages in Brasilien
durch den Regen dahinfuhren mit bloßem Kopf und Gummi⸗
ponchos, kam eine alte Frau aus ihrer Hütte gelaufen und rief
voller Besorgnis aus (denn sie hielt uns für Priester): „O all⸗
mächtiger Gott, wo ist denn dein Hut?“ — denn dem gewöhn⸗
lichen Volk steht der Priester als Gott da. Die Unwissenheit ist
schrecklich. In Brasilien können nur 15 Prozent der Eingebornen
lesen oder schreiben. Kein Wunder, daß die Kirche eine so
fesselnde Gewalt über das ganze Leben des Volkes hat. Und
dennoch ist ihr Einfluß kein tiefgehender. Die Kirchen sind, aus⸗
genommen an Festtagen, sehr schlecht besucht. Die Priester wer⸗
den in den Zeitungen öffentlich verspottet. So kommt es denn,
daß das ganze Land, der große Kontinent, daran ist, dem Un⸗
glauben zu verfallen. In der weiten Welt gibt es keinen
traurigeren Zustand.“ — Was für ein Feld tut sich also unserer
Mission unter den Eingebornen Brasiliens und Argentiniens auf!
Wie sollten wir doch dieses Werk mit allen Kräften unterstützen
und es weder an Arbeitern noch an Mitteln fehlen lassen, damit
diesem in römischer Finsternis schmachtenden südamerikanischen
Kontinent das Licht des reinen Evangeliums aufgehen möge!
G.
Um das amerikanische Volk mit unserer Kirche, deren Ge⸗
schichte, Lehren und Einrichtungen bekannt zu machen, gibt es
kein besseres Mittel als das Auflegen unserer kirchlichen Zeit⸗
schriften in den Lesezimmern der öffentlichen Bibliotheken. Uns
wird gemeldet, daß der Jugendverein einer unserer Gemeinden
in Peru, Ind., wie auch ein solcher in Huntington, Ind., den
Lutkeran Witness, das englische Blatt unserer Synode, für die
dortigen Bibliotheken bestellt hat. Der Verein in Peru schenkt
außerdem der öffentlichen Bibliothek jedes Jahr einen Band, der
die Person D. Luthers, die Reformation oder die lutherische Kirche
zum Gegenstand hat. Man dringe auch darauf, daß die Biblio—
thekare unserer öffentlichen Bibliotheken aus den ihnen zur Ver⸗
fügung stehenden Geldern solche Werke anschaffen. Ein Leben
Luthers sollte in keiner öffentlichen Bibliothek fehlen, und wo ein
solcher Mangel besteht, sollten die zuständigen Behörden darauf
aufmerksam gemacht werden. Jede größere Bibliothek gibt jähr⸗
lich Hunderte von Dollars für Zeitschriften und Bücher aus, die
für das katholische Publikum bestimmt sind. Daß wir weniger
Berücksichtigung erfahren, kommt lediglich daher, daß wir uns
nicht melden. ö G.
über die eigentliche Aufgabe der Kirche, die ja in den refor⸗
nrierten Gemeinschaften so vielfach verkannt wird, stand kürzlich
in dem United Presbyterian ein Artikel zu lesen, der den rich⸗
tigen Standpunkt vertritt. „Es ist keine Frage“, so lasen wir
da, „daß niemals so viel Gesetzlosigkeit und so viele Verbrechen
in der Welt waren wie heutzutage. Und doch schweigen die
meisten Kanzeln gerade in bezug auf die Zeitsünden. Noch vor
einigen Jahren glaubten die meisten Prediger, daß es für die,
welche außer der Gemeinschaft mit Christo sterben, eine ewige
Verdammnis gibt. Jetzt wird die Hölle nur noch selten in Pre⸗
digten genannt. Im Namen der Religion werden falsche Aus⸗
legungen der Heiligen Schrift vorgetragen, obwohl solche Prediger
wohl wissen, daß sie dadurch an der Kirche ein Zerstörungswerk
treiben. Es ist deshalb allenthalben ein Mangel an Gottesfurcht
zu vermerken. Daß diese Schwäche der modernen Predigt auf
die Lehren, die in manchen Predigerseminaren vorgetragen wer⸗
den, zurückzuführen ist, kann nicht geleugnet werden. Der Pre⸗
diger, der kein So spricht der HErr!“ für seine Lehren mehr hat,
wird ganz gewiß keine Seelen mehr retten, und der Hauptzweck
des Predigtamtes bleibt unerreicht. Daß die Kirche ihren Ein⸗
fluß verliert, kommt daher, daß das Evangelium nicht mehr die
Hauptsache ist. D. Joseph Parker, einer der größten Kanzel⸗
redner seiner Zeit, hat das Zeugnis abgelegt: „Ich muß be⸗
kennen, daß die Predigt von dem Erlöser, der meine Sünden
auf seinem Leibe am Kreuz getragen hat, die einzige Predigt ge⸗
wesen ist, die mir je etwas genützt hat. Und das einzige Predigen,
womit ich je andern genützt habe, hatte zum Gegenstand eben
diesen Erlöser, nicht als ein hohes Vorbild für uns, sondern als
das Lamm Gottes, das der Welt Sünde getragen hat.“ O daß
wir doch alle Wissenschaft und social service' fahren ließen und
den HErrn IEsum Christum und sein Versöhnungsblut als das
einzige Heilmittel für die Sünderwelt predigen würden!! So
schreibt dieser Presbyterianer. Dieselbe Nummer des IVnited
Presbyterian meldete, daß unter den diesjährigen Predigtamts⸗
kandidaten der Presbyterianer wieder einige zum Amt zugelassen
wurden, die weder die jungfräuliche Geburt noch die Auferstehung
IEsu glauben. G.
Der große Einfluß der römischen Kirche auf das öffentliche
Leben der Vereinigten Staaten. Es ist immer wieder die Frage
aufgeworfen worden, woher es komme, daß die Katholiken bei ihrer
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