Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 14 › Seite 220

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 7. Juli 1914, Seite 220

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Sozialismus · Sozialismus

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utheranet

wohl heißen: Mangel an System?) „zurückkehren.“ Andere
Gemeinden machen es wieder anders. Da besteht die Regel:
Jeden Monat wird ein ganz bestimmter Betrag aus der Ge⸗
meindekasse herausgenommen und an den Distriktskassierer ge⸗
schickt für Synodalkasse, Synodalbaukasse usw. Täten alle
Gemeinden, was zum Beispiel eine unserer Polengemeinden
tut, die monatlich 2 Dollars an die Synodalkasse abliefert,
so könnte die Synodalkasse nicht nur alle Unkosten unsers An⸗
staltswesens decken, sondern noch §525,000 jährlich an andere
Kassen abgeben. Oder wir brauchen es nur alle zu machen,
wie es die Leute dort im Nordwesten jetzt bei sich eingerichtet
haben. Würde jedem Glied auf diese oder eine andere Weise
Gelegenheit geboten, jeden Monat oder jede Woche ein Opfer
für auswärtige Zwecke zu bringen, so brauchte unser Synodal⸗
kassierer und brauchten auch unsere Missionskommissionen nicht
so häufig über Ebbe in den Kassen zu klagen, wie das im
letzten Jahre wieder nötig war.

Wahr ist es, Gott hat für den Aufbau seines Reichs auch
große Gaben nötig. Sonst hätte er nicht so viele von uns
reich werden lassen. Und Gott sei Dank, es steht durchaus nicht
so, daß unsere Reichen allesamt kärgliche Geber sind. Daß
unter den mit irdischen Gütern besonders Gesegneten sich immer
solche finden, die der Kirche auch mit großen Einzelgaben zu
dienen bereit sind, haben wir im letzten Jahr wieder erfahren
dürfen. Wir erinnern nur an die vielen Beiträge von je
51000 und drüber, die für den Bau in River Forest einliefen,
sowie an manch ein reiches Legat, wie vor einigen Monaten
das Vermächtnis von nahezu § 10,000, das aus dem Tiarksschen
Nachlaß der Synodalkasse zufiel. Und gerade wann der
Heiland eine besonders reiche Gabe von seinen im Irdischen
reichgesegneten Jüngern und Jüngerinnen nötig hat, läßt er
auch jeden ganz genau wissen, nämlich sooft er die Herzen
solcher mit Willigkeit erfüllt. Aber diese großen Gaben
erhalten die Kirche nicht. Das müssen die Gaben der vielen
kleinen Gemeinden, der großen Zahl armer Jünger und Jünge⸗
rinnen, tun. So ist es in der Christenheit immerdar gewesen,
so ist es jetzt allenthalben, so ist es auch bei uns.

„Können wir's auch tun?“ Können wir das Werk des
Heilandes in dem Umfang weitertreiben, den unsere Vertreter
in Chicago nach eingehenden Beratungen als unabweisbar not⸗
wendig erkannten? Können wir's?

Wir können es, wenn immer mehr Gemeinden, auch die
kleinen, ja vor allem auch die kleinen Gemein⸗
den, Hand ans Werk legen.

Wir können es, wenn nicht nur die Stimmberechtigten,
sondern ein jeder, der bei uns Glied ist, das heißt also,
jede Person, die bei uns ani heiligen Abendmahl teilnimmt,
seine Gaben für das allgemeine Werk unserer Kirche opfert.

Wir können es, wenn immer mehr Gemeinden die Ein⸗
richtung treffen, daß jedes Glied, jede konfirmierte Person,
auf eine oder andere Weise Gelegenheit bekommt, regel⸗
mäßig zu diesem Werk beizusteuern.

Wir können es, wenn unser Christenvolk über die Bedürf⸗
nisse der Mission und unsers Anstaltswesens wohl infor⸗
miert bleibt und es in immer höherem Maße wird dadurch,
daß es seine kirchlichen Zeitschriften fleißig liest. G.

— —

Der Glaube ist allein der rechte Gottesdienst. (Luther.)

Die Sozialistenpartei in den Vereinigten Staaten betreibt den
echten, atheistischen, Marxschen Sozialismus.

Wenn zum Beweise dafür, daß der Sozialismus wider Gott
und seine Ordnungen Krieg führt, Aussprüche von anerkannten
Gliedern und Leitern der Partei gebracht werden, so heißt es
oft: „O das beweist nichts; das sind Privatansichten einzelner,
das ist nicht Sozialismus; das darf man nicht der Partei zu⸗
schreiben.“ Eine solche Behauptung ist jedoch grundfalsch. Wer
sie macht, weiß entweder nicht, was Sozialismus und was die
Sozialistenpartei ist, oder er redet so, um andere hinters Licht
zu führen. Tatsache ist, daß der Sozialismus, nämlich der
Marxsche, um den es sich ja allenthalben eigentlich nur handelt,
in seinem innersten Wesen Feindschaft ist wider Gott, wider
göttliche Offenbarung und Ordnung; und auch das ist Tat⸗
sache, daß die hiesige Partei, The Socialist Party of the
United States“, diesen gottesleugnerischen Sozialismus ver⸗
tritt, und zwar voll und ganz. Wenn daher jemand sagt:
„Der Sozialismus ist atheistisch, die Sozialistenpartei ist wider⸗
christlich“, so ist das der Wahrheit völlig gemäß. Wenn dagegen
ein anderer sagt: „Ich bin ein Sozialist, aber ich glaube an
Gott und achte seine Ordnungen, auch hat meine Partei als
solche nichts wider Gott und sein Wort. Viele Glieder der
Partei reden allerdings dem groben Unglauben das Wort,
aber das tun sie nur in ihrem eigenen Namen, nicht in dem
der Partei“, so ist das eine Privatansicht, die auf Unwahrheit
beruht; keiner hat Grund und Recht, so für die Partei zu reden.

Manche geben zu, daß die Sozialdemokratie Deutschlands
religionsfeindlich genannt werden könne, aber sie sagen, mit
der Sozialistenpartei unsers Landes stehe es anders, besser;
sie habe es nur mit der Politik zu tun, sie wolle nur die
Lage der Arbeiter durch Einführung neuer Methoden in der
Regierung aufbessern. Das ist sehr irrig. Die amerikanischen
Sozialisten erkennen die deutschen Sozialisten durchaus an als
ihre Brüder, ja als ihr Vorbild, wie sie in ihren Schriften oft
bezeugen. Ähnlich ist es, wenn man hinweist auf die Sozialisten
in Großbritannien und sagt, daß diese sich geradezu gegen alle
Religion erklärt haben in Pamphlet No. 6 of the Library
of the Socialist Party of Great Britain“, worin es heißt:
„Es ist daher eine tiefe Wahrheit, daß der Sozialismus der
natürliche Feind der Religion ist. . . . Der Einzug des Sozialis-
mus ist der Auszug der Religion.“ Hier erwidert man: „Das
beweist nichts; hiermit hat die amerikanische Partei nichts zu
schaffen. Sie hat diese Erklärung nicht zu der ihrigen gemacht,
sie hat auch nie eine ähnliche abgegeben; im Gegenteil, sie hat
in ihrer Plattform vom Jahre 1908 ausdrücklich festgesetzt,
daß sie sich nicht befasse mit Sachen religiösen Glaubens.“
Darauf ist zu sagen: Die amerikanische Sozialistenpartei ge⸗
hört zur englischen, sie ist ein Kuchen mit ihr, also ist sie
auch mit verantwortlich für solche Prinzipienerklärung der Ge⸗
nossen in Großbritannien, solange sie sich nicht davon lossagt;
und jener Satz in der Plattform vom Jahre 1908 ist nur
angenommen worden nach heftigem Widerspruch mit einer
Stimme Mehrheit und dann nur heuchlerischerweise, um näm⸗
lich dadurch Stimmen gewinnen zu können unter unwissenden
religiösen Leuten; die Erklärung ist nur ein Aushängeschild,
„Unaufgeklärte“ zu fangen. Es ist nichts unleugbarer als
dies, daß die hiesige Sozialistenpartei den echten, atheistischen,

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