Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 14 › Seite 227
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 7. Juli 1914, Seite 227
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ö S er „utfieranee
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„Und Buße tu' den Augenblick,
Eh' mich der schnelle Tod hinrück'!“
Wie furchtbar die Nachricht von dem Tode jener tausend
Passagiere und Mannschaft der Empress of Ireland in den Wellen
des St. Lorenzstromes! Was für Schreckensszenen mögen sich
auf dem unglücklichen Schiffe abgespielt haben, ehe sein so schnell
besiegeltes Schicksal vollendet war! Wir, die wir unterdes in
stillem Frieden schlafen konnten, mögen uns die Beschreibungen
der so tief erschütternden Einzelheiten des sogleich welibekannten
Unglücks nicht einmal gern in den Zeitungen vor die Augen halten.
Es überläuft uns ein kalter Schauder, wenn wir nur daran denken;
und wo sollen wir Worte finden, unser Herzeleid darüber auszu⸗
sprechen? Ach, wie schrecklich ist es, in die Hände des lebendigen
Gottes zu fallen! Denn wer nicht glaubt, der wird verdammt,
einerlei ob er im Krankenzimmer auf dem Sterbebette sein elendes
Leben aushaucht, oder ob er von Wasserfluten in einen jähen Tod
hingerissen wird. Wer nicht glaubt, wird verdammt — von dieser
Regel gibt es keine Ausnahme, weder in ruhigen noch in auf⸗
geregten Zeiten, weder auf dem Lande noch auf dem Meer. O wie
herrlich ist es aber andererseits, in der Gnadenhand des HErrn
zu ruhen, aus welcher niemand und nichts uns reißen soll!
Darum wollen wir nicht müde werden, das seligmachende Evan⸗
gelium in aller Welt auszubreiten, damit vor dem Ende der
Welt noch immer mehr Menschen zur rechten Erkenntnis der
Wahrheit kommen und bekehrt werden zu dem Hirten und Bischof
ihrer Seelen. Darum freuen wir uns auch unserer Emigranten⸗
und Seemannsmission, durch welche in den großen Hafenstädten
und an den Landungsplätzen den Matrosen und Schiffsmann⸗
schaften sowohl wie den Reisenden das rettende Gotteswort ans
Herz gelegt wird, durch welches sie geistlich ausgerüstet werden,
auch für die Seereise und ihre Gefahren, daß sie, wenn es Gottes
Wille sein sollte, auch dem, was die Menschen Unglück nennen,
getrost begegnen und von Herzen sprechen lernen: „Das Unglück
ist mein Glück, die Nacht mein Sonnenblick.“ „Die richtig vor
sich gewandelt haben, kommen zum Frieden und ruhen in ihren
Kammern“, mag es nun die kleine Grabeskammer sein oder der
weite, tiefe Meeresabgrund. „Der Tod seiner Heiligen ist wert
gehalten vor dem HErrn“, auch mitten in den schauerlichen
Wasserfluten, die ja auf seinen Befehl auch einmal alle ihre ver—
schlungenen Menschenopfer wieder herausgeben müssen, etliche
zum ewigen Leben, etliche zur ewigen Schmach und Schande.
Fr. S.
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—— —
Gebetserhörung.
„Geist des Gebets“ wird der Heilige Geist in der Schrift ge⸗
nannt, weil er für uns bittet, uns beten lehrt und uns zum Ge⸗
bet antreibt. Letzteres erfuhr in gewaltiger Weise ein christlicher
Lokomotivführer, von dem folgendes erzählt wird.
Er fuhr wieder auf seinem Schnellzug in einer sehr finstern
Nacht. Das Geleise war einspurig. Mit dem Gedanken be⸗
schäftigt, daß er bei einer gewissen Station einem andern Zuge
ausweichen müsse, überfiel ihn diesmal große Besorgnis, die sich
bald zu einer fürchterlichen Angst gestaltete, die er nicht wieder
los werden konnte. Er wurde aber ins Gebet getrieben, zum
fortwährenden, unablässigen Seufzen, daß doch Gott sich erbar⸗
men wolle und den Zug mit seinen vielen Passagieren in Gnaden
behüten vor dem Unglück, das er befürchtete. Und, siehe da! der
Mann wurde umgewandelt, er kam in eine fröhliche, zuversicht⸗
liche Stimmung und fing sogar an zu singen in der festen über⸗
zeugung, daß kein Unglück geschehen würde.
Als er bei der betreffenden Station ankam, war merkwür⸗
digerweise kein Anhaltesignal zu sehen, stalt dessen vielwehr ein
gebracht werden müsse.
weißes Licht, das Zeichen, daß er weiterfahren dürfe und solle.
Das tat er denn auch und erreichte eine halbe Stunde später einen
Platz, wo angezeigt wurde, daß sein Zug sofort zum Stillstand
Als er hier die Telegraphenoffice betrat,
wurde er mit der Frage empfangen: „Warum haben Sie in (die
Station wurde genannt! nicht angehalten?“ „Weil kein An⸗
haltesignal da war“, entgegnete er. „Sie haben keinen Begriff
davon, in wie großer Todesgefahr Sie geschwebt haben.“ Er
erfuhr dann bald, daß jener Telegraphist geschlafen und deshalb
versäumt habe, das Anhaltesignal zu geben, und daß er eine halbe
Stunde lang auf demjenigen Teil des Geleises sich mit seinem
Zuge befunden habe, der für den andern Zug bestimmt war.
Da hat offenbar die göttliche Vorsehung gewaltet; sie hat
diesen Zug vom zu frühen Abfahren abgehalten, um die furcht⸗
bare Kollision zu verhindern. Derselbe Geist Gottes, der das
Unglück voraussah, hat sein Kind zum Gebet angetrieben, das
Gebet erhört und die Rettung ausgeführt. Vielleicht kann mancher
von uns etwas Ähnliches aus seinem Leben erzählen. H.
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Die notwendige Hilfe.
Ein chinesischer Prediger sagt: Ein Mensch war in eine
tiefe, dunkle Grube gefallen, und da lag er auf dem schmutzigen,
sumpfigen Boden und seufzte und fühlte sich gänzlich unfähig,
sich aufzurichten oder gar sich aus der Grube zu erretten. Da
ging Konfuzius vorüber, näherte sich dem Rande der Grube,
blickte hinein, sah den armen Menschen und sagte: „Armer
Mensch, es tut mir leid um dich; aber warum bist du auch so
töricht, da hineinzufallen? Ich will dir einen guten Rat geben:
wenn du wieder herauskommen solltest, so sieh dich vor, daß du
nicht wieder hineingerätst.“ Ein buddhistischer Priester kam
vorüber, sah den armen Menschen und sagte: „Armes Geschöpf!
Es tut mir weh, dich da liegen zu sehen. Ich glaube, daß ich
dich erfassen und dir heraushelfen könnte, wenn du nur zwei
Drittel oder wenigstens bis zur Hälfte der Grube heraufklettern
könntest.“ Aber der Mann in der Grube war ganz hilflos und
nicht einmal imstande, sich aufzurichten. Da kam der Heiland
vorüber und hörte das Rufen des Armen. Er wandte sich der
Grube zu, stieg zu ihm hinein, hob den Gefallenen auf, legte
ihn auf seine Schultern und brachte ihn heraus; dann reinigte
er ihn von seinem Schmutz und sprach zu ihm: „Gehe hin und
sündige hinfort nicht mehr!“
—— —
Durch!
Ein kleiner Junge fährt mit der Mutter in einem Wagen
durch eine Pappelallee. Plötzlich bricht der Knabe in Schluchzen
aus. Die Mutter forscht vergeblich nach der Ursache, die Tränen
rollen unaufhaltsam. Endlich — mit zerrissenem Stimmchen:
„Mutter, sieh!“ — sein kleiner Finger weist nach vorn, auf das
Ende der Allee —. „dort geht — dort geht — unser Wagen —
ja nicht — durch!“
Die Mutter lächelt über diesen Schmerz ihres Kindes.
Weiter rollt der Wagen — und ungefährdet und bequem geht's
an der gefürchteten Stelle vorüber, und unten im Tal grüßt
das Ziel. Das Kindesherz ist getröstet. —
Weißt du noch, wie dir so bange war vor dem Kommenden?
Wie soll das weitergehen? Wie wird's werden?
Deine Tränen und deine Angst sah ein Höherer. Er lächelte.
Und als du näher kamst, ging es doch. Du kamst durch. Du
sahst wieder das Ziel.
Du lieber Mensch, willst du nicht daraus lernen? All deine
Sorge wälze nur auf Ihn! (Nachbar.)
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