Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 14 › Seite 219

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 7. Juli 1914, Seite 219

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1 sion“, oder an einem andern Sonntag:

sionswerks der allerengste Zusammenhang besteht, braucht wohl
keinem unserer Leser erst bewiesen zu werden. Wer nur so

im allgemeinen hört: „Nächsten Sonntag wird jährliches Mis⸗

sionsfest gefeiert werden“, oder: „Die im gegenwärtigen Got⸗
tesdienst erhobene Kollekte fließt in die Kasse für Innere Mis⸗
„In der Kasse für
Negermission ist großer Mangel, es wird deshalb nächsten
Sonntag eine Extrakollekte erhoben werden“ — wer nur durch
solche Abkündigungen an das Werk unserer, seiner Reise⸗
prediger und Missionare erinnert wird, wird nur in Aus⸗-
nahmefällen für die Sache der Mission ein warmes Herz haben.
Nur wer hört und liest, was diese Missionare tun und treiben,

1 unter welch schwierigen Verhältnissen sie ihre Arbeit verrichten,

ö wie aufreibend ihr Dienst in dem Werk, das uns Gott auf⸗

getragen hat, wie herrlich auch die Früchte, die sie sehen dürfen

— nur wer das alles im Geiste mit ihnen erlebt, sich mit

ihnen freut, mit ihnen trauert, wird die rechte Willigkeit haben,

ihre Arbeit mit den Gaben seiner Hände zu unterstützen. „Was
ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“; wenn unsere Christen
nicht wissen, was unsere Missionare tun und wie ihr Werk
gedeiht, werden sie nie für das Werk unserer Missionare heiß
werden, sondern lauwarm bleiben. Es geschieht ja auch an
vielen Orten etwas, um die Sache unserer Synodalarbeit den
Gliedern der Gemeinden näher zu bringen, durch Vortrags⸗
reihen, Artikel in Lokalblättchen, Zirkulare, Briefe, Lichtbilder⸗
vorstellungen usw. Unentbehrlich bleiben aber unsere Zeit⸗
schriften als das Hauptmittel, um den Missionseifer zu erwecken.
Ein Vortrag, sei er noch so interessant, ein Zirkular, sei es
noch so herzbeweglich verabfaßt, erzielt nur vorübergehende
Resultate. Christen, die jahraus, jahrein regelmäßig ihre Bei⸗

fträge für die Sache der Mission bringen, findet man da, wo
unser „Lutheraner“, der Lutheran Witness, die „Missionstaube“

und der Pioneer gelesen werden.

Zwei lutherische Christen sitzen nebeneinander beim Mis⸗
sionsfest der Gemeinde zu X. Der fremde Pastor hat sehr
schön gepredigt, und die Zuhörer, auch die zwei, sind in rechter
Weise, nämlich durch den Hinweis auf die Liebe Gottes in
Christo IEsu, für das Werk der Mission erwärmt worden.
Dann kam die Abmeldung: „Die Kollekte fließt in die Kasse
für Innere Mission.“ Was ruft diese Abmeldung in den
Köpfen der zwei andächtigen Gäste für Gedankenreihen her⸗
vor? Könnten wir hineinschauen, wir würden in dem Kopf
des einen sehen, wie sich dieses Bild darin abspiegelt: Auf

einem Drehstuhl vor einem riesigen Schreibtisch sitzt der ver⸗

ehrliche Herr Allgemeine Kassierer der Missourisynode. Vor
ihm ein großer Haufen Briefe. Der Herr Kassierer schneidet

die Briefe auf und zieht heraus, was darin ist — checks,

money orders, Papiergeld, und siehe da, auch von der Gemeinde

in X. kommt ein check zum Vorschein. Der wird vom Allge⸗
meinen Kassierer in einen großen Kasten gelegt, und nun, ja

jetzt können eben ein paar Missionare wieder ihr Monatsgehalt

bekommen.

In dem Kopf des andern spiegeln sich ganz andere
Vorgänge, während er das Lied nach der Predigt singt. Er

sieht einen Missionar im fernen Oregon bei Einbruch der Nacht
über einen steilen Bergabhang klettern; unten im Tal sieht
Sman ein erleuchtetes Fenster: da sind die Leute bei einem An⸗

digt.

siedler versammelt und warten, daß der Pastor kommt und pre⸗
Er sieht zwei Missionare zu Pferd durch einen triefenden

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der kirchlichen Zeitschriften und der Unterstützung des Mis- Urwald langsam entlang reiten; es regnet unausgesetzt. Sie

reden nicht viel, denn sie sind todmüde; seit fünf Tagen haben
sie neue Ansiedlungen im brasilianischen Urwald aufgesucht.
Einem 95jährigen Greis wird in seiner Wohnung von einem
Pastor das Abendmahl gereicht; wer mag das wohl — halt,
ja, das ist der alte Rußländer, der an der Südküste Englands
wohnt, und den unser Missionar Knippenberg, so heißt er wohl,
aus London besucht und mit Gottes Wort und dem Sakrament
stärkt und tröstet. Und das alles, nämlich daß die Ansiedler
in jener Blockhütte in Oregon und die Einwanderer im brasi—
lianischen Wald und der vereinsamte Lutheraner in England
auf den Weg des Lebens gebracht und erhalten werden, das ist
nur möglich, „weil ich“, so spricht dieser Gast am Missionsfest
nun zu sich selber, „weil ich mit andern dem HErrn JéEsu für
das Werk der Inneren Mission mein Opfer gebracht habe“.
Welcher von diesen beiden hat wohl die kirchlichen Zeitschriften
gelesen? Welcher wird wohl mit größerer Freudigkeit, das
heißt also nach Vermögen, geben? Doch wohl der letztere.
Du würdest dem andern aber ein Unrecht antun, wenn du sag⸗
test: Es fehlt ihm an der Willigkeit, deswegen hat er so kärg⸗
lich geopfert. Nein, was ihm fehlte, war Information.
„Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.“ Wer sich ein leben⸗
diges Bild machen kann von der Arbeit, die unsere Missionare
an den zerstreuten Deutschen, an Esten und Polen und Slo-
waken, an Negern und Indianern, an den Hindus, an den
Taubstummen, den Emigranten, den Juden tun, bei dem wird
sich auch die Willigkeit einstellen, für die verschiedenen Missions⸗
werke sein Opfer darzureichen. Wir haben Hunderttausende
von Christen in unsern Gemeinden, die unsere Zeitschriften nicht
lesen, die also zum großen Teil so gut wie nichts über unser
Synodalwerk erfahren. Wundert man sich da, daß die Gaben
nicht nach Vermögen dargereicht werden? Wenn es doch an⸗
dere Gemeinden so machen wollten wie das Häuflein Christen
in M., Wash., und nötigenfalls von Gemeinde wegen dafür
sorgen, daß alt und jung die Zeitschriften unserer Kirche liest!

Wir wollen nicht übersehen, daß die Leute in M., Wash.,
auch beschlossen haben, von jetzt an in jedem Gottes⸗
dienst für auswärtige Zwecke eine Gabe zu bringen. Man
will also regelmäßig für die Werke, die unsere Gemeinden
als Synode treiben, beisteuern. Damit kommen wir auf einen
Punkt, der nicht minder wichtig ist als die schon genannten.
Schon seit Jahren empfiehlt die Synode ihren Gemeinden, die
Sache ihrer Anstalten und Missionen in jeder Gemeindever⸗
sammlung zu behandeln und regelmäßig, das heißt, jede
Woche oder doch jeden Monat, dafür zu kollektieren. Das ge⸗
schieht auch von seiten einer ganzen Anzahl von Gemeinden.
Viele Gemeinden haben das Duplex-Kuvertsystem eingeführt.
Es werden an alle Glieder, also an jede Person, die zur Teil⸗
nahme am heiligen Abendmahl berechtigt ist, Kuverte verteilt,
die zwei Täschchen enthalten, eins für den Gemeindehaushalt
und eins für Synodalzwecke. Da wird nun jeden Sonntag
für Anstalten und Mission kollektiert. Und die Resultate sind
ausgezeichnet. Es sind auch in den letzten Wochen wieder eine
große Anzahl Zuschriften bei uns eingelaufen, die sämtlich be⸗
zeugen, daß in jedem Falle durch das Duplex-System nicht nur
die Beiträge für auswärtige Zwecke, sondern auch die Beiträge
für den Gemeindehaushalt bedeutend erhöht worden sind. Fast
ausnahmslos heißt es da: „Erst waren viele dagegen, aber
jetzt will niemand wieder zu dem alten System“ (sollte doch

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