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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. Februar 1915, Seite 41

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Und ich sahe einen Engel
Sliegen mitten durch den CI
Himmel, der hattt ein emig 3
uyangcelium, zu uexkündigen
deuen,‚ die auf Erden sihen
und wohmnen, und allen Hei-
den, und Geschlechtern, und
Sprachen, und Völkern, und
sprach mil großer Stimme:
Lurchter Golt, und gebei
ünn die Chre; denn die Zeit
Nseines Gerichts ist kommen,
1 und betel an den, der geinacht
hat Himmel, und Erde, und
Meer, und die Wasser⸗
brunnen. Ossb. Joh. 14, 6.7.

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Herausgegeben von der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigiert von dem Lehrerkollegium des theologischen Seminars in St. Lonis.

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71. Jahrgang.

Ht. Louis, Mo., den 2. Februar 1915.

Nx. 3.

——

Von der Kreuzesgestalt der Kirche.

I.

„Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme
sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.“ Das sprach der
HErr „zu ihnen allen“, heißt es im Lukasevangelium, nach⸗
dem die Jünger das Bekenntnis abgelegt hatten: „Du bist
der Christ Gottes.“ Wer das bekennt, daß JEsus der Christ
Gottes, der Heiland, ist, muß Kreuz leiden. Als dem Pau⸗
65 offenbart wurde, daß er den Namen Christi vor den Hei⸗—

en bekennen sollte, da heißt es gleich, daß ihm auch gesagt
wurde, „wieviel er leiden muß um meines Namens willen“.
Wer die Apostelgeschichte und den zweiten Korintherbrief ge—
lesen hat, weiß, was für ein Maß der Leiden dem großen
Apostel um des Evangeliums willen aufgelegt war.
kenner der Wahrheit muß den Haß der Welt, Spott und Ver⸗
folgung leiden. Das ist das Kreuz der Christen.

Und das kann nicht anders sein. So gewiß der HErr uns
von der Welt erwählt hat, so gewiß ist's auch, daß uns Kreuz
beschieden sein wird. „Dieweil ihr nicht von der Welt seid“,
spricht der Heiland, „sondern ich habe euch von der Welt er—
wählet, darum hasset euch die Welt.“ So ist es auch seither
gewesen. Es kommt die Zeit für jedes Kind Gottes, da

Dringt das liebe Kreuz herein
Mit dem bittern Leide.

Welcher Nachfolger IEsu wüßte nicht das Wort Paul Ger—
hardts auf sich anzuwenden:

Solang ich denken kann,

Hab' ich so manchen Morgen,
So manche liebe Nacht

Mit Kummer und mit Sorgen
Des Herzens zugebracht.
Verfolgung, Haß und Leiden,
Ob ich's gleich nicht verschuld't,
Hab' ich doch müssen leiden
Und tragen mit Geduld.

Jeder Be⸗

Und auch den Zweck, das Wozu? dieser Leiden erkennen
die Gläubigen gar wohl. „Wir sind solche Leute“, sagt ein⸗
mal Luther, „daß wir ohne Leiden im Wort und Glauben nicht
können bestehen“, das heißt, feststehen, beharren; oder wie
wir im Liede singen:

Wenn es euch gino' nach Fleisches Mut
Mit Gunst und g'sund und großem Gut,
Würd't ihr gar bald erkalten.

Was aber von dem einzelnen Christen gesagt ist, das gilt
auch von den Christen in ihrer Gesamtheit. So gewiß Chri⸗
stus, das Haupt der Kirche, Schmach leiden mußte, so gewiß
muß auch sein Leib, die heilige christliche Kirche, Schmach
leiden. Das ist's eben, was die Welt abschreckt, mit der Chri⸗
stenheit IEsum als den Christ Gottes zu bekennen.

Gern wollt' die Welt auch selig sein,

Wenn nur nicht wär' die Schmach und Pein,

Die alle Christen leiden.
Und die christliche Kirche seufzt:

Christe, du Beistand deiner Kreuzgemeine,

Eile, mit Hilf' und Rettung uns erscheine!
„Das Aussehen der Kirche“, schreibt Luther einmal, „ist das
Aussehen einer Geplagten, Verlassenen, Sterbenden und Be⸗
trübten.“ „Besonders“, sagt er an anderer Stelle, „wer die
rechte Kirche sind, werden von der falschen geplagt und unter⸗
drückt.“ Und unser D. Stöckhardt schrieb eimmal: „Das ist
das Wahrzeichen des Volkes Gottes, der Kinder Gottes: Druck,
Trübsal, Verfolgung.“

Und der Zweck der Leiden, die über die Kirche ergehen,
ist derselbe wie bei den einzelnen Christen. Um noch einmal
mit Luther zu reden: „Der treffliche Schatz reiner Lehre],
den wir haben, wenn er außer der Not und der Leiden ist,
macht uns nur schnarchend und sicher.“ Das ist

die große Gefahr, die eintritt, wenn die Kirche ihre Kreuzes⸗

gestalt verliert.
Wenn wir nun von dieser Kreuzesgestalt etwas gründ⸗—

English translation

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