Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 3 › Seite 49

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. Februar 1915, Seite 49

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S Der P„Tutheranesss 49

dritten Weihnachtstag Gottesdienst und kehrte dann am Mon⸗
tag nach Hause zurück, um mir ein wenig Ruhe zu gönnen
und mich für die Neujahrsarbeit vorzubereiten.

„Am 31. Dezember fuhr ich nachmittags auf der Eisen⸗
bahn nach G. L., um dort Neujahr zu feiern. Am Neujahrs—
tag war es bitterkalt. Ich mußte zwölf Meilen über Land
fahren und hatte dann Gottesdienst und eine Kindtaufe. Nach—
mittags hatte ich wieder zwölf Meilen zu fahren, um einen
Krebskranken zu besuchen, abends weitere vierzehn Meilen nach
B. J., um ein Kind zu taufen. Dort blieb ich bis 1.40
morgens, fuhr mit dem Zuge zurück nach Hause, kam hier um
6 Uhr an und schlief bis Mittag. Dann besuchte ich alle
meine Glieder hier in der Stadt und lud sie für den fol—
genden Tag zum Gottesdienst ein. Am letzten Sonntag pre⸗
digte ich dann vormittags hier und abends in M. deutsch und
englisch. Ihr Lieben seht also, daß es mir nicht an

Arbeit fehlt, aber ich bin gern bereit, sie zu tun, solange der

liebe Gott mir Kraft und Gesundheit schenkt.
dienste werden auch immer recht gut besucht.“

Der andere Reiseprediger schreibt unter dem 28. Dezem—
ber 1914 aus Saskatchewan folgendes: „Das schöne Fest liegt
wieder hinter uns. Weihnachtsabend war unsere Kirche ge—
drängt voll. Ich wollte, Ihr hättet dabei sein können. Die
Leute waren hocherfreut, daß ihre Kinder so gut antworten
konnten. Der Chor hat auch fein gesungen. Das Wetter ist
sehr ungünstig, recht kalt und jeden Tag windig. Die Wege
sind verweht, und es schneit immer noch. Am Christabend
fuhr ich mit nach L.s. Wir saßen alle in einem großen
Schlitten. Am ersten Weihnachtstag hatte ich auch guten
Kirchenbesuch, wie sich denn überhaupt fortwährend neue Gäste

Meine Gottes⸗

einstellen. Letzten Sonntag war die Kirche so gut besucht, daß

es scheint, es wird bald an Platz fehlen. Der liebe Gott hilft
wunderbar, und wir wollen nur nicht vergessen, dankbar zu
sein. Zu Mittag war ich wieder bei L.s. Der alte L., ja die
ganze Familie sind überaus liebe Leute, und das Haus steht
mir immer offen. Herr L. ist ein sehr fleißiger Lutheraner“
Leser. Nachmittags wurde mein Fuhrwerk angespannt, da ich
zu meiner Filiale in E. fahren wollte; es schneite aber der—
maßen, daß man mir abriet, mich auf den Weg zu begeben.
So blieb ich, und wir verlebten einen köstlichen Festabend.
„Am zweiten Weihnachtstag stand ich früh auf, versorgte
meine Pferde und machte mich auf den Weg nach dem 22 Meilen
entfernten E. Nirgends war eine Bahn und der Schnee sehr
tief; meine Pferde schwitzten, und ich fror. Um 11.30 war
ich noch etwa zweieinhalb Meilen von dem Orte entfernt, wo
der Gottesdienst abgehalten werden sollte. Mit einem Male
wurde es dunkel. Ich dachte, meine Brille wäre wieder schuld
daran, daß es so schnell dunkel zu werden schien. Ich putzte
sie und bemerkte dann, daß plötzlich ein dichter, kalter Nebel
aufgestiegen war. Ein Berg sah nun höher aus als der andere.
Ich verlor die Richtung und stand schließlich vor einem See.
Endlich traf ich ein Haus und wurde dann zurechtgewiesen.
Um halb ein Uhr kam ich an. Ich hielt meinen Gottesdienst
und machte mich um 3 Uhr wieder auf die Heimreise. Ich
hatte eine langgezogene, hohe Hügelkette zu passieren. Auf
derselben war keine Spur eines Weges zu entdecken. Dabei
erhob sich wieder der Wind, und es fing an zu dunkeln. Ich
fuhr darauf los und kam schließlich an ein Haus, wo ich
mich nach dem Wege erkundigte. Ich hatte nun noch elf Meilen

0
+

Als
Ich fuhr nun weiter

zu dem Farmer, wo ich meine Pferde einstellen wollte.
ich ankam, war kein Mensch zu Hause.

zu F.s, verirrte mich aber unterwegs und kam endlich un

8 Uhr ganz durchfroren an. Ich wollte noch zur Station, um
den Nachtzug zu nehmen, aber es war schon zu spät, auch setzte
der Sturm heftiger ein. So ging ich gleich nach dem Abend—
essen ins Bett, um nach der kalten Fahrt wieder warm zu
werden. Gestern morgen war es kalt und alle Wege waren
verweht. Ich bat daher meinen section-boss, mich in seinem
motor nach meinem achtzehn Meilen entfernten Predigtplatz
in D. zu fahren; so kam ich in einer Stunde hin. Heute abend
geht es weiter nach M., dann zwölf Meilen hinaus aufs Land.
Das Thermometer zeigt jetzt 15 unter Null. Mittwoch bin ich
in P., Silvesterabend in L., Neujahr in E. H. und Sonntag
in K. Hier in D. haben die Norweger morgen eine Ver—
sammlung. Sie werden mich wohl zu ihrem Pastor berufen.
Ich bekäme hier dann eine Gemeinde von 15 Familien. Von
meinem Frauenverein in L. habe ich einen bequemen Stuhl
zu Weihnachten bekommen. Die Kollekte in L. betrug am
Christabend §7.50 und am ersten Festtag für die Synodal⸗
kasse §7.00.“ F. Pf.

Fremdsprachige Mission. Lettenmission. Um den
lieben Christen, die auch im vergangenen Jahre die Fremd—
sprachige Mission mit ihren Gaben unterstützt haben, einen
Einblick in diese schwierige, aber gesegnete Arbeit zu geben,
mögen folgende statistischen Angaben, die abschnittsweise er⸗
scheinen sollen, hierzu dienen. — Gegenwärtig wird unter
Letten, Polen, Litauern, Slowaken, Esten und Finnen missio⸗
niert. Allem Anscheine nach wird in nächster Zeit auch die
Mission unter den Italienern in Angriff genommen werden.
Wir berichten zuerst über die Lettenmission..

Unter den Letten arbeiten zwei Missionare, P. Edw.
Hurawitz in Boston, Mass., und P. C. F. Buchroth in
Chicago, Ill. P. Nurawitz bedient 4 Gemeinden und 6 Pre—
digtplätze. Die Gemeinden befinden sich in Boston, Mass., New
York, N. Y., Philadelphia, Pa., und Baltimore, Md., die Pre⸗
digtplätze in Cleveland, O., Pricedale, Pa., Derby, Md.,
Sunderland, Mass., Washington, Conn., und Brewer, Me. Die
Gemeinden zählen 470 Seelen, 337 Kommunizierende, 109
Stimmberechtigte. Die größte dieser Gemeinden ist in Boston;
Seelen: 225, Kommunizierende: 76, Stimmberechtigte: 46.
Die Predigtplätze zählen 137 Seelen und 71 Kommunizierende.

Im ganzen hat der Missionar im vorigen Jahre in 82
Gottesdiensten 6737 Zuhörern das seligmachende Wort ver—
kündigt, 409 Kommunikanten das heilige Abendmahl ausge⸗
teilt, 30 Kinder getauft, 10 konfirmiert und 10 Paare kopu⸗
liert. Zum Unterhalt des Missionars brachten die Gemeinden
§5540 auf, davon die Gemeinde in Boston §400, und die Pre⸗
digtplätze 5140. Ausgaben des Missionars: 5410. Die Kom⸗
mission mußte mit 5480 nachhelfen.

P. C. F. Buchroth bediente 2 Gemeinden und 7 Predigt—
plätze. Die Gemeinden befinden sich in Chicago, Ill., und
Gleason, Wis., die Predigtplätze in Aurora, Ill., Osier, Mich.,
Marinette, Wis., Minneapolis, Minn., Lancaster, Minn., Rock
Lake, N. Dak., und Sifton, Can. Statistik der Gemeinden: Chi—
cago: 157 Seelen, 36 Kommunizierende, 29 Stimmberechtigte;
Gleason, Wis.: 65 Seelen, 38 Kommunizierende, 18 Stimm⸗
berechtigte; der Predigtplätze: 59 Seelen, 51 Kommunizierende.
Zu den 53 Gottesdiensten fanden sich 3565 Zuhörer ein. Kom⸗

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