Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 3 › Seite 46
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. Februar 1915, Seite 46
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46 S Der utheraned
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denken, daß es viel, viel Geld kostet, alle diese Anstalten in
gutem Stand zu erhalten. Wie viele Reparaturen sind doch
schon in einem kleinen Hause nötig! Wieviel mehr gehört
nun aber dazu, alle diese Gebäude selbst sowie die Klaviere und
Orgeln, ferner die Heizapparate und manches andere instand
zu halten, Lehrmittel immer wieder neu anzuschaffen usw. Und
dieses Geld für die Instandhaltung aller Anstalten mit ihrem
Zubehör fließt — neben den Professorengehältern — aus der
Synodalkasse. Daraus kannst du leicht abnehmen, daß
die Synodalkasse viel Geld nötig hat. Soll somit das Werkt
unserer Anstalten auch ferner recht blühen und gedeihen —
und das will doch jeder rechtschaffene Lutheraner —, dann
müssen wir recht reichlich und recht fleißig für diese Kasse geben.
Und warum sollte jeder, der es irgendwie kann, gerne
für diesen Zweck geben? Weil er damit Gottes Werk treibt.
So ist auch das ganze Gemeindeschulwesen unserer Synode
ein Werk Gottes. Das wollen freilich viele nicht zugeben. Sie
meinen, wir Missourier seien in diesem Stück Schwärmer;
denn es habe schon zu allen Zeiten Schulen gegeben, und man
könne doch nicht sagen, diese seien ein besonderes Gotteswerk.
Was sollen wir hierzu sagen? Dieses: Wohl ist es wahr, es
hat schon Schulen im grauen Altertum gegeben, in denen die
Jugend in Kunst und Wissenschaft erzogen wurde. Aber wie
sind die entstanden? Die gebildeten Heiden erkannten aus dem
Lichte ihrer Vernunft, wie nötig es sei, ihre Kinder in allem
Wissenswerten zu unterrichten, wenn sie nicht gegen andere
Kinder zurückstehen, und wenn ihr Volk andern Völkern eben⸗
bürtig zur Seite stehen sollte. Ihre Schulen waren also Er—
zeugnisse menschlicher Vernunft und Berechnung.
Auch unsere hiesigen Staatsschulen sind Erzeugnisse der
menschlichen Vernunft und wohlberechnender Staatsweisheit.
Denn der Staat erkennt, wie nötig eine gute Schulbildung für
den Bürger ist, und wie der Staat in der Zivilisation schnell
zurückgehen, und sein Ansehen bei den andern Nationen bald
schwinden würde, wenn er seinen Bürgern keine gründliche
Schulbildung mehr böte.
Anders steht es aber mit unserm Gemeindeschulwesen.
Christliche Gemeindeschulen, wie sie unter uns bestehen, sind
Kicht das Werk menschlicher Weisheit und staatlicher Klugheit.
Und warum nicht? Weil das, was der Hauptzweck der christ—
lichen Gemeindeschule ist, dem natürlichen Menschen zuwider ist.
Welches ist denn ihr Hauptzweck? Der Hauptzweck unserer
christlichen Gemeindeschule ist dieser: die uns anvertrauten
Kinder in den Grundwahrheiten der Heiligen Schrift zu unter—
richten. Die Wahrheiten des Christentums sind aber nicht ein
Ausfluß der natürlichen Vernunft; „denn der natürliche Mensch
vernimmt nichts vom Geiste Gottes; es ist ihm eine Torheit,
und kann es nicht erkennen; denn es muß geistlich gerichtet
sein“. Durch das Licht menschlicher Vernunft ist solche Er⸗
kenntnis nicht entstanden, sondern sie wird von dem Heiligen
Geist durch sein Wort bewirkt.
Und was bewegt uns denn, ein Schulwesen zu erhalten,
das dies zum Hauptzweck hat? Wiederum nicht die mensch—
liche Vernunft, sondern der Befehl Gottes: „Diese Worte, die
ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen und sollst
sie deinen Kindern schärfen“, 5 Mos. 6, 6. 7, und: „Ihr
Väter, . . . ziehet eure Kinder auf in der Zucht und Ver⸗
mahnung zu dem HErrn!“ Um diesem Befehl unsers Gottes
unter unsern Verhältnissen recht nachzukommen, müssen wir
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ein geordnetes christliches Gemeindeschulwesen haben. Und je
klarer die Erkenntnis dieser Pflicht bei den Christen ist, desto
mehr werden sie einer solchen Schule das Wort reden.
Ist nun aber diese Erkenntnis eine Gabe des Heiligen
Geistes, so ist auch das Schulwesen, das unter uns aus dieser
Erkenntnis heraus entstanden und bisher von uns gepflegt
worden ist, ein Werk des HErrn. Wie eifrig sollten wir aber
jedes Werk des SErrn treiben! Laßt uns wirken, solange es
Tag ist! „Es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.“
Warum soll die Jugend, sonderlich die Schuljugend,
die Predigtgottesdienste besuchen?
Das Christenkind gehört kraft seiner Taufe der Kirche an;
sie will es daher auch in ihrem Sinne erzogen wissen. Der
Gewissenhaftigkeit von Eltern und Taufpaten bleibt die erste
Vorbildung desselben für das kirchliche Leben überlassen. Es
kommt aber die Zeit, da die Kirche sich durch ihre öffentlichen
Diener ihrer nachwachsenden Glieder selbst annimmt, teils in
der Schule, teils im öffentlichen Gottesdienst. Der Besuch des
letzteren ist hier sonderlich gemeint.
Wenn Christus seiner Kirche Matthäi am letzten befiehlt:
„Prediget das Evangelium aller Kreatur!“ so liegt in solchem
Befehl Recht und Pflicht, auch für die Kinder zu sorgen und
sie zu dem Ende auch zu ihren Versammlungen zuzuziehen.
Soweit dieser Gottesdienst für die Kinder ausdrücklich ein⸗
gerichtet ist (Kindergottesdienste, Christenlehren, Sonntags⸗
schulen), steht der Besuch desselben von ihrer Seite außer
aller Frage. Wie verhält sich aber die Sache, wenn es sich um
die Hauptgottesdienste handelt, die zunächst für die älteren
Glieder der Gemeinde gehalten werden? Sollen auch dabei
die Unmündigen zugelassen oder zugezogen werden?
Es finden sich in gar manchen Gemeinden wenig Kinder
zum öffentlichen Gottesdienst ein. Woher kommt das? Man
hört wohl oft die Rede: „Die Kinder, die jungen Kinder,
gehören doch nicht in die Kirche!“ Man meint wohl einmal,
die kleinen Kinder hätten nichts von dem, was im Gottesdienst
gehandelt wird. „Was in der Kirche für die Erwachsenen
geschieht, ist in der Regel für die Kinder zu hoch; die Predegt
in ihrer zusammenhängenden, abhandelnden Form geht meist
über die Fassungskraft der jungen Geister. So haben sie von
der Kirche wenig oder gar keinen Nutzen, eher Schaden; denn
sie langweilen sich, treiben, wo sie können, Nebendinge, haben
jedenfalls Nebengedanken, und es wird ein gedankenloses
Singen, Beten und Predigthören.“ — Oder es heißt: „Die
Kinder lernen ja Gottes Wort in der Gemeindeschule oder in
der Sonntagsschule, daher ist es für sie nicht nötig, den öffent⸗
lichen Gottesdienst zu besuchen. Sie sind in Gefahr, sich an
das Überhören, das Verachten des Wortes Gottes ordentlich
von Jugend auf zu gewöhnen und endlich gar einen Wider⸗
willen gegen Predigt, Kirche und Gottesdienst zu fassen. Das
liebste Wörtlein der ganzen Predigt wird ihnen das Schluß—
amen, und sobald der Druck der Zucht aufhört, sorgen sie dafür,
nach diesem sich nicht mehr sehnen zu müssen. So tritt die
Kirche durch Verfrühung des Kirchenbesuchs und namentlich
durch Kirchenzwang ihrer eigenen Absicht in den Weg.“
Gegen solche Bedenken ist allerdings vielerlei geltend zu
machen. Obenan steht das Wort Gottes, das ich oben ange⸗
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