Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 3 › Seite 51
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. Februar 1915, Seite 51
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S Der „Tutheranetsse
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Diese Vorlage stempelt aber diesen Brauch zu einem Verbrechen,
das mit einer Gefängnisstrafe von zehn Tagen bis zu drei Mona—
ten bedacht werden kann.“ Ob dieser anstößige Paragraph Gesetz
wurde, als der Staat Prohibition einführte, wissen wir zurzeit
noch nicht. Jedenfalls beweisen die Fälle Arisona und Wash—
ington wieder, wie sehr man in Staaten, die im Begriff sind,
über ein Prohibitionsgesetz abzustimmen, auf der Hut sein muß,
daß nicht die religiöse Freiheit Schaden leidet. Gerade weil die
Prohibitionsbewegung vielfach von Sekten unterstützt wird, die
das Sakrament des Altars geringschätzen, ist die Gefahr groß,
daß man in fanatischer Weise auch den Verkauf oder die Einfuhr
von Altarwein unmöglich macht, um einen alkoholfreien Staat
zu schaffen. ö G.
Mitten in die Nachrichten vom großen Ringen der Völker
Europas kommt die Kunde von dem entsetzlichen Erdbeben in
Italien. Ein kurzer Erdstoß, der kaum fünf Sekunden andauerte,
und in Hunderten von Ortschaften Italiens war ein Werk der
gZerstörung geschehen, wie es schauerlicher nicht gedacht werden
kann. An die 40,000 Personen sollen ihr Leben verloren haben,
und der Sachschaden beläuft sich hoch in die Millionen. Wenn
man die Zeitung vor sich hat, in der dies neueste Schrecknis be—
richtet wird, und auf demselben Blatte dann die spaltenlangen
Berichte über das Todesringen auf Schlachtfronten von insgesamt
fünfhundert Meilen Länge überschaut und weiterhin in den Lokal⸗
berichten liest von der Arbeitslosigkeit und von dem Elend, die
diese hierzulande im Gefolge hat, dann hat man die Erfüllung
der Worte vor Augen, in denen der Heiland die Zeit vor dem
Ende der Welt beschreibt: „Ihr werdet hören Kriege und
Geschrei von Kriegen. Es wird sich empören ein Volk über das
andere und ein Königreich über das andere, und werden sein
Pestilenz und teure Zeit und Erdbeben hin und wieder.“
Welch ein Trost für die Kinder Gottes, daß unser HErr dieser
Beschreibung so großer Trübsale das Wort einfügt: „Sehet zu
und erschrecket nicht!“ wie auch jenes andere: „Himmel
und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht ver—
gehen.“ Selig, wer sich in so schwerer Zeit, da Gott seine Zornes—
drohungen wahr macht, auf die Verheißungen besinnen darf, deren
sich die Kinder Gottes in der Endzeit getrösten sollen, und im
Glauben dessen gewiß ist, daß durch alle diese Nöte hindurch der
HErr seinen Gläubigen aushelfen will zu seinem himmlischen
Reich. G.
ö Was für einen Gott die geheime Gesellschaft der Rotmänner
(RED Myx) verehrt, zeigt ein bei dem Tode eines Mitgliedes ge—
faßter Beileidsbeschluß. Dieser lautet: „Da es dem Großen
Geiste gefallen, unsern werten Bruder von uns zu rufen, um in
jenen innnergrünen Jagdgründen zu jagen, deshalb beugen wir
uns in Ehrfurcht vor dem Großen Geiste, in dessen Schutz wir
ja immer stehen, und hoffen, daß er uns, wenn wir einst nicht
mehr in diesen Gründen jagen, zu unserm dahingeschiedenen Bru—
der bringen werde, um in alle Ewigkeit mit unserm Bruder jagen
zu dürfen in seinen immergrünen Jagdgründen.“ Daß ein recht⸗
schaffener Christ nicht Glied dieser und ähnlicher Gesellschaften
sein darf, ist doch gewiß nicht schwer einzusehen.
(Z. u. A.)
Der Ablaß ist nach katholischer Lehre ein Erlaß solcher
Strafen, die der Katholik noch zu büßen hätte, nachdem ihm vonr
Priester die Absolution gespendet wird, und zwar wird solcher
Erlaß von Strafen immer geknüpft an einen Schatz der Kirche.
Zu solchen „Schätzen der Kirche“ gehören vor allem auch geweihte
Gegenstände, die der Katholik an seiner Person trägt oder in
seinem Hause aufbewahrt. Dazu gehören zum Beispiel geweihte
Heiligenbilder, Medaillen, Kruzifixe usw., die in der Tasche oder
am Körper getragen werden. Die römische Kirche hat auch be—
stimmte Bedingungen gesetzt, unter denen solche Gegenstände die
Kraft des Ablasses behalten. Darüber stand kürzlich in der
Neu World, einer katholischen Zeitung, die in Chicago erscheint,
folgendes zu lesen: „Medaillen und Kruzifixe verlieren ihre
Ablaßweihe, wenn sie so abgetragen sind, daß die Bilder, vor
allem die Gestalt des Heilandes, nicht mehr erkennbar ist. Bei
Kruzifixen haftet die Weihe an dem Körper Christi und kann mit
diesem an ein anderes Kruzifix übertragen werden. Beim Rosen—
kranz haftet die Ablaßkraft an den Kügelchen und wohnt diesen
auch inne, wenn sie auf eine andere Schnur gezogen werden.
Auch wenn einige Kugeln verloren werden, schadet dieses der
Kraft des Rosenkranzes nicht. Statuen verlieren ihre Ablaß—
kraft, wenn sie zerbrochen sind, nicht aber durch geringe Be—
schädigung. Es ist nicht erlaubt, solche geweihte Gegenstände zu
verkaufen oder zu tauschen; sie verlieren dann ihre Weihe. Nur
wenn sie noch nicht gebraucht worden sind, können sie verschenkt
werden. Nur wenn ein Rosenkranz ohne Wissen seines Eigen—
tümers von einer andern Person gebraucht wird oder im Notfalle
ausgeborgt worden ist, behält er seine Ablaßkraft.“ Katholische
Lehre ist, daß der Straferlaß, der durch diesen Ablaß mitgeteilt
wird, „vor dem eigenen Gewissen und vor Gott“ gültig sei. Welch
ein elender Betrug wird damit doch an den Seelen geübt! Man
kann diese Regeln und Bestimmungen nicht lesen, ohne an das
Wort Christi erinnert zu werden: „Vergeblich dienen sie mir,
dieweil sie lehren solche Lehren, die nichts denn Menschengebot
sind.“ Auch die Habsucht der Priester tritt in solchen Bestim⸗—
mungen wie den oben angeführten allzu deutlich hervor. Solche
Gegenstände haben ja nach katholischer Lehre nur Ablaßkraft,
wenn sie von einer kirchlich geweihten Person, also von einem
Priester, Bischof usw., geweiht worden sind, und das geschieht nie
ohne Bezahlung. Die Bestimmungen betreffs Verlust der Weihe
durch Abnutzung usw. sind daher sehr vorteilhaft für den Beutel
der Kirche. ö G.
Kriegslügen. Schier unglaublich ist, was in den Ländern,
die mit Deutschland im Krieg liegen, dem zeitungslesenden Publi—
kum an Entstellungen und Unwahrheiten über die Person des
deutschen Kaisers geboten wird. In englischen Zeitungen stand
mit solcher Ausführlichkeit die Nachricht von der geistigen Um—
nachtung des Kaisers und dem Selbstmord des Kronprinzen zu
lesen, daß in den Kirchen dem Kriegsgebet folgender Satz ange—
hängt wurde: „HErr Gott, nun haben wir für die Unsern ge—
betet; aber getreu der christlichen Lehre wollen wir nun auch
für unsere Feinde beten. Du hast den Geist des deutschen Kaisers
mit Wahnsinn umnachtet, du hast den deutschen Kronprinzen ver—
anlaßt, Selbstmord zu begehen; nun laß, o HErr, deines Zornes
genug sein und sei ihnen wieder gnädig!“ Noch viel ärger wird
jedoch in der russischen Hauptstadt über den Kaiser gelogen.. Am
29. Oktober vorigen Jahres wurde aus Petrograd folgende Nach-⸗
richt nach London gekabelt: „Russische Zeitungen neigen sich
immer mehr der Ansicht zu, daß der deutsche Kaiser verrückt ist.
Den Polen in Czenstochau hat er einen Erlaß verkündigt, in dem
er behauptet, das rätselhafte Klingen der Glocken im Sviato—
gorosky⸗Kloster bedeute, daß Polen mit Deutschland vereint wer—
den solle. Der Kaiser fügt die Worte hinzu: „Ich habe einen
wunderbaren Traum gehabt. Die heilige Jungfrau erschien mir
und trug mir die Rettung ihres Heiligtumes auf. Sie sah mich
mit tränenden Augen an, und ich bin daran, ihren heiligen Willen
auszuführen.“ Das ist aber alles noch eine Kleinigkeit im Ver—
gleich mit den Sachen, die man dem französischen Volk auftischt.
Da hat man folgende Dichtung verbreitet: Vor vierhundert Jah—
ren habe ein frommer französischer Mönch gelebt, der hieß Bruder
Johannes. Dieser fromme Bruder Johannes habe geweis⸗
sagt, und zwar habe er viel von dem Antichrist-Kaiser zu sagen
gehabt, der „in der Zeit vor dem Jahre 2000“ aufstehen werde.
Dieser Antichrist werde sein ein „Sohn Luthers, der Gott anrufen
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