Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 3 › Seite 48
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. Februar 1915, Seite 48
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Flegeljahre eintreten, sollen Eltern, sobald sie merken, es zieht
ihre Kinder nicht mehr zur Predigt und zum Abendmahl hin,
sogleich mit Gott ringen und zugleich unermüdlich mit Gesetz
und Evangelium an ihren Herzen arbeiten, bis sie durch Gottes
Gnade wieder heiß und brünstig in der Liebe zum Worte sind.
Die Unterweisung und Belehrung in Gottes Wort in einer
Gemeinde⸗ oder Sonntagsschule oder in der Christenlehre darf
ja nicht angesehen werden als ein Ersatz des öffentlichen Gottes⸗
dienstes, als sei dieser dadurch überflüssig geworden. Es scheint
nämlich, als wenn viele Eltern und Kinder der irrigen Mei—
nung wären, die Sonntagsschule könne sogar den öffentlichen
Predigtgottesdienst ersetzen, die Sonntagsschule sei die Kirche
der Kinder, und die Predigt sei sonderlich für die Erwachsenen
bestimmt. Daher sieht man auch vielerorts, wie am Schluß
der Sonntagsschule alles hinausströmt; kaum ein Kind bleibt
zurück für den Predigtgottesdienst. — Es möchte hier jemand
einwenden: Würde nur die Hälfte der Sonntagsschulkinder
für den öffentlichen Gottesdienst zurückbleiben, so würde es
an dem nötigen Raum in der Kirche mangeln. Dann müßte
die Gemeinde eben für Raum sorgen und sollte das mit Freu⸗
den tun. Das wäre doch traurig, wenn eine Gemeinde aus
Sparsamkeit die Kinder oder irgend jemand vom Hören des
Wortes Gottes abhalten wollte! Das gehörte unter das Weh—
ren der Kleinen, um deswillen IEsus über seine Jünger un⸗
willig wurde, Mark. 10, 14. Die Sonntagsschule muß im
Gegenteil ihre Schüler so viel als möglich zum öffentlichen
Gottesdienst hinzuziehen, für die Kirche zu gewinnen suchen.
Arbeitet sie nicht darauf hin, so verfehlt sie zum größten Teil
ihre Aufgabe. Werden die Kinder nicht von der frühesten
Jugend an dazu gewöhnt, so werden sie später keine eifrigen
Kirchgänger werden.
Sollen die Kinder zum Besuche der Kirche angehalten und
gewöhnt werden, so erfordert es die Billigkeit, ja überhaupt
die gebührende Ehre, daß sie vom Pastor während des Gottes⸗
dienstes nicht ignoriert werden. Er halte sich stets gegen—
wärtig, daß ihn auch junge Ohren hören. Er muß daher in
den Predigten, wo sich Gelegenheit bietet, auch auf die Kinder
Rücksicht nehmen. Wenn er verlangt, daß die Eltern sie zur
Kirche führen sollen, muß er auch nicht vergessen, daß sie da
sind. Die Eltern hören es gern, wenn die Kinder in der
Predigt angeredet und ermahnt werden, und die Kinder fühlen,
daß sie auch ein Recht in der Kirche haben, wenn hin und
wieder erwähnt wird, welche Pflichten sie haben, und welche
Verheißungen gerade ihnen gegeben sind.
Der Lehrer in der Wochenschule hat selbstverständlich son—
derlich sein Teil dabei zu tun; denn dazu ist ja die Gemeinde⸗
schule eingerichtet, daß die Kinder der Gemeinde erhalten blei⸗
ben, also auch zum öffentlichen Gottesdienst gewöhnt werden.
In der Gemeindeschule werden sie täglich in Gottes Wort unter—
richtet, und so der Glaube in ihre Herzen gepflanzt, damit sie
mit Freuden sprechen lernen: „SErr, ich habe lieb die Stätte
deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnet“, und auch
wissen, was es heißt, wenn der Heilige Geist uns sagt: „Be⸗
wahre deinen Fuß, wenn du zum Hause Gottes gehest, und
komm, daß du hörest! Das ist besser denn der Narren
Opfer.“ Er kann auch ein Sonderliches tun, indem er am
Tag nach dem Gottesdienst gelegentlich etliche Fragen an seine
Schüler stellt, um zu sehen, was sie sich aus der Predigt ge—
merkt haben, ihnen das Gesagte auch etwa zu weiterem Ver—
ständnis bringt und geeignete Anwendung macht, soweit ihm
das möglich ist. Er wird damit viel Nutzen schaffen.
Wenn so unsere Jugend zur Gemeinde gezogen und an
ihre gottesdienstlichen Versammlungen gewöhnt wird, so ent⸗
spricht damit die Kirche nicht bloß ihrer Pflicht, sondern auch
dem tiefsten Bedürfnis der Jugend sowie der höchsten Aufgabe
christlicher Erziehung derselben; denn christliche Erziehung ist
Erziehung für das Reich Gottes.
Gewöhnt man die Jugend nicht an den Kirchenbesuch,
macht man diesen ihr nicht lieb und wert, so setzt man sie in
Gefahr, für ihr ganzes Leben Sonntag und Sonne zu ver—
lieren. Was aber die Jugend verliert, verliert nach und nach
das Volk, das aus der Jugend heranwächst.
So laßt uns denn, soviel an uns ist, dahin streben, daß
auch unsere Kinder mit David von Herzen sprechen lernen:
„Eins bitte ich vom HErrn, das hätte ich gerne, daß ich im
Hause des HErrn bleiben möchte mein Leben lang, zu schauen
die schönen Gottesdienste des HErrn und seinen Tempel zu
besuchen.“ J. G. P.
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Nachrichten aus unsern Missionen.
Innere Mission. Canada. Wie unsere Reiseprediger
im fernen Canada Weihnachten gefeiert haben, zeigen folgende
Auszüge aus Briefen, die natürlich nicht für den „Lutheraner“
geschrieben sind, aber trotzdem die Leser interessieren werden.
Der eine Reiseprediger schreibt unter dem 7. Januar aus
Alberta: „Nun will ich Euch einmal erzählen, was ich zu
Weihnachten ausgerichtet habe. Am Christabend hatte ich
Kindergottesdienst in L. Die Kirche war gut besucht, und
wir hatten einen feinen Ba4aum. Weihnachten feiern alle die
deutschen Katholiken in meiner Nähe mit uns. Sonst ist es
schwer, sie zum Gottesdienst herbeizuziehen. Ich besuche sie
fast vor jedem Gottesdienst hier in L. Am ersten Weihnachts⸗
tag mußte ich schon um 3 Uhr aufstehen, um mit dem Frühzug 1
nach M. zu reisen. Etwa um 5 Uhr kam ich dort an, ging noch
einmal zu Bett und schlief bis 9 Uhr. Um 11 Uhr hatte ich
hier Gottesdienst. Um 1 Uhr ging's wieder auf den Zug
nach C. Da hatte ich um 3 Gottesdienst nebst Kindtaufe.
Das Wetter war den Tag über schön, aber abends bekamen
wir einen Sturm, und ich mußte mit Fuhrwerk zurück nach
L., um dort zu predigen.
zehn Jahren war mein Kutscher.
südöstlicher Richtung fahren, und der Sturm kam vom Nord—
westen. Ich merkte bald, daß das Pferd die Richtung ver—
loren hatte und nach und nach eine Schwenkung auf der Prairie
vollzog, trotzdem der Junge behauptete, er sei des Weges
kundig. Schließlich langten wir wieder in C. an. Ohne abzu—
steigen, machten wir uns von neuem auf den Weg, trafen ein
Gespann, das dasselbe Ziel wie wir hatte, und kamen um
7.45 glücklich in L. an. Das war eine böse Fahrt. Ich hielt
meinen Abendgottesdienst ab und ging dann todmüde zu Bett.
Am nächsten Morgen, am zweiten Weihnachtstage, mußte ich
schon wieder um 9.30 am Bahnhof sein.
schlafen hatte, mußte ich ohne Frühstück fort.
kam ich in M. R. an, aß schnell zu Mittag und begann um
12.45 meinen Gottesdienst.
wieder auf dem Zuge nach St.
Stunde auf Verbindung nach M. warten.
Dort mußte ich etwa eine
Hier hielt ich am
Ein kleiner Junge von etwa drei⸗
Ich wußte, wir mußten in
Da ich die Zeit ver⸗
Um 12 uhr“
Um 2 Uhr befand ich mich schon
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