Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 6 › Seite 101
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 16. März 1915, Seite 101
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•IL—L— —
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gißt man auch, daß die Schüler sechs Jahre lang auf der
Anstalt sind, und zwar gerade in den Jahren, da sie sich ent⸗
wickeln und besonders schwer zu ziehen sind. Da ist es denn
eine Freude, wenn man sieht, wie sich eine so große Zahl
Schüler — in diesem Schuljahr sind es gerade 150 — Tag
für Tag unter die Zucht des göttlichen Wortes beugt, und
wie sie sich geistig und körperlich entwickeln. Das Lehrerkolle⸗
gium, denen diese 150 Schüler anvertraut sind, besteht jetzt
aus den folgenden Männern: C. Abbetmeyer, Ph. D. (Uni-
versity of Minnesota), der seit 1902 hier den englischen Unter⸗
richt erteilt; H. W. F. Wolläger, Ph. D. (Heidelberg), der
Professor des Deutschen ist und 1904 eintrat; W. Mönkemöller,
der seit 1905 den Unterricht im Griechischen in allen Klassen
erteilt; C. Heuer, der seit dem Jahre 1906 Hebräisch und
Latein unterrichtet; E. A. Lußky, der in demselben Jahr ein⸗
trat und besonders Geschichte gibt, aber auch Latein; P. E.
1Kretzmann, der seit 1912 Professor der Naturwissenschaften
und der Mathematik ist; Theo. Bünger, der seit dem Be⸗
stehen der Anstalt deren Direktor ist. Gesang⸗ und sonstigen
Musikunterricht erteilt Herr E. Fürbringer, während Herr
Louis Gerber die Leibesübungen leitet. Die andern Brüder,
die sich besonders um das Wohl und Weh unserer Anstalt zu
kümmern haben, sind die Glieder der Aussichtsbehörde: Präses
R. Köhler und P. Aug. Schlüter sowie die Herren A. Hillmann,
J. H. Meier und J. H. Henke. Das Wahlkollegium für unsere
Anstalt bilden die Pastoren F. Randt, J. Clöter, F. Melcher,
J. C. Meyer und P. Brammer.
Aus der Geschichte der Anstalt ließen sich manche Einzel⸗
heiten erzählen, aber der zugemessene Raum erlaubt es nicht.“)
Das aber sollte in den Artikeln über unsere Synodalanstalten
nicht verschwiegen werden, daß wir als Synode nicht etwa be⸗
sonders große Opfer bringen für unser höheres Erziehungs—
wesen, wenn wir uns mit den Römischen und auch mit manchen
protestantischen Kirchengemeinschaften vergleichen. Es mag das
sich daraus erklären, daß unsere Körperschaft früher besonders
aus armen Einwanderern bestand, und wir uns auch oft an⸗
strengen mußten, um größere Summen für Innere Mission
aufzubringen. Wenn man hört, daß unser Minnesota⸗Distrikt
dieses Jahr zwischen §85,000 und 540,000 nötig hat zur Be—
treibung der Inneren Mission, besonders in Canada, so erklärt
sich, daß aus unserm eigenen Distrikt nicht so viel getan wird
1 für St. Paul, als man sonst erwarten würde.
Etwas findet man nicht bei unsern Lehranstalten, nämlich
sogenannte Endowment Funds. Das sind große Geldsummen,
oft etliche Millionen, die höheren Schulen geschenkt werden als
Kapitalanlage, aus denen die laufenden Ausgaben für Pro⸗
fessorengehälter und Instandhaltung der Gebäude sowie für
Heizung usw. bestritten werden, was bei uns aus der Synodal—
kasse kommen muß. Schon vor einem Menschenalter wurde
einmal im „Lutheraner“ die Frage erörtert, ob es nicht gut
wäre, wenn wir auch solche Endowment Funds hätten.
Auch eine Einnahmequelle, die andere Erziehungsanstalten
haben, fließt für uns nicht. Von Leuten wie Rockefeller und
Carnegie sind zur Unterstützung von Colleges große Geld—
summen angelegt worden. So ist allein aus dem General
ö *) Gerne wird denen, die es wünschen, die zur Zwanzigjahr-Feier
unserer Anstalt erschienene Nummer der Alma Mater (Mai 1913) zu⸗
gesandt, die ausführlichere Mitteilungen aus der Geschichte unserer An⸗
stalt nebst vielen Illustrationen bietet.
Education Fund den Privatschulen Minnesotas als ihr dies⸗
jähriger Anteil vor kurzem über eine drittel Million zuge—
sprochen worden. Wir sind davon ausgeschlossen, weil wir eben
das höhere Schulwesen im streng lutherischen Sinn und Geist
führen; das ist für solche Leute Grund genug, uns zu sagen: ö
Ihr bekommt von uns nichts. Für solche aber, die das luthe—
rische Zion liebhaben, ist es Grund genug, mit besonderer Lust
und Liebe und unter immer willigeren und größeren Opfern
unsere Prophetenschulen zu pflegen. Th. B.
—— —
Jahresbericht der Allgemeinen Aufsichtsbehörde.
Die Ehrw. Synode hat es der Allgemeinen Aufsichtsbe⸗
hörde zur Pflicht gemacht, jährlich im „Lutheraner“ über ihre
Arbeit zu berichten. Die gegenwärtige Behörde hat nun seit
letztem Mai gedient und schickt sich jetzt an, diesen Bericht zu
erstatten, ehe sie mit dem kommenden Frühjahr in die Arbeit
eines neuen Jahres eintritt.
Es hat uns an Arbeit nicht gefehlt, und wir sind auf—
richtig bemüht gewesen, den Willen der Synode auszuführen
und nach Kräften das Wohl des Reiches Gottes zu fördern.
Wir wünschen nur, daß es uns gelungen sein möge, es der
Synode recht zu machen. Die Behörde hielt vier Versammlun—
gen ab. Außerdem nahmen wenigstens einzelne Glieder der⸗
selben an Sitzungen etlicher Lokalbehörden teil. Auch wurde
eine ganze Reihe von Anstalten bei passender Gelegenheit be—
sucht und inspiziert. Ein sehr umfangreicher schriftlicher Ver⸗
kehr fand statt. Leider erlaubte der Mangel an Geld uns nicht,
viel von dem uns Aufgetragenen auszuführen.
In Seward wurde eine auf Beschluß der Synode schon
von unsern Vorgängern gemachte Bewilligung von etwa §5000
ausgezahlt, dazu auf unsern Beschluß hin die von der Ehrw.
Synode für den dritten Stock des Musikgebäudes nachbe⸗
willigten §52600. Die zwei Professorenwohnungen wurden ge⸗
kauft und, soviel wir wissen, von dem Herrn Kassierer in den
letzten Wochen bezahlt. Da die Synode für diese Anstalt eine
neue Professur eingerichtet hat, wurde es nötig, für eine weitere
Professorenwohnung zu sorgen. Trotz eifriger Bemühungen
der Aufsichtsbehörde in Seward war es unmöglich, eine
Wohnung zu mieten. Wir waren darum gezwungen, unsere
Zustimmung zum Bau einer Professorenwohnung zu geben.
Wir taten dies unter der Bedingung, daß die Bausumme unver⸗
zinslich geborgt werde. Daß in River Forest das durch Feuer
zerstörte Lehrgebäude vollständig wiederhergestellt worden ist,
wurde den Lesern des „Lutheraner“ kürzlich gemeldet. Es ge⸗
schah dies dem Beschluß der Synode gemäß unter der bewährten
Aufsicht des früheren Gliedes der Allgemeinen Aufsichtsbehörde,
Herrn Walkers von Cleveland. Nur die Wiederanschaffung
der inneren Einrichtung und ein für nötig gehaltener Anstrich
der inneren Wände der Gebäude kam unter unsere Aufsicht.
In Conover, N. C., wurden ziemlich bedeutende Repara⸗
turen vorgenommen. In dem Seminar zu St. Louis wurden
die von der Synode bewilligten neuen Fußböden gelegt und,
soweit dies vor dem Legen der Fußböden nötig war, die Leitung
für elektrische Beleuchtung. Außerdem erwies es sich als
schlechterdings notwendig, einen großen Teil der Gebäude neu
anzustreichen. Wir konnten dies auch nur unter der Be⸗
dingung bewilligen, daß das nötige Geld unverzinslich vor—
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