Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 6 › Seite 105

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 16. März 1915, Seite 105

97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110

Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner71_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengemeinſchaften 3

⤓ Download .txt · copy text

—— —

105

Bericht über die aus den einzelnen Gemeinden des Nebraska⸗
Distrikts eingesandten Gelder. Da werden die einzelnen Gemein⸗
den aufgeführt und angegeben, wieviel jede einzelne Gemeinde
für die verschiedenen Kassen des Distrikts und der Synode bei⸗
getragen hat. Die Zahl der konfirmierten Glieder jeder Ge⸗
meinde ist beigefügt. Diesem Bericht ist vorausgeschickt ein Vor⸗
anschlag (budget) für das Jahr 1915. Erst wird gesagt, wieviel
der Distrikt für die Hauptkassen der Synode aufzubringen hätte,
sodann die Summen, die der Distrikt für das Werk in dem eige⸗
nen Gebiete nötig hat. Dann wird noch einmal im Namen des
Finanzkomitees von Präses C. H. Becker daran erinnert, daß
„Synodalkasse, Baukasse und Allgemeine Innere Missionskasse in
diesem Jahre von allen Gemeinden des Nebraska⸗Distrikts ge⸗
bührend bedacht werden sollten“. Der Nebraska-⸗Distrikt hat also
das, was in einer ganzen Anzahl von Distrikten gegenwärtig
angestrebt wird: ein Finanzkomitee, das Budgetsystem und einen
gedruckten jährlichen Bericht über die Gaben der einzelnen Ge⸗
meinden. Der Distrikt berichtet Gaben für außergemeindliche
Zwecke in der Höhe von über 889,000 für das Jahr 1914. Das
ist eine Zunahme von §6000 gegen das Vorjahr. G.

Wie man in Südamerika Ostern feiert. Ein deutsch⸗-brasi⸗
lianisches Blatt, die „Deutsche Post“, ließ sich letztes Jahr von
einem „Beobachter“ aus Costa da Serra (Brasilien) schreiben:
„Das Osterfest, das Fest der Auferstehung Christi, wurde auch bei
uns in schöner und erhebender Weise gefeiert. Zur schön ausge⸗
schmückten Kirche pilgerten am Ostermontag die Konfirmanden mit
ihren Eltern. Die Konfirmandenprüfung wurde von allen gut
bestanden. Darauf fand die Abendmahlsfeier statt. Herr Pastor
Bruno Stysinski, unser hochgeschätzter Geistlicher, hielt eine recht
zu Herzen gehende Predigt über die Bedeutung des Osterfestes,
die Auferstehung Christi. Die Feier in der Kirche erfuhr eine
höhere Weihe durch die Mitwirkung des Vereins „Frohsinn“, wel⸗
cher mehrere kirchliche Lieder, die eine schöne Schulung erkennen
ließen, vortrug. Am gleichen Tage wurde noch vier jungen Erden⸗
bürgern die heilige Taufe erteilt. Der vorhergehende Ostersonn⸗
tag vereinigte die tanzlustige Jugend im Saale des Herrn C.
Matzenbacher bei einem recht gemütlich verlaufenden Ball. Auch
am Ostermontag wurde ein Tanzkränzchen abgehalten, und zwar
im Saale des Herrn C. Heidrich, Costa da Serra, welches leider
nicht ohne einige Zwistigkeiten ablaufen sollte. Zum Glück wurde
der Schauplatz der Keilerei auf die Straße verlegt, so daß den
Gästen im Saal wenigstens der Schreck erspart blieb. Draußen
aber wurde eine regelrechte Schlacht mit Messern geliefert; auch
ein Rasiermesser sah man blinken. Nur durch das beherzte Da⸗
zwischentreten zweier Männer wurde Mord- und Totschlag ver—
hütet. Sicher hätten sonst zwei bis drei „deutsche Buben“ ins
Gras beißen müssen, da sie, weil unbewaffnet, gegen die messer⸗
bewaffneten Lusobrasilianer nicht ankommen konnten.“ Hierzu
macht das „Luth. Kirchenblatt“ die Bemerkung: „Dadurch aller⸗
dings, daß der Bericht alles in einem Atemzuge erzählt, bietet er
ein getreues Abbild der Wirklichkeit. Denn so eng, wie hier im
Bericht Osterfeier, Konfirmation und Abendmahlsfeier mit der
Keilerei und dem Tanzvergnügen vergemeinschaftet sind, so bunt
durcheinander mag sich dort in Costa da Serra kirchliche Feier und
Weltunwesen in Wirklichkeit abgespielt haben.“ Man erkennt aus
diesem Bericht, der übrigens dem Leser südamerikanischer Nach—
richten nichts besonders Auffallendes bietet, wie nötig es ist, daß
unsere deutschen Stammesgenossen in Brasilien nicht nur mit dem
reinen Evangelium, sondern auch mit gesund lutherischer Praxis
bekannt gemacht werden. Auf der andern Seite gibt die hier be⸗
richtete Osterfeier aber auch einen Einblick in die Schwierigkeiten,
unter denen unsere Missionare ihre Arbeit tun. Wo man Oster⸗
predigt, Konfirmation, Taufe, Tanz, Keilerei und Messerschlacht
so in einem hin berichtet wie in dem vorliegenden Ausschnitt,

ohne etwas Besonderes daran zu finden, wird man sich allerdings
zuerst sträuben, wenn nun nach Gottes Wort ein solch wüstes In⸗
einandermengen von Kirche und Welt verurteilt wird. Doch ist
Gottes Wort mächtig genug, auch in solch verweltlichten Haufen
noch eine Besserung zu wirken. Davon sind die vielen Gemeinden,
die in unserer Lehre nun die reine, unverfälschte Predigt des
göttlichen Wortes erkannt haben und flehentlich um Bedienung
durch unsere Missionare bitten, ein beredtes Zeugnis. G.

In der Lehre vom Abendmahl steht die reformierte Kirche
jetzt noch wie zur Zeit Luthers: sie leugnet die wahre Gegenwart
des Leibes und Blutes Christi im Sakrament. Kürzlich stand im
Presbyterian, einem Blatt, das sonst noch eine feste Stellung
dem Unglauben gegenüber einnimmt, folgendes über die Ein⸗
setzung und Bedeutung des heiligen Abendmahls zu lesen: „Die
Jünger hatten sich mit IEsu am Grün donnerstagabend versam⸗
melt. Er sagte seinen Jüngern, daß er ihrer Hilfe und ihrer
Sympathie bedürfe und sie der seinigen, denn große Versuchungen
und Leiden stünden ihnen allen bevor. Sie versprachen ohne
Zweifel, ihm beistehen zu wollen. Jedoch ein mündliches Ver⸗
sprechen genügte IEsu nicht. Er wußte aber, daß er sich auf sie
verlassen könnte, wenn ihr Versprechen durch ein Bündnis be⸗
festigt würde. So schlug IEsus ein Brotbündnis vor. Das ist
ein zeitweiliges Bündnis und würde nur so lange Geltung haben,
bis IEsus gestorben sei. Dann sagte IEsus ihnen, er werde
wieder auferstehen, und mit Rücksicht hierauf empfahl er ihnen
noch ein Bündnis, und zwar eins mit dauernder Geltung, ein
Blutbündnis. Statt des Blutes wurde Wein gebraucht (sub-
stituted). In diesem doppelten Bündnis war Brot das Symbol
(Zeichen) seines Leibes und der Wein das Zeichen seines Blutes.
Er segnete diese Zeichen und gab ihnen so eine tiefe Bedeutung
als überaus heiligen Dingen. Ein solches Bündnis zu brechen,
gilt aber in orientalischen Ländern als ein Vergehen, das die
strengsten Strafen nach sich zog. Wer es brach, wurde als ein
Verstoßener angesehen, von allen verachtet, und weil Judas diese
beiden Bündnisse gebrochen hatte, beging er Selbstmord. Der
feierliche Vorgang dort im oberen Saal ist jetzt noch gültig für
die Jünger IEsu. Wer seine Lehre für wahr hält und das durch
Teilnahme an dem Zeichen seines Leibes und Blutes zu erkennen
gibt, tritt in dasselbe Bündnis ein wie jene Jünger und ist zu den
Verheißungen berechtigt, die IEsus ihnen gab.“ Wir haben dies
so ausführlich wiedergegeben, damit dem Leser klar wird, daß in
der reformierten Kirche noch jetzt der Irrtum im Schwange geht,
Brot und Wein im Abendmahl seien nur Zeichen des Leibes und
Blutes Christi. Daß die ganze Darstellung der Einsetzung des
Sakraments, wie sie der Schreiber im Presbyterian liefert, nicht
mit der Darstellung der Evangelisten stimmt, sondern rein auf
Dichtung und frevelhafter Entstellung des biblischen Berichtes be⸗
ruht, weiß jeder lutherische Konfirmand. Welch eine Verkehrung
des Sachverhalts, wenn zum Beispiel gesagt wird, IEsus habe
sich die Standhaftigkeit der Jünger für die bevorstehende Leidens⸗
nacht durch die Teilnahme am Abendmahl sichern wollen, da der
HErr ihnen doch vielmehr vorausgesagt hat, sie würden sich alle
an ihm ärgern! Mit den Worten „Für euch gegeben, ver⸗
gossen“ weiß der Presbyterianer nichts anzufangen. Wie er sich
den Zusammenhang denkt, passen sie gar nicht in diese Geschichte;
denn nicht ein Gnadenmittel ist das heilige Abendmahl nach dieser
Darstellung, sondern ein Verpflichtungsmahl, ein Erinnerungs⸗
mahl. Doppelt traurig ist, daß sich in einem Blatt wie dem
Presbyterian, das zu den besten reformierten Kirchenzeitschriften
gerechnet werden muß, der Vernunftglaube, der Unglaube, se
breit machen darf, wenn es gilt, die Lehrstücke darzulegen, in

denen die Presbyterianer, wie überhaupt die reformierten Kirchen

von der im klaren Schriftwort geoffenbarten Wahrheit abge⸗
wichen sind. G.

English translation

Not yet translated.