Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 6 › Seite 109
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 16. März 1915, Seite 109
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„Nein, Willem, nicht ganz so viel; es waren 8550. Das
war aber doch schon besser als die 8200, die früher mit Ach und
Krach aufgebracht wurden. Aber warte einmal! Wenn erst alle
unsere Glieder eine bessere Einsicht gewonnen haben, wird's in
diesem Stück noch besser gehen. Du hättest nur in der letzten Ge⸗
meindeversammlung die Begeisterung sehen sollen, als der Jahres⸗
bericht abgelegt wurde. ‚So ist's recht! So ist's recht! hat man
gerufen. ‚Jetzt tun wir auch etwas für unsere Synodalkasse und
für die Missionare!' Und der junge Jahn sagte nach der Ver—
sammlung zu mir: J believe our congregation is going to be on
the map.““
„Offen gestanden, Fritz, ich fange an, die Sache mit andern
Augen anzusehen. Aber eins verstehe ich noch nicht. Jeden
Sonntagmorgen, wenn ich mein Kuvert herhole, um meinen Ge—
meindebeitrag hineinzustecken, sehe ich auch die rotbedruckte Seite,
und da heißt es immer wieder bei mir: Willem, du mußt! Das
ist doch Zwang! Und daran seid ihr — wollt' sagen, daran ist
die Gemeinde schuld.“
„Willem, du irrst dich. Die Gemeinde erinnert dich nur
daran, was der liebe Gott von dir erwartet, und zeigt dir
einen leichten, praktischen Weg, wie du es ausführen kannst.
Der Heilige Geist ist es, der an dir arbeitet und dich immer
wieder mahnt: Willem, willst du ein Christ, ein rechter Jünger
IEsu, sein, dann wirst du deinen Glauben auch beweisen durch
fleißiges Beten und — vergiß es nicht! — durch fleißi⸗
ges Geben für den Bau und die Ausbreitung des Reiches Got⸗
tes, damit auch andere zu Jüngern gemacht werden. Siehe, das
läßt dir keine Ruhe.“
„Fritz, ich glaube — nein, ich weiß, du hast recht. Wenn mir
das früher so ausgelegt worden wäre, dann hätte ich schon längst
andere Gedanken gehabt. Du kannst sprechen wie ein Pastor.“
„Laß das, Willem! Nur keine Komplimente! Nimm mir's
aber nicht übel: Es ist deine eigene Schuld, daß du so lange im
Dunkeln geblieben bist. Unser Pastor kann die schönsten Er⸗
klärungen in der Gemeindeversammlung geben, sie nützen dir
nichts. Und wenn dann die Gemeinde einmal etwas Neues be⸗
schlossen hat, heißt es so leicht bei dir und einigen andern: Warum
habt ihr das getan? Ihr! — als ob du nicht zur Gemeinde
gehörtest! Du kommst eben so selten in die Gemeindeversamm⸗
lung. Da liegt der Schade. Ja, ja, unterbrich mich nur nicht!
Ich kenne schon deine Gründe; doch darüber ein andermal. Und
nun, überlege dir's noch einmal ganz gründlich, was wir heute
abend miteinander besprochen haben, und — gute Nacht!“
„Auf Wiedersehen, Fritz! Danke auch schön für die Unter⸗
haltung!“ A. v. S.
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Todesanzeigen.
Johann Peter Karrer wurde geboren am 17. März
1838 zu Memmingerberg im Königreich Bayern. Seine Eltern
waren Ulrich Karrer und dessen Ehefrau Ursula, eine geborne
Zeller. — Die große Predigernot in Amerika drang auch ihn, als
er zu Jahren gekommen war, sich in den Dienst der Kirche zu
stellen. So geschah es, daß er im Jahre 1864 in das Missions⸗
haus bei Pfarrer Brunn in Steeden, Herzogtum Nassau, ein⸗
trat. Im Jahre 1865 verließ er mit noch zwölf andern Zög⸗
lingen sein altes Vaterland und kam in das Predigerseminar nach
St. Louis. Im Jahre 1867 bestand er daselbst sein theologisches
Examen. Seine erste Pfarrstelle war in Napoleon, O. Er be—
diente später Gemeinden in Allen Co., Ind., Ludington, Mich.,
und Sandusky, Wis. Im Jahre 1896 sah er sich genötigt, sein
ihm so liebes Amt niederzulegen. — Der Verstorbene war schon
längere Zeit kränklich; zu Anfang dieses Jahres erkrankte er
bedenklich. Wohl vorbereitet auf ein seliges Sterben, sah er ohne
Todesfurcht seinem Ende entgegen. Unter Gebet und Seufzen
um eine endliche Erlösung von allem Jammer nahm ihn Gott
heim am 20. Januar dieses Jahres in einem Alter von 76 Jahren,
10 Monaten und 3 Tagen. Am 22. Januar wurde der Ent⸗
schlafene zu La Valle, Wis., durch den Unterzeichneten christlich
beerdigt. Er ruhe in Frieden! Paul Schaller.
Am 18. Februar, am Todestage Luthers, holte der HErr
zu Danville, Ill., weiland P. Ernst Wilhelm Theodor
Martens heim. Am Sonntag darauf haben wir seinen müden
Leib hinausgetragen auf Gottes Acker. Nach einem kurzen eng⸗
lischen Gottesdienst im Hause, bei welchem der Unterzeichnete
amtierte, bewegte sich der Leichenzug nach der Immanuelskirche.
Dort hielten beide Ortspastoren eine deutsche Rede, zuerst der
Unterzeichnete über Röm. 1, 16, dann P. Berthold über Jos.
1. 2a. Nachdem dann noch Hunderte den letzten Blick auf den
lieben Verstorbenen geworfen hatten, bewegte sich ein langer
Leichenzug nach dem lutherischen Kirchhof, wo nun des Ent—
schlafenen Leib inmitten sciner früheren Herbe deur Auserslehungs⸗
morgen entgegenschlummert. — P. Martens wurde zu Pölchow in
Mecklenburg-Schwerin am 13. Februar des Jahres 1851 ge⸗
boren. Er war der vierte Sohn des Lehrers Ludwig Martens
und dessen Ehefrau Lisette, geb. Bahlmann. Da er früh den
Wunsch hegte, Pastor in Amerika zu werden, so nahm er Privat⸗
unterricht in der deutschen, englischen und lateinischen Sprache.
In den Jahren 1869 und 1870 besuchte er die Anstalt Pfarrer
Brunns in Steeden. Er hatte vor, mit etwa dreißig andern
Zöglingen nach St. Louis zu reisen, um dort seine Studien fort⸗
zusetzen. Doch infolge des Krieges mit Frankreich, der die Schiff⸗
fahrt lahmlegte, und dann auch wegen einer Erkrankung an Ner⸗
venfieber mußte die Reise ein Jahr hinausgeschoben werden. Im
Juni 1871 reiste er dann nach New York. Im Jahre 1875
machte er sein theologisches Examen und erhielt dann einen Beruf
nach Sadorus, Ill. Außer dieser Gemeinde bediente er drei
Jahre lang die Plätze Macedonia, Ivesdale, Bourbon, Broad⸗
lands, Philo, Tolono und Tuscola. Nach zwei Jahren nahm er
einen Beruf nach Danville an, wo er fast vierunddreißig Jahre
lang der Gemeinde vorgestanden hat. Gottes Segen ruhte auf
seiner Arbeit, die Gemeinde wuchs und mehrte sich; es wurden
mehrere Schulen und eine Kirche gebaut. Dies alles hat, wie er
selbst sagt, „viel Arbeit, viel Sorge, viel Gebet und viel Verdruß
gekostet; aber Gott half durch“. Auch hat der Verstorbene jahre⸗
lang das Amt eines Visitators verwaltet. — Am Himmelfahrts⸗
tag des Jahres 1912 wurde er zum drittenmal vom Schlag ge⸗
rührt. Er erholte sich zwar wieder, so daß er langsam reden und
gehen konnte, aber amtieren konnte er nicht mehr. Immer rast⸗
lose Arbeit gewohnt, sehnte er sich seither nach einem seligen Ende.
Gott hat sein Gebet erhört. Am 17. Februar bekam er einen
vierten Schlaganfall, und am Donnerstagmorgen trugen die
Engel seine Seele in Abrahams Schoß. Er hat sein Leben ge⸗
bracht auf 64 Jahre und 5 Tage. Sein Gedächtnis bleibe im
Segen! J. E. E.
Dem Serrn der Kirche hat es gefallen, einen Primaner
unserer Anstalt aus diesem Leben abzurufen. Hermann Al⸗
brecht aus Arlington Heights, Ill., ein begabter und wahrhaft
frommer junger Mann, starb am 21. Februar selig im HErrn.
Am nächsten Morgen wurde um 8.30 ein Trauergottesdienst in
der Aula abgehalten, wobei P. H. Sprengeler eine sehr erbauliche
Rede hielt. Das Leichenbegängnis fand am 23. Februar in der
Heimat der Eltern statt. P. Noack hielt eine tröstliche Predigt im
Anschluß an die Worte des HErrn: „Soll ich den Kelch nicht
trinken, den mir mein Vater gegeben hat?“ — Gott tröste die
hartbetroffenen Eltern! M. J. F. Albrecht.
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