Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 6 › Seite 106
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 16. März 1915, Seite 106
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über die Siebententags-Adventisten findet der Leser in einer
andern Spalte einen zeitgemäßen Artikel. Gefährlich ist diese
Sekte besonders, weil ihre Agenten — der Name „Missionare“
ist zu gut für das Volk — sich jedes Betrugs bedienen, um Chri⸗
sten in ihr Garn zu verstricken. Einer unserer östlichen Pastoren
erzählt, daß sich in seiner Gemeinde Sendboten der Adventisten
als Nähmaschinenagenten in die Häuser einschlichen und so Ge⸗
legenheit suchten, ihren Irrwahn vorzutragen. Mehr als 1100
solcher Agenten sind in der Welt tätig, allein um adventistische
Zeitschriften und Bücher zu verkaufen. Besonders in den Mis⸗
sionsgebieten der lutherischen Kirche treiben sie ihr Wesen, und
zwar meistens unter falschem Namen. Sie preisen ihre Bücher
und sonstigen Publikationen an als „gänzlich frei von Sekten⸗
geist“, als „durchaus unsektiererisch“. Tatsächlich kann man ihre
Zeitschriften jahrelang lesen, ohne daß man auf den Namen
„Siebententags⸗Adventisten“ stößt. An dem unchristlichen, kirch⸗
losen Element der Bevölkerung treiben sie keine Mission, sondern
fast ausschließlich an solchen, die schon einer Kirche angehören. So
kommt es, daß die adventistischen Gemeinden zu 90 Prozent aus
denstrafen auf das Fegfeuer verschieben wollte, hätte doppelten
Schaden: er muß mehr bezahlen und gewinnt weniger. Er muß
mehr bezahlen; denn die Bußübung hier auf Erden wiegt auf
der Wage der göttlichen Gerechtigkeit weit schwerer als das er—
zwungene Bußleiden im Jenseits. Und er gewinnt weniger; denn
alle Bußwerke auf Erden sind zugleich auch verdienstlich für den
Himmel. Wer also fastet, tilgt dadurch seine Sündenstrafen und
erwirbt sich Anspruch auf Belohnung im Himmel.“ — Da haben
wir die Werklehre der Römischen. Wer dem Gebot der Kirche
nachkommt und zu gewissen Zeiten fastet, büßt seine Sünde ab und
erwirbt sich Anspruch auf Belohnung im Himmel. Wenn wir
solche Sachen lesen, nimmt es uns nicht mehr wunder, daß der
Papst das Bibellesen verbietet. Denn da steht ganz deutlich
Röm. 3, 24: Wir „werden ohne Verdienst gerecht aus
seiner Gnade, durch die Erlösung, so durch Christum JEsum
geschehen ist“. Und wiederum, Kap. 4, 5: „Dem aber, der nicht
mit Werken umgehet, glaubet aber an den, der die Gottlosen
gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit.“
Und auf der nächsten Seite: „Nun wir denn sind gerecht
Professorenwohnungen.
Leuten bestehen, die vorher einer andern Gemeinschaft angehört
haben. Ihre Methode der „Schriftauslegung“ ist ganz diejenige
der Mormonen, des „Pastor“ Russell und anderer Irrgeister. Sie
besteht darin, aus einer Masse von Versen aus allen Teilen der
Bibel ein anscheinend festes Gebäude biblischer Lehre zusammen⸗
zufügen, das ihre besonderen Ansichten und Meinungen beweisen
soll. Nach dieser Methode kann irgendeine Lehre anscheinend durch
die Bibel bewiesen werden. Die Siebententags-Adventisten ge⸗
hören zu den gefährlichsten Irrlehrern unserer Zeit. G.
„Warum fasten wir?“ Auf diese Frage antwortete eine
katholische Familienzeitschrift („Paradiesesfrüchte“) letzthin, wie
folgt: „Das Fasten ist eine Buße; wenn wir also im Gehorsam
der Kirche das Fastengebot halten, so üben wir ein vorzügliches
Werk der Buße für unsere Sünden. Wer sündigt, muß büßen;
wie nun keiner frei ist von Sünde, so ist auch keiner frei von der
Verpflichtung, die Sünde wieder gutzumachen, das heißt, zu büßen,
zu fasten, sich abzutöten, zu entsagen. Die zeitliche Strafe der
Sünden muß entweder hier auf Erden oder im Fegfeuer abgebüßt
werden. Wenn wir fasten, so dient dieses Bußwerk dazu, die
zeitlichen Sündenstrafen zu tilgen. Es ist ein heilsames Gesetz;
denn wir sind durch dasselbe gezwungen, die Genugtuung nicht
bis zum Fegfeuer zu verschieben. Wer die Abtragung der Sün⸗
„
Park und Rennbahn mit Tennis⸗Court.
Gesamtansicht des Concord
worden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch
unsern HErrn IEsum Christ.“ Eben diesen Frieden mit Gott
kann ein armer, betörter Papstknecht nicht erlangen, der seine
Hoffnung auf eigene Werke setzt. — In dem schon angeführten
Artikel heißt es weiter: „Jede Beleidigung Gottes zieht zwei un⸗
selige Folgen nach sich; sie legt uns gleichsam zwei Ketten an:
es ist die Schuld der Sünde und die Schuld der Strafe. Wir
haben also auch beide Ketten zu lösen, wenn wir die Beleidigung
Gottes sühnen wollen; wir müssen lösen die Schuld der Sünde
und die Schuld der Strafe. Die Schuld der Sünde lösen wir,
wenn wir dieselbe herzlich bereuen. Gott um Verzeihung bitten
und die Sünde im Bußsakrament aufrichtig bekennen, wenigstens
wenn es sich um eine Todsünde handelt. Wenn wir dann so
wieder mit Gott ausgesöhnt sind, und Gott die Beleidigung ver⸗
gessen will, dann ist doch noch nicht alles wieder in
Ordnung. Es muß auch noch die zweite Kette gelöst werden,
nämlich auch die Schuld der Strafe muß nachgelassen werden.“
Das ist der Unterschied zwischen lutherischer und katholischer Lehre.
Die lutherische Lehre sagt nach der Schrift: wenn wir wieder
mit Gott ausgesöhnt sind, und Gott die Beleidigung vergessen
will, dann ist alles vollständig wieder in Ord⸗
nung. Die Schrift sagt, daß wir dann auch rein nichts mehr
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