Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 6 › Seite 97

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 16. März 1915, Seite 97

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Gottes Sohn.

Und ich saht einen Engel
liegen mittlen durch den α
Himmel, der hatte ein ewig
Cvangelium, zu verkiindigen 1
denen, die auf Erden sißen
und wohnen, und allen Hei-
den, und Geschlechtern, und
Sprachen, und Valkern, und
sprach mit großer Stimme:
Lürdhter Golt, und gebet
ihin die CEhre; denn die Zeit
fseines Oerichis isl Kommen,
und betel an den der gemacht
hat Himmel, und Erde, und
Meer, und die Wasser⸗
brunnen. Ossb. Joh. 14, 6.7.
L

7.
+. — .— ——
.. — —.——— .
2

HZerausgegeben von der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigiert von dem Lehrerkollegium des theologischen Seminars in St. Louis.

71. Jahrgang.

St. Louis, Mo., den 16. März 1915.

Er trug sein Kreuz.
(Joh. 19, 17.)

Will das arme Herz verzagen
Unter seiner Kreuzeslast,

Gläubig laß mich auf dich blicken
Und an deiner Liebesglut

Err, in deinem Kreuzestragen Unterm Kreuz mein Herz erquicken,
Laß mich finden Ruh' und Rast! Stärken meinen blöden Mut,

Daß ich täglich ohne Klage
Tu' als Jünger dein Geheiß
Und mein Kreuz dir still nachtrage,
Mir zum Heil und dir zum Preis.
F. W. Herzberger.

—.—

Die Kraft des Leidens JEsu.

Wir sollen bei der Schrift Rede und Wort bleiben und
den Artikel also behalten, daß dieser Christus ist wahrhaftiger
Gott, durch den alle Dinge geschaffen sind und bestehen. Und
wiederum, derselbige Christus, Gottes Sohn, wird geboren von
der Jungfrau Maria und stirbt am Kreuz. Item, die Mutter
Maria trägt, gebiert, säugt und nähret nicht den Menschen
allein oder Fleisch und Blut — denn das wäre die Person zer—
trennet —, sondern sie trägt und nähret einen Sohn, der da ist
Darum heißt sie recht nicht allein des Men⸗
schen, sondern auch Gottes Mutter; wie auch die alten Väter
solches gelehret haben wider die Nestorianer, welche wollten
einen Strich hindurch machen, daß Maria nicht sollte Gottes
Mutter heißen, und wollten nicht sagen, daß sie hätte Gottes
Sohn geboren.

Hiergegen müssen wir bekennen, daß Maria ist des rechten,
wahrhaftigen Gottes Mutter, und die Juden haben, indem sie
Christum kreuzigten, nicht allein den Menschen, sondern den
wahrhaftigen Gottessohn gekreuzigt. Denn ich will nicht einen
solchen Christus, an den ich soll glauben und ihn anrufen als
meinen Heiland, der ein bloßer Mensch ist. Da würde ich
zum Teufel fahren; denn ein bloßer Mensch kann nicht die
Sünde tilgen, Gott versöhnen und seinen Zorn wegnehmen,

den Tod und die Hölle überwinden und zerstören noch das ewige
Leben geben.

Das dienet nun dazu, daß wir können wider den Teufel
bestehen und ihn im Todeskampf und andern Nöten überwinden,
wenn er uns schrecket mit der Sünde und Hölle. Denn wo
er mir das abgewönne, daß ich Christum als einen bloßen Men⸗
schen, für mich gekreuzigt und gestorben, ansehe, so wäre ich ver⸗
loren. Wenn ich aber den Schatz und das Gewicht daran
hänge, daß Christus, beide wahrhaftiger Gott und Mensch, für
mich gekreuzigt und gestorben ist, das wiegt und schlägt weit
über alle Sünde, Tod, Teufel, Hölle und allen Jammer und
Herzeleid; denn wenn ich das weiß, daß der, so wahrhaftiger
Gott ist, für mich gelitten hat und gestorben ist, und wiederum
derselbige Mensch von den Toten auferstanden, gen Himmel⸗
gefahren, zur Rechten Gottes sitzet und ein HErr ist über alles,
so kann ich gewißlich schließen, daß meine Sünde und Tod durch
ihn getilgt und überwunden ist, und nun bei Gott kein Zorn
noch Ungnade über mich ist, weil ich in dieser Person nichts
denn eitel Gnadenzeichen und Gnadenwerke sehe und höre.

Das ist unsere Lehre und Trost aus der Schrift, so wir von
Christo haben, wiewohl es für der Welt und spitzigen Vernunft
für lauter Torheit angesehen wird. Aber laß andere klug sein
in ihres Gottes, des Teufels, Namen und das Herzeleid haben
mit ihrer unzeitigen Grammatika und Rhetorika, so sie damit
wollen die Schrift meistern, zerreißen und zunichte machen. Es
gehören andere Leute dazu denn diese Vokabulisten, nämlich die
etlichemal sich mit der Sünde und Tod gerauft und gefressen
oder mit dem Teufel gebissen und gekämpft haben. Jene sind
rechte verdrießliche, heillose Geister, die nie in einem Kampf
gewesen noch von geistlichen Sachen etwas geschmeckt haben und
doch flugs wollen Meister sein über die Schrift und von solchen
hohen Sachen richten. Laß sie ihre Regel lehren, wie nian recht
Lateinisch reden soll, und ihre Poeten, Juristen und Medicos
auslegen und daselbst klug und gelehrt sein als in ihrem Hand—
werk; aber von diesen Sachen wollen wir niemand zu Richtern
haben, denn die versucht und erfahren haben, was dieser Artikel
für Kraft habe. ů (Luther.)

English translation

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