Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 20 › Seite 379

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. September 1915, Seite 379

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Eine Gemeinde, die Christum in ihrer Lehre bekennt, aber zu—
gleich in ihrer Praxis verleugnet, fällt unter das Urteil: „Ich
weiß deine Werke, daß du weder kalt noch warm bist. Ach,
daß du kalt oder warm wärest! Weil du aber lau bist und
weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem
Munde“, Offenb. 3, 15. 16.

Wenn Sie nun von mir Rat begehren, wie dieser Kampf

zu führen sei, so kann ich Ihnen selbstverständlich nur mit
einem allgemeinen Rat dienen. Ich halte es für verkehrt,
wenn man eine eiserne Regel aufstellen und sie auf alle Fälle
und Verhältnisse ohne weiteres anwenden will. Der Logen—
kampf muß ja zunächst von dem Pastor der Gemeinde geführt
werden, und dabei hat er sowohl den Erkenntnisstand des be⸗
treffenden Gliedes als auch den Erkenntnisstand der Gemeinde
wohl zu berücksichtigen. Man darf nicht ernten wollen, ehe
man gepflanzt und begossen hat. Pflanzen und Begießen ist
aber eine langwierige Arbeit und auf geistlichem Gebiet noch
viel langwieriger als auf natürlichem. Daher kann ich Ihnen
keinen besseren Rat geben, als der „Rat“ ist, den Paulus seinem
Schüler Timotheus gibt, wenn er sagt: „Predige das Wort,
halte an, es sei zur rechten Zeit oder zur Unzeit; strafe,
dräue, ermahne mit aller Geduld und Lehre!“
Es handelt sich auch bei dem Kampf gegen die Loge darum,
Seelen zu gewinnen, und nicht etwa nur die Seelen derer, die
schon in der Loge sind, sondern auch derer, die nicht darin sind.
Die ganze Gemeinde muß zu der Erkenntnis kommen, daß es
sich in dieser Sache nicht etwa um eine Gemeindeordnung oder
um ein lutherisches Kirchengesetz, sondern um Gottes Wort
handelt. Die ganze Gemeinde, jung und alt, sollte sich in
ihrer Stellung gegen die Loge nicht einfach auf das Gewissen
des Pastors gründen, sondern jedes Glied sollte in seinem
eigenen Gewissen von der Sündhaftigkeit des Logemwesens
überzeugt werden. Das wird ja nun freilich nicht bei jedem
Glied erreicht werden, aber das Ziel muß es nichtsdestoweniger
bleiben. Wer ein anderes Ziel verfolgt, wem es etwa nur um
die möglichst schleunige Entfernung eines Logengliedes aus
dem Verband der Gemeinde zu tun ist, der mag eine Zeitlang
äußerliche Erfolge aufzuweisen haben, wird aber, soviel an
ihm ist, in manchen Fällen verderben, was noch hätte gerettet
werden können, und wird die Gemeinde in dieser Frage nie
auf der festen Grundlage des Wortes Gottes erbauen. Darum
— ich wiederhole — halten Sie an mit aller Geduld und Lehre!
Suchen Sie den redlichen Gewinn, und lassen Sie sich nicht davon
beeinflussen, wenn es diesem oder jenem Heißsporn in der Ge—
meinde nicht schnell genug geht; der scheinbare Eifer solcher
Leute kommt nicht immer aus einem aufrichtigen Herzen.

Sie meinen auch, daß Ihre Lage um so schwieriger sei,
da Sie sich mit so vielerlei Logen herumschlagen müßten, und
fragen, wie unter solchen Verhältnissen der Kampf wohl am
besten zu führen sei. Daß der Umstand, daß es so vielerlei
Logen gibt, den Kampf gegen sie schwieriger macht, will ich
nicht gerade in Abrede stellen; dennoch dürfte die Schwierig—
keit mehr scheinbar als wirklich sein. Es kommt darauf an,
wie man den Kampf gegen das Logenwesen führt. Hält man
es für nötig, erst alle Konstitutionen und Rituale der ver—
schiedenen Logen zu studieren, ehe man sich für berechtigt hält,
gegen sie aufzutreten, dann macht man sich allerdings große
Schwierigkeit. Man hat teils die Schwierigkeit, die Konstitu—
tionen und Rituale der vielen verschiedenen Logen zu bekom—

men, teils die Schwierigkeit, sich durch einen schrecklichen Wust
von Schriften hindurcharbeiten zu müssen. Ich halte das nicht
für nötig. Allerdings, wenn es dann gilt, mit dein einzelnen
über die Loge zu reden, der er sich angeschlossen hat, ist es
ein Vorteil, wenn man die Schriften (Ritual, Konstitution,
Statuten) der Loge, der er angehört, kennt und an der Hand
derselben ihm nachweisen kann, daß nun dieser Logencharakter
gerade auch bei dem Verein, dem er angehört, sich findet. Doch
reden wir hier von dem Kampfe gegen die Loge im allgemeinen,
da man nicht diese oder jene einzelne Loge, sondern das
Logentum, das allen Logen gemeinsame greuliche Logen⸗

wesen, bekämpft.

Dies greuliche Logenwesen kommt arn deutlichsten in den
Handbüchern der Freimaurerei zum Ausdruck, die leicht zu
haben sind und allerdings von jedem, der einen Logenkampf
zu führen hat, sorgfältig studiert werden sollten. Die Frei—
maurerloge ist die Mutter aller andern Logen, und wenn auch
ihre verschiedenen Kinder an Aussehen und Gestalt gar ver—
schieden sind, so haben sie doch alle der Mutter Art an sich.
Der Leib ist verschieden, aber der Geist ist derselbe. In ihren
Zeremonien und ihrem andern Kram weichen sie von der
Mutter und weichen sie voneinander ab, aber in ihrem Wesen
und in ihrem eigentlichen Zweck und Ziel sind sie mit der
Mutter und miteinander völlig einig. Alle Logen fordern
das Bekenntnis zu einem Gott; alle faseln von einem besseren
Jenseits; alle arbeiten auf die Verbrüderung der Menschen hin.
Und gerade dies bildet den Logengreuel, und gerade dagegen
hat der eigentliche Kampf gegen sie einzusetzen.

Die Logen bekennen einen Gott und tun sich darauf viel
zugute, und zahllose Leute, sogar manche Lutheraner, die es
doch wahrhaftig besser wissen sollten, machen daraus den
Schluß: Also können doch die Logen keine schlechte Gesell—
schaft sein; also darf man ihnen doch den Christennamen nicht
absprechen. Da gilt es denn, zu zeigen, daß das Bekenntnis,
daß man an einen Gott glaube, noch längst kein christliches
Bekenntnis ist. Das tun auch die Türken und andere Heiden.
Es gilt, zu zeigen, daß das Logentum Heidentum, daß das
Logenwesen Abgötterei ist. Der Gott, den die Loge bekennt,
ist nicht der wahre, dreieinige Gott, ist nicht der Gott, der sich
in Christo geoffenbart hat. Der Logengott ist ein Götze von
genau derselben Art und Natur wie andere heidnische Götzen.
Ob ich mir einen Götzen mit der Hand aus Holz oder mit
meinen Gedanken aus meiner Einbildung schnitze, macht gar
keinen Unterschied; in jedem Fall habe ich einen selbstgemachten
Gott, also einen Götzen. Die Schrift sagt: „Alle sollen den
Sohn ehren, wie sie den Vater ehren“, Joh. 5, 23; ferner:
„Wer den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht“, 1 Joh.
3, 23, und: „. . . auf daß der Vater geehrt werde in dem
Sohne“, Joh. 14, 13. Indem die Loge aus Rücksicht auf
die Juden und andere Christusfeinde das Bekenntnis zu Christo
unterläßt, indem sie einen Gott bekennt, der nicht der Vater
unsers HErrn JEsu Christi ist, gibt sie sich als eine heidnische
Gesellschaft zu erkennen.

Im Kampf gegen die Loge handelt es sich also an erster
Stelle um das erste Gebot: „Du sollst keine andern Götter
haben neben mir.“ Das muß man treiben, darin muß man
sich festbeißen und sich durch nichts von diesem Punkt abbringen
lassen. Man meine ja nicht, das sei doch so einfach und klar, daß,
wenn man dies einem in die Loge verstrickten Gemeindeglied

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