Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 20 › Seite 383
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. September 1915, Seite 383
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theraned 383
Held zinsfrei vorgestreckt wird zur Erbauung von Kirchen,
Schulen und Pfarrhäusern. Dieses Geld zahlen jene Gemeinden
nach Ablauf der festgesetzten Frist in die Kasse zurück.
Obige Erinnerung ist auch am Platze bezüglich unserer
Ddistrikts-Kirchbaukasse, an welche gerade in allernächster
eit große Anforderungen werden gestellt werden. Wir sollten
815,000 bis §20,000 in dieser Kasse haben; unser Gesamt—
guthaben beträgt gegenwärtig aber nur gegen §13,000. Ver—
geßt darunt nicht, liebe Christen, jedes Jahr auch für diese
Kasse eine Kollekte zu erheben!
Ferner redete Vizepräses Speckhard über die immer nötiger
werdende englische Arbeit in unsern Gemeinden und auf den
Missionsgebieten. Da sollte man nicht den Fehler begehen,
daß man bald neben der bisherigen eine neue, kleine, kaum
eristenzfähige englische Gemeinde gründet, sondern in doppelter
Sprache treulich seine Arbeit tun an der bestehenden Gemeinde.
Weiterhin wurden wir wieder aufmerksam gemacht auf
die verschiedenen weitverzweigten und vielsprachigen Missionen
unserer Allgemeinen Synode, namentlich in Brasilien und
Argentinien, auf unsere durch den gegenwärtigen Krieg schwer
heimgesuchten und hartbetroffenen europäischen und australischen
Schwestersynoden und endlich auf das im Jahre 1917, so Gott
will, von unserer Kirche zu feiernde vierhundertjährige Refor—
mationsjubiläum. Mit der für diese Feier angeregten Kollekte
für die Allgemeine Kirchbaukasse sollte schon jetzt in den einzel—
nen Gemeinden der Anfang gemacht werden.
Noch ein Wort der Erinnerung bezüglich der Missionen
und ihres Werkes innerhalb und außerhalb unserer Synode.
Wir können nur dann reges, tätiges Interesse bei unsern Ge—
meinden und Christen dafür finden und erwarten, wenn sie
mit diesem Werk und dessen Arbeit usw. bekannt gemacht wer—
den und bleiben. Ein gutes Mittel dafür ist Verbreitung
unserer kirchlichen Blätter: des „Lutheraner“, des Lutfieran
Mitness, der „Missionstaube“, des Lutherun Pioneer usw.,
und darin müssen wir nicht müde werden.
Herr Generalagent Seuel, der mit dem Besuche unsers
Distrikts seine erste Besuchstour auf den 21 Distrikten unsers
Landes beendigt hat, zeigte vor allem an der großen Not in
unserer Synodalkasse vom Standpunkte eines Geschäftsmannes
aus, wie wir haushalten sollten und wie nicht.
Direktor Th. Bünger und Herr P. Albrecht aus St. Panl
redeten in Sachen des durchaus nötigen Neubaues eines Lehr—
gebändes daselbst. Die Synode beschloß, die dortige Aufsichts—
behörde zu bitten, Direktor Bünger zu erlauben, eine Kollekten—
tour durch die Gemeinden unsers Distrikts im Interesse dieses
Baues zu unternehmen, vorausgesetzt natürlich, daß die be—
treffenden Gemeinden ihre Zustimmung hierzu erteilen.
Die Gesamteinnahme für synodale Zwecke in unserm Di—
strikt in den verflossenen zwei Jahren beträgt die Summe von
995,647.87.
Die Beamtenwahl ergab folgendes Resultat: Präses:
P. Theo. Wolfram; erster Vizepräses: P'. J. M. Von der Au;
zweiter Vizepräses: l'. A. Amstein. Vorsitzer der Missions—
kommission: P. C. Runge. Vormann der Kommission für
Legatverwaltung: P. C. H. Seltz.
Es segne uns Gott, unser Gott! Er bleibe bei uns mit
seiner Gnade und Treue und erhalte uns sein Wort!
C. Jobst.
Bericht eines Deputierten über die Versammlung der
Distriktssynode von Wisconsin zu Racine vom
7. bis zum 13. Juli.
Mein lieber „Lutheraner“!
Wohl weiß ich, daß in der Regel von beauftragter Seite
ein Bericht bei Dir einläuft; da jedoch die nachfolgenden Zeilen
in etwas anderer Form ausfallen, und ich Dir gerne etwas in
Deine Botentasche stecken möchte, so bleibt es Dir anheimgestellt,
ob Du es abdruͤcken willst. Trotz Deiner erweiterten Seiten—
zahl und des nicht erhöhten Preises (letzteres ist mir vom ge—
schäftlichen Standpunkt aus ganz unverständlich) will ich ver—
suchen, mich kurz zu fassen.
In der schönen, geräumigen Kirche der überaus gastfreien
Gemeinde P. Börgers zu Racine, Wis., versammelte sich unser
Distrikt vom 7. bis zum 13. Juli. Nahezu 400 Synodale,
Pastoren, Lehrer und Delegaten, waren anwesend. In seiner
Predigt im Eröffnungsgottesdienst unter Zugrundelegung der
Schriftworte Offenb. 3, 2 wies der Ehrw. Allgemeine Vize—
präses P. Brand darauf hin, wie sich leider auch in unsern
lutherischen Kreisen die Liebe zur Welt breitmacht, da Tisch—
gebet und Hausgottesdienst immer seltener werden, hingegen
Flauheit und Gleichgültigkeit gegen Gottes Wort sich überall
zeigt, was schon Anzeichen vom Anfang des geistlichen Todes
sind. Deshalb legte Redner besonders Gewicht auf die Worte:
„Und stärke das andere, das sterben will.“ Nachdem Präses
Daib seine Synodalrede verlesen hatte, wurden die verschie—
denen Komitees eingesetzt. Da die Zeit zu kurz bemessen war,
weil zu viel Geschäftliches vorlag, konnte der Referent, P. Eg—
gers, leider nur zwei seiner Thesen vom Wesen der Reforma—
tion behandeln. Visitator Sch. bemerkte, daß es nur zwei Reli—
gionen gibt: Werkreligion und Glaubensreligion, Verdienst und
allein aus Gnaden. P. S. wies darauf hin, daß selbst das
Wollen Luthers nichts mit der Reformation zu tun hatte;
Luther selbst wußte im Anfang nicht, daß er der große Refor—
niator werden sollte. P. W. bemerkte, daß der Papst alle Reli—
gion gutheißt, solange sie nur unter seinem Protektorat steht.
Der Antichrist, der Papst, will das Protektorat der Kirche. Er
hat niemals alle Wahrheiten der Bibel geleugnet, aber er stellt
sich gleichsam vor die Tür der Heiligen Schrift und läßt nur
so viel heraus, wie nach seinem Gutdünken die Leute wissen
müssen, und tut dann seinen greulichen Irrtum hinzu. Es
gibt zwei Monarchien, die Monarchie des Papstes und die
Monarchie IJEsu Christi. Die Monarchie des Papstes wird
vergehen, aber die Monarchie IEsu Christi wird bleiben in
dieser Zeit, ja über diese Zeit hinaus, bis in alle Ewigkeit.
Dann wird unser HErr und Heiland die Siegesfahne über alle
seine Feinde schwingen. Der Referent wies nach, wie die
Papisten auf der einen Seite von einem überverdienst Christi
reden, auf der andern Seite dasselbe Verdienst nach allen Rich—
tungen hin schmälern. Ein Synodalglied wies darauf hin,
daß Luther in Gegensatz zu Zwingli, der nur den Menschen
Christus gekreuzigt sein läßt, das wahre Verdienst allein dem
Gottmenschen Christus zuschreibt, da nur Christus als Gott
uns wahrhaft erlösen konnte. ö
Der verschiedenen Missionen wurde in besonderer Weise
gedacht. In Brasilien und Argentinien hat der liebe Gott
uns ein großes Feld, welches reif zur Ernte ist, gezeigt. Mis—
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