Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 20 › Seite 380
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. September 1915, Seite 380
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S Der utheraner
ein⸗ oder zweimal gesagt habe, so sei es genug. Einfach und
klar ist dies allerdings, aber es ist gar nicht so einfach und
leicht, dies ordentlich in das Gewissen hineinzutreiben. Ist es
nicht ganz erstaunlich, wie unermüdlich die lieben Propheten
das erste Gebot getrieben haben, wie sie ganze lange Kapitel
(zum Beispiel Jes. 41—45) darauf verwenden, dem Volke
Israel den Greuel und die Nichtigkeit des Götzendienstes vor
die Augen zu malen? Alle ihre Strafpredigten laufen im
Grunde auf Bestrafung der Abgötterei hinaus als der Sünde,
aus welcher alle andern Sünden fließen. Und wie es in
Jsrael viele Leute gab, die da meinten, sie könnten mit gutem
Gewissen im Tempel zu Jerusalem dem wahren Gott und auf
den Hügeln und in den Hainen dem Baal und andern heidnischen
Göttern Opfer bringen, so gibt es auch jetzt viele, die da
meinen, man könne, ohne zu verleugnen, in der Kirche den
wahren, dreieinigen Gott und in der Loge ein höheres Wesen,
einen Allvater und dergleichen bekennen. Darum gilt es, dem
Beispiel der lieben Propheten zu folgen, diese moderne Ab-
götterei der Loge immer und immer wieder aufzudecken und
zu strafen mit aller Geduld und Lehre.
Wie alle Logen einen Gott bekennen, so reden sie auch
alle von einem Leben nach dem Tode, von einem besseren Jen⸗—
seits. Sie haben alle einen Kaplan, Gebete und Begräbnis⸗
zeremonien; sie preisen alle ihre verstorbenen Glieder selig.
Und dies ist der zweite Hauptpunkt, an dem man einen Verein
als Loge erkennt, und in dem sich das Logentum als Heiden—
tum erweist; denn da alle Logen eine Seligkeit verheißen,
dabei aber von Christo und seiner Erlösung nichts wissen
wollen, so entsteht die Frage: Auf welchem Wege sollen denn
ihre Glieder in das glücklichere Jenseits gelangen? Die einzig
mögliche Antwort ist: Auf dem Wege der Selbsterlösung. Wo
man Christum und seine Erlösung nicht lehrt, da kann man
nichts anderes als Selbsterlösung, Erlösung durch eigene Werke,
durch Moralität, durch Liebestätigkeit oder durch sonst eine
Leistung, lehren. Das ist aber genau das, was alle heid—
nischen Religionen lehren. Das ist die große Lüge, mit der
der Teufel schon im Paradies die Menschen belogen und be—
trogen hat. Wie der Teufel schon unsern ersten Eltern im
Paradies eingeredet hat, daß sie sein würden wie Gott, wenn
sie sich um sein Wort nicht kümmerten, sondern sich selber
hülfen und von dem Baume äßen, so redet er den Menschen
heute noch ein, daß sie durch eigenes Tun sich Gott angenehm
machen müssen. Und da diese alte Lüge der Selbsterlösung
unter den verschiedenen alten Namen etwas in Mißkredit ge—
kommen ist, so erfindet er eben neue Namen. Wer etwa vor
dieser Lüge flieht, wenn sie unter dem Namen Freimaurerei
auftritt, der läßt sich vielleicht fangen, wenn sie den Namen
Elks, Moosc, Maccabee, Grange oder dergleichen trägt, zumal
wenn er die dreißig Silberlinge allerlei irdischer Vorteile
klingen hört. Darum gilt es an zweiter Stelle, im Kampf
gegen die Loge mit unermüdlicher Beharrlichkeit immer wieder
zu bezeugen: „Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein
anderer Name den Menschen gegeben, darinnen wir sollen selig
werden“, als allein der teure IEsusname. Auch hierin muß
man sich wieder ordentlich festbeißen, darf nicht müde werden,
bald auf diese, bald auf jene Weise die Wahrheit in die
Herzen und Gewissen hineinzutreiben: An Christo scheiden sich
die Wege. Wer nicht allein durch ihn selig werden will, der
wird nicht selig. Wer ihn nicht bekennt vor den Menschen,
den wird er auch nicht bekennen vor seinem himmlischen Vater.
Wer zu einer Gesellschaft gehört, die einen andern Gott bekennt
als den Vater unsers HErrn JEsu Christi, der verleugnet seinen
Heiland, tritt das Blut der Versöhnung mit Füßen und hat
fürder kein ander Opfer für seine Sünden. Dies muß man
treiben und bezeugen mit aller Geduld und Lehre.
Der dritte Hauptpunkt' betrifft den Zweck der Loge: die
Verbrüderung der Welt. Insofern alle Menschen einen Gott
zum Schöpfer haben und von einem Elternpaar abstammen,
sind sie alle Brüder und Schwestern. Als aber die Menschen
sich durch die Sünde losrissen von Gott, da war es auch um
die Bruderschaft unter ihnen geschehen. Kaum hatte sich die
Tür des Paradieses hinter den Menschen geschlossen, da erhub
schon Kain seine Hand gegen seinen Bruder und schlug ihn tot.
Und seit jener Zeit ist Haß und Neid und Streit und Blut—
vergießen unter den Menschen. Soll wahre Bruderschaft unter
ihnen wiederhergestellt werden, so müssen sie wieder alle eins
werden in Gott durch Christum, wie Christus sagt: „auf daß
sie alle eines seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir;
daß sie auch in uns eines seien, auf daß die Welt glaube, du
habest mich gesandt“, Joh. 17, 21. Alle die Leute aller
Nationen, jeglicher Hautfarbe und sämtlicher Sprachen, die
durch den Glauben an IEsum Christum wieder Gottes liebe
Kinder geworden sind, sind nun auch wieder untereinander
wahre Brüder und Schwestern. Aber diese Bruderschaft in
dem einen Glauben an Christum ist nicht die Bruderschaft,
welche die Logen anstreben. Sie wollen ja von Christo über—
haupt nichts wissen. Sie wollen ohne Christum und über alle
Glaubensunterschiede himveg die Menschen verbrüdern. In
der Loge soll der Christ dem Juden, und wer es sonst sein
mag, soll der Rechtgläubige dem Falschgläubigen und dem Un⸗
gläubigen die Bruderhand reichen, soll ihm den Brudernamen
geben, den ich nach der Schrift nur dem geben kann und darf,
der mit mir denselben teuren Glauben bekennt. Das ist nicht
eine christliche, sondern eine heidnische Bruderschaft, und eine
solche ist wie alles Heidnische, mag es noch so sehr glänzen,
ein Greuel vor Gott. Wer eine solche Bruderschaft eingeht,
zerreißt die wahre Bruderschaft und kann von denen nicht
mehr für einen Bruder gehalten werden, die von keiner andern
Bruderschaft als der Bruderschaft in Christo etwas wissen
wollen. Und auch hier kann ich nur wiederholen, was ich
schon zweimal gesagt habe: Auch in diesem Stück gilt es, an⸗
zuhalten mit aller Geduld und Lehre.
Mit dem herzlichen Wunsch und Gebet, daß Ihnen Gott
Weisheit und Kraft und Geduld in diesem schweren Kampf
und einen Sieg nach dem andern verleihen wolle, verbleibe ich,
freundlichst grüßend,
Ihr geringer Mitbruder
H. Speckhard.
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Unsere Mission in Südamerika.
8.
Bevor wir von dem Gemeindeleben unserer brasilianischen
Glaubensbrüder sagen, werden wir gut daran tun, erst wieder
die allgemeinen kirchlichen Verhältnisse Brasiliens ins Auge zu
fassen. Einzelerscheinungen muß man aus dem Zusammenhang
mit dem Ganzen zu verstehen suchen.
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