Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 20 › Seite 386

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. September 1915, Seite 386

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Landes der Loge gegenüber geübt wird. Wie häüfig kommt es
nicht vor, daß Glieder unserer Gemeinden, die ihrer Logenglied—
schaft wegen ausgeschlossen worden sind, sich an Gemeinden
anderer Synoden wenden und dort mit offenen Armen aufge—
nommen werden. Sie haben so ein Ruhekissen gefunden für ihr
böses Gewissen und geben sich nun dem Wahne hin, daß sie gar
wohl lutherische Christen sein können und dabei dem Logengötzen
dienen. Diesem greulichen Zustand in der amerikanisch-luthe—
rischen Praxis, insofern sie die Logenfrage betrifft, kann nur ein
Ende gemacht werden dadurch, daß die Synoden, die dieses
schwere Argernis geben, zu rechter Einsicht kommen und wenig⸗
stens den Anfang machen zu einer festeren Stellungnahme der
Loge gegenüber. Es ist daher als ein erfreulicher Umstand zu
begrüßen, wenn die Generalsynode, die unter allen lutherischen
Synoden wohl die unlutherischste Praxis hat, auf ihrer letzten
Jahresversammlung folgenden Beschluß gefaßt hat: „Beschlossen,
daß die Generalsynode hiermit ihr Mißfallen ausspricht über die
Teilnahme von andern als kirchlichen Vereinen an kirchlichen
Handlungen, wie zum Beispiel an Grundsteinlegungen und Ein—
weihungen von Kirchen.“ Auch wurde das Anbringen von Logen—
abzeichen an irgendeinem Teil des Kirchengebäudes in demselben
Beschluß verurteilt. Das ist immerhin ein Schritt in der Rich—
tung auf bessere Praxis, wenn auch kein bedeutender. Auch in
den Zeitschriften des Generalkonzils kommt zuweilen eine bessere
Erkenntnis des Logenunheils zum Ausdruck. So lasen wir zum
Beispiel im „Deutschen Lutheraner“ vom 26. August dieses
Jahres: „Ich will meine Meinung über die Freimaurerei offen
und ehrlich sagen, nicht weil ich meinem Worte viel Gewicht bei—
messe, sondern weil ich achte, es ist meine Pflicht. Es ist eines
geraden, aufrichtigen Mannes unwürdig, geheime Dinge zu tun.
Den Christen gilt das Wort: ‚Wer aber die Wahrheit tut, der
konimt an das Licht, daß seine Werke offenbar werden“, Joh. 3, 21.
Und das andere Wort JEsu: „Ich habe frei öffentlich geredet vor
der Welt und habe nichts im Verborgenen geredet.“ Und die
Kirche macht das zu ihrem Gebet und bittet: „‚Bewahr' vor fal—
scher Lehr', vor Unglaub' und vor Dünkel; lehr' uns nach deiner
Art im Tempel, nicht im Winkel.“ . . . Nur einer hat das
Recht, Treue und Gefolgschaft bis in den Tod zu verlangen,
unser HErr IEsus Christ!“ Im Lutheran Church. Renνieh vom
Juli 1915, dem theologischen Blatt des Generalkonzils, wurde
gar von der „tückischen Lehre des Freimaurertums über Gott und
Offenbarung“ geredet, die es jedem Freimaurer überlasse, sich die
Gottheit nach seinen eigenen Gedanken vorzustellen. Wo diese
Erkenntnis von den seelenverderblichen Irrtümern der Loge sich
Bahn bricht, da mag es mit Gottes Hilfe noch dahin kommen,
daß in diesen Synodalkörpern in bezug auf die Logenpraxis
Wandel geschafft wird.
Interesse lutherischer Einigkeit, die durch keine praktische Frage
so sehr wie durch die Logenfrage gestört wird, vor allem aber
um der vielen unsterblichen Seelen willen, die sich jetzt in fleisch—
licher Sicherheit wiegen, weil sie durch die Praxis der Synoden,
denen sie angehören, in dem Glauben bestärkt werden, daß der
Logengötze und der Gott und Vater unsers HErrn JEsu Christi
ein und dasselbe sind. G.
Wieder ist eine Loge in finanzieller Not. Diesmal handelt
es sich um die Knights of Honor, eine der ältesten Versicherungs⸗
logen. Vor fünfundzwanzig Jahren zählte sie 100,000 Glieder.
Die Lockspeise, durch die man die Leute fing, war die billige Ver—
sicherung — durchschnittlich P10 das Jahr für §2000 Versiche—⸗
rung! Jetzt sterben die Alten, es kommt kein neues Blut mehr
hinzu, und in sechs Staaten hat die Regierung schon die Tür
zugemacht, die Loge darf dort nicht mehr operieren. In fünf
Jahren hat der Verein zwei Drittel seiner Glieder eingebüßt.
Trotzdem sind die Verwaltungskosten von §35,000 auf mehr als

Das wäre sehr zu wünschen, schon im

540,000 gestiegen. Die Beamten haben nach einer Klage—
schrift, die von einer Anzahl von Gliedern gerichtlich registriert
worden ist, auf Kosten der „Brüder“ ein angenehmes Dasein ge⸗
habt. Während die Raten fortwährend in die Höhe gingen, und
man dieses Jahr wieder 25 Prozent aufschlug, auch die Asseß⸗
ments um 25 Prozent erhöhte, um ein Defizit von 8337,000 zu
decken, machten 45 „Ehrenritter“ eine Reise von St. Louis nach
einer Versammlung in New York, und dazu brauchten sie — man
traut seinen Augen nicht — §5000 aus der Witwen⸗ und
Waisenkasse der Loge. Die Klageführenden behaupten, daß
ein Teil dieses Geldes sogar gebraucht worden sei, um lederne
Reisetaschen zu kaufen! Für eine Arbeitsleistung von achtzehn
Stunden im Jahre erhalte der Präsident der „Ehrenritter“ ein
Salär von 82000. Der Sekretär und Protokollführer erhält
55000 jährlich. Das leistet man sich, trotzdem im Juni ein Asseß⸗
ment von 879,000 und im Juli ein solches von §67,000 aufge⸗
legt wurde, und dadurch 2300 Glieder, die den erhöhten Satz
nicht mehr bezahlen konnten, austraten und ihre Versicherung
verloren. Die Zahl der Glieder ist auf 15,000 gesunken. Eine
Anfrage um ein „receivership“ liegt gegenwärtig im Gericht.
Sie wird begründet mit einem Hinweis auf die Tatsache, daß
jetzt mehr als die Hälfte der Glieder über sechzig Jahre alt sind
und täglich zehn sterben. Das gegenwärtige Defizit von §337,000
ist der Unterschied zwischen dem baren Geld der Loge und der Ge—
samtsumme der fälligen Versicherungsgelder. Nun ist der Jam⸗
mer groß, und es war doch von vorneherein mathematisch sicher,
daß bei einer Rate von §10 pro §2000 Versicherung es so kommen
mußte. Man ist auch durch den Schaden anderer nicht klug ge⸗
worden. Im Jahre 1899 prahlte der Modern Woodmen-Orden
in einem Zirkular, das uns vorliegt, er habe in sieben Jahren die
Raten nicht um einen Cent erhöht. Das waren sieben fette Jahre,
in denen viel junges Volk sich anschloß; dann kamen dreizehn
magere Jahre, und die Raten wurden um 47 Prozent erhöht, weil
ein Defizit von 8280,000,000 in Aussicht stand! Mehr als 3500
Logen sind in den letzten vierzig Jahren gegründet worden. Von
diesen haben 3000 im Bankerott geendet, und Millionen von Glie⸗
dern haben ihr eingezahltes Geld verloren. So nasführt der
Teufel die arme Welt. G.

Die öffentliche Rechtspflege ist wohl der wundeste Punkt im
amerikanischen Staats- und Volksleben. Besonders in der Be⸗
strafung von Verbrechen gegen das menschliche Leben sind die
Gesetze nicht nur höchst ungenügend, sondern werden auch noch in
sehr ungenügender Weise durchgeführt. Wer die europäische Ge⸗
setzgebung und Rechtspflege etwas kennt, wird dessen gewahr, daß
in den europäischen Ländern die Gesetzgebung es hauptsächlich

auf den Schutz des menschlichen Lebens abgesehen hat, während

die amerikanische Gesetzgebung hauptsächlich das Eigentum be—
schützen will. Sodann werden in europäischen Ländern die be—

stehenden Gesetze zum Schutze des Lebens in der Regel durchge—

führt, dagegen in Amerika in der Regel nicht. Gerade
die Verbrechen des Mordes und des mörderischen überfalls (as-
sault with intent to kill) werden mit geringster Strenge ge⸗
ahndet; dagegen komuit ein Fälscher, ein Kassendieb usw. mit
ziemlicher Sicherheit ins Zuchthaus. Nirgends, außer etwa in
den europäischen Schützengräben, ist das menschliche Leben so
wenig wert gehalten wie in Amerika. In den letzten zehn Jahren
sind in den Vereinigten Staaten gegen 90,000 Mordtaten ver⸗
übt worden, und die Zahl ist fortwährend im Steigen. New York
und Chicago haben zusammen ungefähr die Einwohnerzahl der
Stadt London. Im Jahre 1913 geschahen in diesen beiden
Städten zusammen 417 Mordtaten, in London 20. St. Louis
hat etwa 700,000 Einwohner, ein Zehntel der Einwohnerzahl
Londons, aber hatte in einem Jahre 87 Mordtaten zu verzeichnen.
Nicht ein einziger dieser 87 Mörder sühnte sein Verbrechen auf

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