Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 20 › Seite 378
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. September 1915, Seite 378
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bunden, daß sie mit ihr, um alle Rechte und Güter der Kirche
zu haben, ein gemeinsames Kirchenregiment haben müßte; aber
wie dürfen wir hoffen, daß wir in der Gemeinschaft eines
Glaubens, eines Sinnes und einer Rede erhalten werden,
wenn wir die auch äußerliche Zusammenschließung mit denen
verachten, die jetzt mit uns dasselbe Bekenntnis vor der Welt
tun, wenn eine solche Verbindung möglich ist? .. . Wir sehen
lebendig ein, daß ohne äußere Verbindung der reinlutherischen
Kirchendiener mit ihren Gemeinden die Einigkeit des Geistes
und somit die Lehrreinheit sich nicht erhalten und noch weniger
das Pfund des einzelnen zum gemeinen Nutzen wuchern kann.
über kirchlichen Unionismus und Glaubensmengerei.
(Aus einem Briefe an A. Ernst vom Jahre 1845.)
Wer auf das Konkordienbuch sich von Herzen gern hat
verpflichten lassen, kann unmöglich aus menschlicher Hoffnung
auf Segen mit denen an einem Joche ziehen, die auf ge—
wisse, deutlich geoffenbarte Lehren kein Gewicht legen zu dürfen
meinen. Soll eine lutherische Synode nicht den Keim der Auf—
lösung mit in sich aufnehmen, so muß auch solche feine Syn⸗
kretisterei [Glaubensmengerei! durch ihre Grundregeln ihren
Gliedern unmöglich gemacht sein. Was hilft alles Bekennen
mit Worten, wenn diesen die Tat widerspricht? Nein, wir
wollen Fleisch nicht für unsern Arm halten. Wir wollen treu
die Wahrheit bekennen, dem Reiche Gottes aber nicht dadurch
aufzuhelfen suchen, daß wir von Gottes Instruktion abgehen;
wir können die Seelen nicht erlösen noch die Kirche erhalten;
das ist Gottes Sache; ihm sei sie und bleibe sie allein befohlen.
An uns Haushaltern wird nichts gesucht, als daß wir treu, ja
treu erfunden werden.
Müßige Geister sind zu Wortzänkereien geneigt.
(Aus einem Briefe an Th. Brohm vom Jahre 1846.)
Ich bedaure Dich sehr, daß Du so viele unruhige Köpfe
in Deiner Gemeinde hast, die Dir so viele Seufzer durch ihre
Halsstarrigkeit auspressen. Der Streit wegen des Wortes
Wiedergeburt, daß nämlich dasselbe hin und wieder in den
Symbolischen Büchern, auch in der Apologie, in weiterem Sinne
für Erneuerung genommen wird, ist ein recht elender Wortzank,
der in Gottes Wort heftig verboten ist. Als solchen würde ich
ihn auch allein strafen und keineswegs großen Aufwand von
Beweisen machen, daß die Konkordienformel hierin rein lehre.
Du hast mit müßigen Geistern zu tun, die keine Anfechtung
fühlen, die darum auf solche Wortklaubereien fallen und darin
ihr geistliches Leben setzen. Wo sollten die Armen sonst ein
Kennzeichen herbekommen, daß sie aus Gott geboren sind, wenn
sie nicht fechten wollten? O Jammer! Hättest Du mit ver—
ständigen Leuten zu tun, so könntest Du sie auf das Wort
St. Hieronymi hinweisen: „Non in verbis, sed in sensu haere-
sis“, das heißt: „Nicht in Worten, sondern im Sinne ist die
falsche Lehre (zu suchen).“
Von Majorität und Minorität in den Gemeinden.
(Aus einem Briefe an Fr. Lochner vom Jahre 1846.)
Will ich etwas, was nicht unbedingt von Gott geboten ist,
einführen, so trage ich es erst der Gemeinde in ihrer Ver—
sammlung zur Beschlußnahme vor. Ich sage zwar, daß sich
die Minorität in indifferenten Dingen der Majorität konfor—
mieren soll aus christlicher Liebe; wenn ich jedoch sehe, daß das
Durchdringen der Majorität auf eine Minorität einen sehr bösen
Eindruck machen und dieselbe dem Wort, der Kirche, der ganzen
guten Sache entfremden, ja wohl gar zu einer Trennung aus—
schlagen will, dann ermahne ich die Majorität, um der Liebe
willen und um des Heils des Ganzen willen von ihrem guten
Rechte lieber zu weichen und der Minorität nachzugeben; denn
etwas Indifferentes [zu den Mitteldingen Gehöriges! nicht
zu tun, kann nicht leicht beschwerend sein, wohl ist es aber mög⸗
lich, daß die Forderung, es zu tun, ein Gewissen, das nicht ge⸗
hörig berichtet ist, beschwere oder doch solche Christen, die noch
wenig unter den Einflusse des Wortes Gottes und seines Hei—
ligen Geistes stehen, zur Renitenz [zum Widerstand!] reize.
Von Bewahrung der reinen Lehre.
(Aus einem Briefe an H. Fick vom Jahre 1855.)
O mein teurer Fick, laß uns ja nicht vergessen, daß die
reine Lehre, welche wir haben, nicht nur ein mit Blut der Seele .
schwer errungenes Gut, sondern daß sie auch nicht unser ist,
und daß wir daher davon nichts vergeben können, sondern schwer
verantwortlich für die treue Bewahrung derselben sind. Han⸗
delte es sich bloß um Nachgiebigkeit in menschlichen Sachen, die
uns etwa ein kleines Schändlein miachen, aber der Kirche Frieden
geben könnte, so wäre es ja erschrecklich, dies Opfer, wenn es
eins wäre, nicht bringen zu wollen. Aber so stehen die Sachen
nicht. Der Satan versucht uns vielmehr, ob wir das begonnene
Werk, in dieser letzten Zeit der ganzen ungefälschten Wahrheit
einer untreuen Christenheit gegenüber Zeugnis zu geben, nicht
wieder aufgeben und, was wir als Wahrheit erkannt haben
durch den Heiligen Geist, uns nicht wieder abhandeln und mit
dem Geist des Irrtums kapitulieren wollen. Hier spreche ich
Luther nach: „Mir nicht des Friedens!“ Hier gilt es, sich
nicht mit Fleisch und Blut zu besprechen (denn was ist unser
weiches Herz anders?), sondern erkennen, was Satan mit gutem
Schein vorhat. Wo Streit über die Lehre entstanden ist, da
ist nie Friede geworden, es sei denn, daß der irrende Teil zur
Wahrheit fiel, oder daß sich neue Heerlager bildeten, oder —
daß die Vertreter der Wahrheit dieses köstlichste aller Güter
preisgaben. Was sollen wir nun tun?
——
Wie bekämpft man die Loge?
Ein offener Brief an einen jungen Amtsbruder.
Lieber Bruder in Christo!
Sie klagen mir Ihre liebe Not, die Sie mit Logengliedern
haben, die teils schon in der Gemeinde sind, teils in dieselbe
einzudringen suchen. Sie sagen, daß, obwohl es zuzeiten den
Anschein habe, als ob der Bestand der Gemeinde auf dem Spiel
stehe, Sie sich doch nicht entschließen könnten, im Kampf nach⸗
zulassen oder ihn gar völlig aufzugeben.
Lassen Sie mich zunächst meine Freude darüber aus⸗
Es ist der
Logentum und Christentum sind
sprechen, daß Sie diesen Standpunkt einnehmen.
einzig richtige Standpunkt.
unvereinbare Gegensätze. Hier findet das an das götzen—
dienerische Volk Israel gerichtete Wort Elias' seine Anwen—
dung: „Wie lange hinket ihr auf beiden Seiten? Ist der
SErr Gott, so wandelt ihm nach; ist's aber Baal, so wandelt
ihm nach“, 1 Kön. 18, 21. Eine christliche Gemeinde, die
den Kampf gegen die Loge aufgibt, die gibt sich selbst auf.
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