Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 3 › Seite 43
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. Februar 1916, Seite 43
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daß nach meinem Abschiede werden unter euch kommen greuliche
Wölfe, die der Herde nicht verschonen werden. Auch aus euch
selbst werden aufstehen Männer, die da verkehrte Lehren reden,
die Jünger an sich zu ziehen“, Apost. 20, 29. 30. Und diese
Irrlehrer treten nicht mit offenem Visier auf. Sie kündigen
sich nicht an als das, was sie sind. Sie sagen bei ihrem Auf—⸗
treten nicht: „Nun, teure Zuhörer, nehmt euch in acht; jetzt
kommt der Teufel, und wir sind seine leibhaftigen Boten!“
Im Gegenteil, sie treten mit dem Anspruch auf, Christi Boten
zu sein. Sie verbergen ihren eigentlichen Charakter durch
fromme Reden und durch Anführung von Schriftworten, die
sie mißbrauchen und verkehren. Da soll nun aber ein Pastor
„mächtig“ oder tüchtig sein, den Betrug sofort zu erkennen
und auch der ihm befohlenen Gemeinde oder einzelnen Glie—
dern der Gemeinde aufzudecken. Das
afterreden als von übeltätern, eure guten Werke sehen und
Gott preisen, wenn's nun an den Tag kommen wird“, 1 Petr.
3, 18. Aber zum Amt eines Pastors gehört noch insonderheit,
daß er in seinem Wandel trotz aller Schwachheit, die auch ihm
anhaftet, dennoch durch Gottes Gnade ein Vorbild sei für die
ganze Gemeinde, einerlei wieviel Gehalt er bekommt. Darum
suchen wir unsere Studenten auch in einem rechten Pastoren⸗
wandel zu schulen. Wir halten sie an, daß sie ernste Zucht
an sich selbst und aneinander nach Gottes Wort üben. Zur
Vollkonmenheit haben wir es hierin noch nicht gebracht. Aber
wir trachten ihm nach, ob wir es ergreifen möchten.
Wenn wir uns so aus der Heiligen Schrift vergegen—
wärtigen, welches die Verrichtungen oder Funktionen des öffent⸗
lichen Predigtamts sind, so liegt auf der Hand, welch hohe,
meint der Apostel, wenn er schreibt:
„Es sind viel freche und unnütze
Schwätzer und Verführer ..., wel—
chen man muß das Maul stopfen“,
Tit. 1, 10. 11. Es erfordert viel
treue Arbeit von seiten der Lehrer und
von seiten der Studierenden, damit in
den letzteren die Tüchtigkeit, alle Irr⸗
lehre zu erkennen und zu widerlegen,
durch Gottes Gnade gewirkt werde.
Die Widerlegung der falschen Lehren
und der falschen Lehrer ist gerade kein
angenehmer Teil der Ausrichtung des
öffentlichen Predigtamts. Diese Amts-—
tätigkeit ist Pauch manchmal bei einem
Teil der Gemeinde oder bei einzelnen
Gliedern der Gemieinde recht unbeliebt.
Sie denken (und sprechen es auch aus):
„Unser Pastor mag die rechte Lehre pre—
digen, aber die Irrlehrer zu wider—
legen, ist nicht nötig und nur geeignet,
Unfrieden zu schaffen.“ Aber das ist
nicht recht gedacht oder geredet. Das
ist wider Gottes Wort. Freilich soll
der Pastor nicht gegen alle Irrlehrer
zu Felde ziehen, die je in der christlichen Kirche aufgetreten sind.
Das ist nicht seines Amtes. Wohl aber ist es seines Amtes,
den Irrlehren und Irrlehrern zu wehren, von denen
seine Gemeinde bedroht ist. Wenn er diesen Teil
seines Amtes nicht ausrichten würde, so wäre er ein untreuer
Hirte, und er würde nicht unschuldig sein an dem Blut der
Verführten.
ö Endlich haben unsere theologischen Anstalten noch eine
überaus wichtige Aufgabe. Nach der Schrift sollen alle Pasto⸗
ren auch in ihrem Wandel Vorbilder für die ganze Ge—
meinde sein. Das ist freilich abermals eine hohe Forderung.
Aber sie steht in Gottes Wort. Der Apostel Petrus richtet
an alle Pastoren die Mahnung: „Nicht als die über das Volk
herrschen, sondern werdet Vorbilder der Herde!“ 1 Petr. 5, 3.
Der Apostel Paulus ermahnt den Titus: „Allenthalben stelle
dich selbst zum Vorbilde guter Werke“, Tit. 2, 7; und von
sich selbst sagt er: Wandelt, „wie ihr uns habt zum Vorbilde“,
Phil. 3, 17. Alle Christen haben die Jflicht, mit einem guten
Wandel vor der Welt zu glänzen, „auf daß die, so von euch
Das neue Gebäude (1908) unsers St. Louiser⸗Seminars.
eruste und schwere Aufgabe unsere theologischen, ja auch schon
unsere Vorbereitungsanstalten (nämlich unsere Colleges) haben.
Dieser Aufgabe gerecht zu werden, liegt über alle menschliche
Kraft weit hinaus. Wie allein Gott der Heilige Geist Chri-
sten macht, so muß auch allein der Heilige Geist wahre christ—
liche Prediger machen. Weder der da pflanzt, noch der
da begießt, ist hier etwas, sondern allein Gott, der das Ge—
deihen gibt. Darum bedarf es der rechtschaffenen und fleißigen
Gebete, und zwar nicht nur von seiten der Lehrer und der
Studenten, sondern auch von seiten aller unserer lieben Christen.
Wie wir denn auch tun im sonntäglichen Kirchengebet nach
unserer Agende: „Segne die rechtgläubigen Lehranstalten zur
Ausrüstung treuer Arbeiter in deinem Weinberge!“
F. Pieper.
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Die zwei Stücke soll ein jeglicher Prediger beweisen, näm—
lich unschuldiges Leben, damit niemand Ursache habe, die Lehre
zu lästern, und unsträfliche Lehre, daß er niemand verführe.
(Luther.)
English translation
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