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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. Februar 1916, Seite 41
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Und ich sahe einen Engel
sliegen mitlen durch den
8 Hinmnel, der hatte ein ewig
Cuangetium, zu verkiindigen
denen, die aus Erden sißen
und wohnen, und allen Hei⸗
den, und Geschlechtern, und
Sprachen, und Völkern, und
sprach mit großer Stimme:
Lürchtier Golt, und gebet
ihm die Chre; denn die Zeit
H seines Gerichts ist kommen,
und betet an den der gemact
hat Himel, und Erde, und
Meer, und dit Wasser⸗
2˙
+.
Herausgegeben von der Zeutschen Evangelisch⸗Lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigiert von dem Lehrerkollegium des theologischen Seminars in St. Lonis.
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72. Jahrgang.
St. Louis, Mo., den 1. Februar 1916.
Die Aufgabe unserer St. Louiser Anstalt.
Unsere theologischen Lehranstalten haben nicht die Auf⸗
gabe, Christen zu machen. Zwar geschieht es hin und
wieder, daß Studenten erst hier Christen werden, das heißt,
zum Glauben an Christum als ihren Heiland kommen.
Vorher hatten sie sich in bezug auf ihren Glaubensstand ge—
täuscht. Als sie aber im theologischen Unterricht von Sünde
ö * und Gnade hörten, und wie beides öffentlich und sonderlich
zu lehren sei, da merkten sie, daß sie selbst noch unbekehrt
seien, und es hatte nun für sie das von Gott festgesetzte Stünd⸗
lein der Bekehrung geschlagen. Aber das sind Ausnahmen.
Wir setzen hier das Christentum voraus. Unter den Auf⸗
nahmebedingungen für unsere Anstalt heißt es, daß die sich
Anmeldenden nicht nur „über ihre Begabung und über ihre
Reife zum gelehrt⸗theologischen Fachstudium“, sondern auch
„über ihren christlichen Wandel“ Zeugnis beibringen müssen.
Der christliche Wandel setzt aber das Christentum im Herzen
voraus. Von denen es auf Grund ihres Wandels gewiß ist,
daß sie noch keine Christen sind, die können nicht zum Studium
der Theologie zugelassen werden, da dieses Studium Leute
voraussetzt, die durch Gottes Gnade bereits Kinder Gottes ge⸗
worden sind. In diesem Sinne sagen wir, daß unsere Anstalt
nicht die Aufgabe habe, Christen zu machen. — Wir wollen
zum andern in unserer St. Louiser Anstalt auch keine Ge⸗
meindevorsteher ausbilden. Die Ausbildung der Ge⸗
meindevorsteher geschieht in unserer Synode in der Regel
innerhalb der einzelnen Gemeinden. Solche Gemeindeglieder,
die sich im Leben der Gemeinde durch christliche Erkenntnis
und durch gottseligen Wandel auszeichnen, werden von ihren
Brüdern in das Vorsteheramt gewählt, das als ein Hilfsamt
für das öffentliche Predigtamt in christlicher Freiheit bei uns
aufgerichtet wird. — Zum dritten ist auch nicht Zweck unserer
Anstalt, christliche Schullehrer auszubilden. Dafür haben
wir Schullehrerseminare. Freilich, weil die meisten unserer
Pastoren nebenbei auch das Amt eines Schullehrers, wenig⸗
stens zeitweilig, verwalten müssen, und überhaupt unser christ⸗
liches Schulwesen einen Teil des Gemeindelebens bildet, so
erteilen wir auch sogenannten „pädagogischen“ Unterricht. Es
wird in unserer Anstalt gezeigt, was und wie in den einzelnen
Gegenständen in der Gemeindeschule zu unterrichten ist. Dabei
wird auch auf die Mängel und Vorteile der sogenannten „neue⸗
ren Pädagogik“ hingewiesen. Aber dieser Unterricht im Schule⸗
halten wird nur nebenbei erteilt und erstreckt sich nur über ein
halbes Jahr.
Die eigentliche Aufgabe unserer Anstalt ist, Pasto-
ren auszubilden, das heißt, solche Leute, die tüchtig sind, das
von Gott gestiftete öffentliche Predigtamt zu verwalten. Wo
eine christliche Gemeinde entstanden ist, da ist es Gottes
Ordnung, daß daselbst auch das öffentliche Predigtamt auf⸗
gerichtet werde. Das heißt, es sollen eine oder auch mehrere
Personen bestellt werden, die im Auftrag der Gemeinde die
ganze Gemeinde und jedes einzelne Glied derselben aus Gottes
Wort lehren und aus und mit Gottes Wort beauf sich—
tigen. Als auf der Insel Kreta christliche Gemeinden ent⸗
standen waren, da hatte es der Apostel eilig, daß in den Ge⸗
meinden auch das öffentliche Predigtamt bestellt werde. Er
schrieb daher an Titus: „Derhalben ließ ich dich in Kreta,
daß du solltest vollends anrichten, da ich's gelassen habe, und
besetzen die Städte hin und her mit Altesten, wie ich dir be⸗
fohlen habe“, Tit. 1, 5. Daß der Apostel hier mit dem Wort
„Älteste“ Personen bezeichnet, die er sonst auch Lehrer, Hirten
und Aufseher der Gemeinde nennt, geht aus den unmittelbar
folgenden Worten hervor (V. 6—11), in denen er die Eigen⸗
schaften eines „Haushalters Gottes“ oder eines „Bischofs“ be⸗
schreibt.
Und wie das öffentliche Predigtamt Gottes Amt ist
durch Gottes eigene Ordnung, so hat Gott in seinem Wort
auch bestimmt, welches die Verrichtungen oder Funk⸗
tionen des Predigtamts seien, und welche Eigenschaften den
Verwaltern dieses Amtes nötig seien. Daher wissen wir
auch, welch hohe, ernste und schwere Aufgabe unsere Lehr⸗
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