Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 3 › Seite 50

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. Februar 1916, Seite 50

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengemeinſchaften. 4„99

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über die Missionstätigkeit seiner Kirche in Süd⸗ und Zentral⸗
Amerika bringt der Presbytéerian Bericht. Er gibt folgende Sta⸗
tistik: Amerikanische Missionare: 109; eingeborne Helfer: 248;
organisierte Gemeinden: 88; nicht organisierte Predigtplätze: 253;
Kommunizierende: 11,677; Zuhörer: 14,429; Sonntagsschulen:
170; Sonntagsschüler: 7787; Schulen: 55; Schüler: 3920.
Er erzählt aus dem Bericht eines Missionars: „An einem Ort
namens Riacho das Pedras fanden wir eine ganze Anzahl Leute,
die nach dem Evangelium begierig waren. Das Werk fing damit
an, daß ein alter Mann spiritistische Bücher las, in denen Bibel⸗
sprüche angegeben waren. Er nahm sich vor, er müsse eine Bibel
haben. Nach einigen Schwierigkeiten beim Suchen fand er end—
lich eine Bibel und studierte sie fleißig. Der alte Mann starb
dann, ich glaube, als ein Christ. Seine Söhne und Nachbarn
wollten nun auch das Evangelium kennen lernen. Ein junger
Mann hat öffentlich seinen Glauben bekannt, und acht oder zehn
stehen im Vorbereitungsunterricht. Brasilien wird sich zu Christo
kehren, wenn die Arbeit da auch immer schwierig und langsam
gewesen ist. An manchen Orten merkt man deutliche Anzeichen
eines geistlichen Erwachens unter den Leuten. Ein Christ in
Guatemala, der durch das Lesen eines Traktats zur Erkenntnis
kam, hat in Uetzter Zeit ein merkwürdiges geistliches Wachstum
und einen beständig wachsenden Eifer für die Mission gezeigt.
Er arbeitet am Tage, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen,
und predigt durchschnittlich dreimal die Woche in Versammlungen,
die in Häusern abgehalten werden, und jeden Monat einmal reist
er auf seine eigenen Kosten nach einer unserer fernabliegenden
Stationen, hält dort Gottesdienste und verteilt Traktate. Die
Guatemala-Mission hat binnen zehn Jahren 75,000 Seiten an
Traktaten für ihn gedruckt, die er verteilt. Er steht morgens ganz
früh auf und geht hinaus, um Leute anzutreffen, die zur Arbeit
gehen; mit denen redet er persönlich und gibt ihnen einen Traktat
in die Hand. Er geht auch in die Eisenbahnzüge und verteilt
Traktate. Kürzlich kam er mit freudestrahlendem Gesicht zum
Missionar und sagte, die obrigkeitlichen Behörden hätten ihm die
Erlaubnis gegeben, großgedruckte Traktate frei an die öffentlichen
Anschlagebretter anzukleben. Er glaubt fest, daß das, was ihm
heilsam gewesen ist, auch manch einem andern zum Heile gereichen
mag, da er ja selbst durch das Lesen eines Traktats zur Erkennt—
nis gekommen ist. Wir wissen nicht, wer das Geld geliefert hat,
daß wir den Traktat drucken konnten, der diesen Bruder gewonnen
hat. Er ist ein Evangelist unter seinen Leuten. Sein Herz brennt
förmlich für die Arbeit der Predigt des Evangeliums unter seinen
eigenen Leuten.“ — Das interessiert uns, weil wir schon mehrere
Jahre in Brasilien arbeiten; und auch an andern Orten in Süd⸗
amerika tun sich uns Türen auf. An Gelegenheit zur Missions⸗
arbeit fehlt es nie; dafür ist in der Welt noch sehr viel Raum.
Was wir immier brauchen, sind Arbeiter, die willig sind, um Christi
willen auch an solche abgelegene, wenig anziehende Orte zu gehen,
Armut und Entbehrung und Strapazen auf sich zu nehmen, um
andern Leuten Gehilfen ihrer Freude zu werden. Und das andere,
was uns fehlt, sind die nötigen Mittel, Arbeiter auszusenden und
zu erhalten. Aber wenn wir so begeistert wären für die Mission,
wie von jenem Neubekehrten in Guatemala gerühmt wird, dann
würde uns beides nicht mangeln. Es sollte keine missionseifrige⸗
ren Christen in der Welt geben als die Lutheraner mit dem laute⸗
ren Evangelium. Dessen sollten sie sich recht freuen und andere
dieser Freude teilhaftig inachen. E. P.

Schlechte Katholiken. über solche klagt ein katholisches Blatt
folgendermaßen: „Sechs Katholiken sitzen heute im Bundessenat.
Wenn wir aber die Politik der Regierung gegen uns Katholiken
näher betrachten, können wir nicht sagen, daß diese sechs Herren
sich im Interesse ihrer Glaubensgenossen betätigt haben. Sie

glauben vielleicht, Religion habe nichts mit Politik zu schaffen,
was aber kein vernünftiger Mensch behaupten wird. Ist er im
Zweifel, so braucht er nur nach Mexiko hinüberzublicken.“ Auch
Tumulty, des Präsidenten Privatsekretär, gegen dessen Anstellung
als Sekretär seinerzeit viel protestiert wurde, weil er ein eifriger
Katholik ist, von dem die Menace behauptete, er habe ein privates
Kabel zwischen Washington und Rom, über welches er dem Papste
alles brühwarm mitteile, was der Präsident sage und denke und
plane, und umgekehrt die Befehle des Papstes entgegennehme, die
der Präsident gehorsamst auszuführen habe — selbst der hat es
bei vielen seiner Glaubensgenossen verschüttet, weil er des Präsi⸗
denten Politik in bezug auf Mexriko billigte und verteidigte. Der
scheint auch nicht genügend „sich im Interesse seiner Glaubens⸗
genossen betätigt“ zu haben, gehört auch zu den „unvernünftigen
Leuten, die glauben, daß Religion mit Politik nichts zu tun habe“.
Daß Religion mit der Politik zu tun habe, das heißt, römisch ver—
standen, daß der Staat den gehorsamen Diener der Kirche, das
heißt natürlich, der römischen Kirche, spielen, seinen starken Arm
den Zielen und Plänen der römischen Geistlichkeit zur Verfügung
stellen müsse. In unserm Lande herrscht aber bei den „vernünf—
tigen Menschen“ eine andere Anschauung, und darauf ist unsere
ganze staatliche Einrichtung aufgebaut, nämlich gerade die, daß
Kirche und Staat zwei gaus verschiedene Dinge sind, daß der
Staat sein Werk tut und diẽ Kirche ihr Werk, daß der Staat die
Glieder und Diener der Kirche in ihren bürgerlichen Rechten schützt
wie alle andern Bürger auch und sonst gar nichts. Und dieser
amerikanische Geist wirkt bei vielen Katholiken ansteckend, ob das
ihren geistlichen Oberen lieb oder leid ist. Diese Leute bilden sich
ein, gute Katholiken zu sein, und weisen es mit Entrüstung als
eine Verleumdung ihrer Kirche ab, wenn man ihnen sagt, daß
ihre Kirche ihnen auch in politischen Dingen Vorschriften mache.
Die müssen sich doch sagen, daß entweder sie oder ihre geistlichen
Leiter nicht wissen, was Papsttum ist. Daß es viele schlechte
Katholiken gibt, ist die Hoffnung unsers Vaterlandes und seiner
herrlichen Freiheiten. Gott gnade unserm Lande, wenn der
guten Katholiken zu viele werden! E. P.
Kardinal Gibbons und Billy Sunday. Durch die Zeitungen
ging kürzlich die. Nachricht, Kardinal Gibbons habe dem Billy
Sunday und dessen Treiben seine Anerkennung gegeben. Der
Kardinal habe seinen Klerus angewiesen, mit den Sektengemein⸗—
den zur Förderung der Kampagne Sundahys in Baltimore zu—
sammenzuwirken. Ein katholisches Blatt bemerkt: „Daß es sich
hier um eine ebenso grobe wie sinnlose Lüge handle, mußte jedem
vernünftig denkenden Menschen, der je von den Sundayschen
Kanzelhanswurstiaden gehört hatte, sofort klar sein, und ein
energisches Dementi [Ableugnung] des Kardinals ließ denn auch
nicht lange auf sich warten.“ Kardinal Gibbons erklärte: „Ich
habe D. Peck [Sundays Vertreter] freundlich empfangen, doch
habe ich ihm keine Anerkennung von Sundahs Lehren und Metho⸗
den zuteil werden lassen. Während ich weder alle Lehren Billh
Sundahys verurteile noch ihnen allen eine ausdrückliche Aner
kennung gebe, kann ich unmöglich die gotteslästerlichen Auße⸗
rungen, die rohen Worte und die theatralischen Possen des Herrn
Sundah gutheißen.“ — Daß jene Zeitungsnachricht nicht auf
Wahrheit beruhte, konnte jeder wissen, der das Papsttum einiger⸗
maßen kennt. Die katholischen „Geistlichen“ würden nicht mit
einem protestantischen Prediger gemeinsame Sache machen, und
bei all seinen Albernheiten predigt Sunday zuweilen doch auch
Evangelium, Vergebung der Sünden durch Buße und Glauben
an den HErrn IEsum Christum. Und für die Lehre von der
freien Gnade und Vergebung durch den Glauben an Christum hat
Rom sich noch nie begeistert. E. P.

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