Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 3 › Seite 52
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. Februar 1916, Seite 52
Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner72_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
52
2———
lischen Jerusalem; aber das Herz war uns doch schwer, und
unsere Augen wurden feucht, als wir an den Verlust der Gemeinde
und der Familie dachten.
Da erscholl vom Eingang der Kirche her ein unsicherer,
wankender Schritt, und wir wandten uns um. Ein altes, tief⸗
gebeugtes Mütterlein mit einem Stab in der Hand mühte sich
langsam vorwärts durch einen der Gänge dem Altare zu; es
dauerte geraume Zeit, bis sie den Sarg erreicht hatte.
sagte sie zu den Anwesenden: „Ich sah den Leichenwagen daher⸗
kommen; ich bin zu alt und schwach, so daß ich morgen nicht zum
Leichenbegängnis kommen kann; und da dachte ich, ich wollte
heute herkommen, denn ich muß meinen alten Pastor noch einmal
sehen!“ Wir kannten sie. Sie wohnte etwa eine halbe Meile
vom Gotteshaus entfernt; wegen ihrer großen Schwachheit war
sie lange nicht über die Grenzen ihres kleinen Hofes hinausge⸗
kommen; aber jetzt hätte sie nichts zurückhalten können. Wir
waren still, und sie trat an den Sarg heran. Lange ruhte ihr
Blick auf den Zügen des dahingeschiedenen Seelsorgers. Dann
aber vergaß sie ganz ihre Umgebung, tiefergriffen und über⸗
wältigt von ihren Gefühlen, fuhr sie mit ihren zitternden,
runzeligen Händen leise über das Antlitz des Pastors und rief
aus: „O mein lieber Herr Pastor! Wie oft bist du zu mir ge—
kommen in meinem Kreuz und Elend, wenn du selber so krank
warst, daß du dich kaum bewegen konntest! Wie hast du mich
getröstet mit Gottes Wort und meinen Glauben gestärkt und
mich hingewiesen auf meinen Heiland! O wieviel, wieviel habe
ich dir zu danken! Jetzt leuchtest du wie des Himmels Glanz!“
Still, wie sie gekommen war, wankte sie wieder hinaus. Noch
lange standen wir da in der hereinbrechenden Abenddämmerung.
Das war eine Leichenrede gewesen, wie sie zu der Tätigkeit des
verstorbenen Seelsorgers paßte. Ohne es zu wissen und zu
wollen, hatte das gute Mütterlein ein herrliches Zeugnis ab⸗
gelegt von der Treue und Gewissenhaftigkeit, von der Selbstver⸗
leugnung, von der Liebe zu den Gemeindegliedern, die das
Wirken des alten Pastors gekennzeichnet hatten; sie hatte den
Beweis dafür geliefert, daß seine Arbeit in dem HErrn nicht ver—
geblich gewesen war, und durch ihre wenigen, tiefempfundenen
Worte unsern Blick hinausgelenkt über die Flucht der Zeiten in
die himmlische, selige Ewigkeit, wo gewiß viele Gotteskinder nächst
Gott ihren Seelsorgern dafür danken werden, daß sie durch deren
Dienst zur Erkenntnis gebracht und im Glauben gestärkt wor⸗
den sind.
Die Frucht des Amtes Christi ist verborgen,
Der Menschen blöde Augen sehn fie nicht,
Oft scheint's, als müßten ernstlich wir besorgen,
Es sei umsonst, was unsre Zunge spricht;
Doch Gott hat stets sein Häuflein wohl geborgen,
Wo hell erstrahlt des reinen Wortes Licht:
So wirst auch du dereinst mit Staunen sehen,
Wie viele selig dankend dich umstehen!
Das war es, was uns jetzt so recht lebendig zum Bewußtsein
kam. In der ganzen Welt gibt es keinen schöneren und herr⸗—
licheren Beruf als den eines rechtschaffenen, christlichen Predigers.
Den unsterblichen Seelen zu dienen, die ewig dafür dankbar sein
werden, das ist besser als alle andern Dienste, die man auf Erden
den Menschen erzeigen kann. Das Predigtamt ist ein köstlich
Werk! —
Am nächsten Tage fand das Leichenbegängnis des alten Seel⸗
sorgers statt. Die ganze Gemeinde und Scharen aus den um⸗
liegenden Ortschaften hatten sich eingefunden. Mehrere Prediger
waren zugegen. Treffliche Leichenreden wurden gehalten, sie
gingen auch zu Herzen, aber keine wurde von der Versammlung
so tief empfunden wie die Leichenrede des alten Mütterchens von
denen, die sie gehört hatten. L. D.
Dann
ö Nene Drucksachen.
Alle an dieser Stelle angezeigten Bücher, Musikalien, Bilder usw. kön⸗
nen durch das Concordia Publishing House, St. I.Ouis, Mo., zu den bei⸗
gefügten Preisen bezogen werden. Wo eine andere Bezugsquelle angegeben
wird, wolle man, bitte, bemerken, ob zu besorgen, falls nicht vorrätig.
Lehrverhandlungen über das Wesen des rechtfertigenden Glaubens
mit den Pastoren L. Brauer, H. Köster und C. O. Danitschek auf
der Synodalversammlung des Kansas-Distrikts der Ev.⸗Luth.
Synode von Missouri, Ohio u. a. St., versammelt zu Bremen,
Kans., vom 6. bis zum 12. Oktober 1915. Nebst Fußnoten und
einem kurzen Anhang. St. Louis, Mo. Concordia Publishing
House Print. 1915. 32 Seiten 649. Preis: 5 Cts. das Stück
und Porto. Zu beziehen von P. M. Senne, Lincolnville, Kans.,
oder vom Concordia Publishing House, St. Louis, Mo.
Protokoll der Verhandlungen, die dazu führten, daß die Suspension,
welche Präses Jüngel über die im Titel genannten Pastoren verhängt,“
hatte, von der Distriktssynode einstimmig gutgeheißen wurde. Aus dem
Protokoll ist zu erkennen, daß die Appellanten volle Gelegenheit hatten,
ihre Sache darzulegen. G.
PAYEES. Submitted byůy NMartin 8. Sommer, Pastor of Grace Iv.
Luth. Church, St. Louis, Mo. Fourth edition, revised. Pub-
lished by Rudolph Volkening, St. Louis, Mo. 108 Seiten
3545 ½. Preis: 25 Cts.: das Dutzend: 52.40. Mit Gold⸗
schnitt: 50 Cts.; das Dutzend: 84.80. (Porto: 3 Cts.) Zu be⸗
ziehen vom Conçcordia Publishing House, St. Louis, Mo.
Die vierte Auflage dieses beliebten Geschenkes zum Konfirmationstage
enthält als Zugabe Anweisungen für die rechte Vorbereitung zum Abend—
mahlsgang und eine Vorlage für einen Patenbrief. Am Schluß steht eine
Liste christlicher Vornamen mit deren ursprünglicher Bedeutung. G.
An neuen Festprogrammen wird angemeldet: ö
Sagt's seinen Jüngern und Petro! Osterliturgie von P. Adolf T.
Hanser. 8 Seiten. Auch englische Ausgabe. Lutheran Pub⸗
lishing Co., 105 Florida St., Busffalo, N. V. Ein Exemplar:
5 Cts.; 25: 51.00; 100: 52.50. G.
Einführungen.
Im Auftrag der betreffenden Distrikispräsides wurden eingeführt:
Am 4. Sonnt. d. Adv. 1915: P. P. F. Köhneke in seiner Ge⸗
meinde zu Dodge Center, Minn., von P. C. F. Malkow. — P. C. J.
Pritz in der Gnadengemeinde zu Blairstown, Jowa, von P. H. C. Rei—
kowsky.
Am Sonnt. n. Neujahr 1916: P. F. Leimbrock in der St. Jo⸗
hannesgemeinde zu Denver, Colo., von P. Th. Hoyer.
Am 1. Sonnt. n. Epiph.: P. F. W. Klindworth in der Drei⸗
einigkeitsgemeinde zu Port Arthur, Tex., von P. A. C. Schwan. — P. L.
Brandes in der Dreieinigkeitsgemeinde zu Olympia, Wash., von P. J.
Huchthausen. — P. E. Ross in seiner Gemeinde zu Rogers City, Mich.,
von P. J. D. Druckenmiller. ö
Am 2. Sonnt. n. Epiph.: P. A. Kollmorgen in der Christus⸗
gemeinde zu Augusta, Mo., von P. W. Schwentker. — P. A. Ficken in
seiner Gemeinde zu MeCook, Nebr., von P. L. Niermann. — P. C. L.
Müller in der Salemsgemeinde zu Black Jack, Mo., von P. C. E. Höh.
Einweihungen.
Dem Dienste Gottes wurden geweiht:
Kirchen: Am 2. Sonnt. d. Adv. 1915: Die käuflich erworbene Kirche
der Zionsgemeinde zu Hopkins, Minn.
und P. Nachtsheim (englisch). Das Weihgebet sprach P. P. Walther. —
Am 2. Sonnt. n. Epiph. 1916: Die neue Kirche (36456 Fuß) der St.
Paulsgemeinde zu Gillett, Ark. Prediger: Prof. Bente (lenglisch) und
P. Schrader, der auch den Weihakt vollzog.
Jubiläum.
Das 25jährige Jubiläum feierte am Sonnt. n. Neujahr die Zions-⸗
gemeinde zu Highland Park, Ill. Prediger: PP. J. E. A. Müller,
Detzer und Schlerf (englisch).
Prediger: Prof. Abbetmeyer
English translation
Not yet translated.