Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 5 › Seite 84

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 29. Februar 1916, Seite 84

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Jahresbericht der Allgemeinen Aufsichtsbehörde.

Es ist Zeit, daß die Allgemeine Aufsichtsbehörde den lieben
Christen unserer Synode über die Tätigkeit dieser Behörde im
Jahre 1915 berichtet.

Wir sind wieder ernstlich bemüht gewesen, die Aufträge
der Ehrw. Synode nach den von ihr gemachten Regeln aus—
zuführen. Das größte Unternehmen des Jahres ist der Bau
des neuen Wohngebäudes für das Gymnasium in Winfield,
Kans. Der Kontrakt hierfür wurde im Sommer an die Bau—
leute ausgegeben, und der Bau ist jetzt in seinem Außeren voll⸗
endet. Gott gebe, daß er weiter ohne Unfall fertiggestellt werde!

Sonst gab es an fast allen Anstalten kleinere und größere
Schäden auszubessern und andere Verbesserungen vorzunehmen.
Das war zum Teil von der Ehrw. Synode selbst bestimmt;
anderes wurde von den betreffenden Aufsichtsbehörden als un—
umgänglich notwendig begehrt und von uns nach gewissen⸗
hafter Prüfung und in einem Fall nach Einholung des Rates
der Versammlung der Präsides gutgeheißen. Es kann jeder—
mann versichert sein, daß nichts Unnötiges gemacht wurde,
und daß alles dafür ausgegebene Geld wohl angelegt ist.

Außerdem wurden etliche alte Schuldposten, worauf Zinsen
zu zahlen waren, zur Zahlung angewiesen. So wurden nament—
lich die in diesen drei Jahren fälligen §12,000 auf die Pro—
fessorenwohnungen in Bronxville, N. Y., abgetragen. Es mag
aber wohl nötig werden, statt dessen gelegentlich neue Schulden
zu machen. Es geschah diese Abzahlung eben, um Zinsen zu
ersparen.

In Seward, Nebr., wird eine neue Wohnung für den
Direktor des Seminars errichtet, da schlechterdings keine passende
Wohnung zu mieten war. Wenn die Vertreter der Synode im
Jahre 1917, so Gott will, eine Beschreibung seiner jetzigen
Wohnung hören werden, werden sie ohne Zögern unsere Hand—
lungsweise in dieser Sache gutheißen.

Zwei Anstalten warten noch mit Sehnsucht auf die Aus⸗
führung der ihnen von der Synode bewilligten Bauten. Für
Springfield bewilligte die Synode §15,000 zur Errichtung
eines neuen Wirtschaftsgebäudes. Daß dort Wandel geschafft
werden muß, steht fest. Es ist unglaublich, wie Küchenräume
und Eßsäle dort untergebracht sind. Wer es nicht gesehen hat,
kann sich gar keine Vorstellung davon machen. — Für ein
neues Lehrgebäude in St. Paul, Minn., wurden von der Synode
530,000 aus der Allgemeinen Baukasse bewilligt, und den Di⸗
strikten, welchen diese Anstalt dient, wurde es überlassen, weitere
530,000 aufzubringen. Man versucht dort nun, statt §30,000
§570,000 zu sammeln, und berichtet von gutem Fortgang der
Sammlungen. Auch St. Paul bedarf dieses Gebäudes dringend.
Wenn nun nur die Baukasse ihre §530,000 hätte! Außerdem
bleibt noch immer alte Schuld zu tilgen.

Die lieben Christen werden aus dem allem sehen, daß wir
die Baukasse noch reichlich bedenken müssen, wenn wir auf der
Synode im großen Jubiläumsjahr den Bericht hören wollen:
„Es ist alles ausgeführt, was beschlossen war, und es sind alle
Schulden der Baukasse bezahlt.“

Mit schuldiger Hochachtung:
Benjamin Bosse.
Karl F. May.
Wim. Hagen.

Aus unserer ostindischen Mission.

II.

Missionar Küchle in Ambur versorgt während der Ur—
laubszeit Missionar Freches auch dessen Missionsstation Vani—
yambadi, da wir wegen der Kriegsnöte keinen eigenen
Missionar dahin stellen konnten. Er gibt in seinem Viertel—
jahrsbericht einen Einblick in die Lage dieser heidenchristlichen
Gemeinde, und wir teilen daraus das Folgende mit:

„In den vergangenen drei Monaten war ich etwa sechs—
mal hier in Vaniyambadi, und obwohl manches Betrübende
vorkam, so kann ich doch im großen und ganzen nicht klagen.
Das Betrübendste neben säumigem Kirchenbesuch bei einigen
war ein drohender Streitausbruch zwischen den beiden Lehrern
Vethamamani und Vethanaicham, welch letzterer ja wegen
Trunksucht von Bruder Freche entlassen wurde. Er hatte aber
deswegen einen Groll gegen Vethamamani und suchte ihn an—
zuschwärzen. Doch ich will nicht alles darlegen, da es ja meist
in Bruder Freches Amtszeit fällt. Ich habe amn Tage, ehe ich
das Abendmahl hier austeilte, beide ernstlich vorgenommen,
und sie haben sich die Bruderhand gereicht. Sodann habe ich
Vethanaichen aus Velliampattu, wo er zusammen mit Vetha—
mamani seinen Wohnsitz hatte, nach Ambur gebracht und dort
angestellt in der Compoundschule. Ich will ihm noch einen
Gelegenheit geben, sich zu bewähren. Zu dem Zweck soll er
möglichst in meiner Nähe sein, damit er die Saufgelegenheit
meide. Er ist ein geschickter Lehrer, und ich muß sagen, er
nimnit sich auch sehr der Abendschule an.

„Außer diesem ursprünglich zu Vaniyambadi gehörigen
Lehrer arbeiten nun noch vier auf dieser Station. Jovan in
Turayeri und Vethamamani in Velliampattu sind viel evan⸗
gelistisch tätig und dann im Unterricht der Katechumenen, die
als Frucht der evangelistischen Arbeit ihnen zufallen. Es lernen
jetzt in Velliampattu in der Abendschule etwa ein halbes Dutzend
Erwachsene, darunter vier Goundanjünglinge (niedere Sudra—
kaste). Einigé Parias, die früher gelernt hatten, sind weg,
zum Teil nach Penang, zum Teil auf die Goldfelder. Sodann
lernt in dem eine Meile entfernten Konamedu, einem größeren
Pariadorf mit etwa 60 bis 80 Häusern, eine anständige Familie,
bestehend aus Mann, Frau und einem zehnjährigen Mädchen.
Ich sage, anständig; trotzdem nämlich die Frau „scavenger“-
Arbeit tut in der municipality, macht sie doch einen nicht üblen
Eindruck, und der Hausvater gehört gar nicht zu der Tötti
(scavenger)-Kaste, sondern ernährt sich durch Landbau — ein
netter Mann. Sodann lernen in dem vom Missionsgehöft eine
Meile entfernten Kalanthurei zwei Hausväter. Der eine davon
ist ein Arzt und Zauberer, mit Vethamamani verwandt. Der
andere ist bei einem Sudrabauer im Dienst. Beide haben je
zwei bis drei Kinder. Ganz entschlossen zur Taufe sind sie
noch nicht. Wir hoffen aber, daß das Wort beim fortgehenden
Unterricht eindringen und sie zum übertritt bewegen wird.
Diese werden von Jovan unterrichtet.

„In dem vorhin erwähnten Konamedu haben uns die
Leute schon lange Zeit um eine Schule gebeten. Ich war nun
zwei bis drei Male da und habe mit den Leuten geredet. Sie
sind bereit, zum Bau beizusteuern. Es ist wichtig, daß wir
hier anfangen, denn sonst baut die municipality eine religions⸗
lose Schule hin, und dann ist wenig Aussicht, die Leute zum

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