Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 5 › Seite 86
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 29. Februar 1916, Seite 86
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Sn utherane
gesorgt. Diese ihre Schule zu pflegen und aufzubauen, ist stets
das Bestreben der hiesigen Lutheraner gewesen, und der liebe
Gott ist mit seinem Segen bei uns geblieben.
Wir haben jetzt ein Schuleigentum im Werte von etwa fünf—
undzwanzigtausend Dollars, drei Lehrkräfte — es sollten eigent⸗
lich vier sein — und zweihundert Kinder. Freilich haben wir
noch Schulden auf unserer Schule, und daß wir die haben wür⸗
den, wußten wir, als wir vor etlichen Jahren die Schule bauten.
Eine Gemeinde von 130 Gliedern konnte nicht gleich 525,000
aufbringen unter den Arbeitsverhältnissen, wie sie in den
Grubenbezirken hier in den letzten Jahren obwalteten. Doch
wir gingen fröhlich ans Werk. Zuerst wurden Unterschriften
gesammelt, etliche gaben zehn, andere hundert, einige auch fünf⸗
hundert Dollars. Dann mußte Geld geborgt werden; manch ein
williger Christ reichte der Gemeinde zinsfreie Darlehen ein.
Jedes kommunizierende Gemeindeglied bekommt für jeden
Monat im Jahr ein Kuvert und kann so einen, wenn auch
kleinen, Beitrag zur Schuldentilgung entrichten. So wird
unsere Schuld immer geringer, und sie drückt uns nicht.
Ev.⸗Luth. Zionsschule, Staunton, Ill.
So haben wir ein geräumiges, zweckentsprechendes Schul—
gebäude mit hellen, luftigen Zimmern, einenn Erdgeschoß, wo
Kindern und Erwachsenen Gelegenheit zum Spielen geboten
wird, und einem großen Versammlungssaal mit etwa 400 Sitz⸗
plätzen für Bibelstunden, Gemeindeversammlungen und Unter—
haltungen.
Und das Schönste ist: alle Glieder der Gemeinde ohne
Ausnahme schicken ihre Kinder in die Gemeindeschule.
Und was wird denn in der Schule geleistet? Geht in
den Hauptgeschäftsteil unserer Stadt, geht in die Banken, geht
in die Geschäftshäuser aller Art und fragt die besten Geschäfts⸗
leute und ihre Angestellten: Wo seid ihr zur Schule gegangen?
und überall werdet ihr Leute finden, die da sagen: In der luthe—
rischen Gemeindeschule. Doch das ist das Geringere. Wenn wir
Christen beten: „Eins ist not, ach HErr, dies eine lehre mich
erkennen doch!“ so wissen wir, dies eine lernen unsere
Kinder in der christlichen Gemeindeschule, und darum haben
wir unsere Gemeindeschule so lieb. Kl.
Wenn Schulen zunehmen, so steht's wohl, und die Kirche
bleibt rechtschaffen, so auch die Lehre rein ist. Junge Schüler
und Studenten sind der Kirche Same und Ouelle.
(Luther.)
Nachrichten aus unsern Missionen.
Judenmission. Das Werk der Judenmission, welches unsere
Synode in der großen Weltstadt New Nork durch ihren berufe⸗
nen Missionar N. Friedmann betreibt, besteht durch Gottes
Gnade trotz aller Hindernisse fort. Wohl hat sich hier unter
den Juden eine Antimissionsliga gebildet, die alle Mittel auf⸗
bot und noch aufbietet, unsere Mission zu zerstören. Aber ihre
Anstrengungen waren vergeblich. Wohl wachen ihre Agenten
bei jedem Gottesdienst vor unserm Missionslokal, um die Ein⸗
tretenden abzuhalten, aber die Gottesdienste werden gut be⸗
sucht. Wohl strotzt die Judenpresse von Ausfällen gegen unsere
Mission, aber die Folge davon ist eine ungemein große Nach⸗
frage nach Neuen Testamenten. Man will sich persönlich davon
überzeugen, ob das Evangelium von Christo wirklich die greu⸗
lichen Dinge lehre, die ihm von Feinden untergeschoben werden.
Vor Weihnachten beschuldigte die Judenpresse alle diejenigen,
welche unsern Weihnachtsgottesdienst besuchten, derselben Sünde,
welche Esau mit dein Verkauf seiner Erstgeburt um ein Linsen⸗
gericht beging. Man käme nur um der Weihnachtsgeschenke
willen. Wie erstaunt waren die Agenten, als sie sahen, daß
die Besucher unsers Weihnachtsgottesdienstes ohne Geschenke,
mit leeren Händen, unser Missionslokal verließen. Und dabei
war der Festgottesdienst so gut besucht, daß die Sitzplätze nicht
ausreichten. Selbst aus weiter Ferne, aus Brooklyn und dem
unteren Stadtteil, hatten sich Familien eingestellt.
Daß die energischen Anfeindungen, Nachstellungen und Zu—
reden der Antimissionsliga manchen Besucher unserer Mission
anfänglich scheu machten, ist selbstverständlich. Unser Missio⸗
nar ist dadurch auch genötigt worden, mehr als früher das
Evangelium an die einzelnen heranzubringen, durch Haus⸗
besuche und Privatunterredungen. Er hatte im vergangenen
Jahre 5638 Religionsunterredungen in Privathäusern, in denen
sich oft mehrere Familien zu diesem Zwecke versammelten. Er
besuchte außerdem 982 Familien. Er hatte 984 Privatunter⸗
redungen mit solchen, die er im Missionslokal oder in der eigenen
Wohnung empfing. Er verteilte 1470 Traktate, 437 Katechis⸗
men und 484 Neue Testamente. Viele der Katechismen und
Neuen Testamente werden von den Empfängern bezahlt, andere
gegen Hinterlegung des Wertes geliehen, namentlich wenn die
Leute weder Namen noch Wohnung angeben wollen.
Das ist ja viel Arbeit, und die Frucht ist äußerlich kaum
bemerkbar. Es ist ja eine Arbeit auf Hoffnung. Durch solche
Arbeit kommt zunächst eine Art Sauerteig in die Judenmasse.
Es gibt hier eine große Anzahl Juden, die nicht öffentlich zur
christlichen Kirche übertreten, sondern unter ihrem Volke bleiben,
die aber, wie die Judenpresse klagt, das „Christentum unter
den Juden koscher machen“. Das können doch nur solche sein,
die durch den Dienst der Mission wenigstens zu dieser Erkennt⸗
nis gekommen sind. Gerade die Verbreitung christusfeindlicher
Schriften, deren sich die Antimissionsliga befleißigt, hat das
Gegenteil von dem, was erwartet wurde, gewirkt. Die Ver⸗
breitung des Buches „Der Unterschied zwischen dem jüdischen
und christlichen Ideal des Messias in bezug auf Freiheit, Bil⸗
dung und Humanität“, worin der HErr Christus und seine
Apostel schmählich gelästert werden, und das Neue Testament
verdreht und falsch zitiert wird, hat viel dazu beigetragen, daß
so viele Judenhände nach dem Neuen Testament greifen, und
daß so viele Judenohren christliche Predigten hören, weil der
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