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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 29. Februar 1916, Seite 87
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SDr 2„Tutheranes
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eigene Verstand sie überzeugt, daß die in dem Schandbuch ver—
öffentlichten Dinge unmöglich in der Christenheit gelehrt wer—
den können. Und gerade solche Juden, die wohl anfänglich
Haus bloßer Neugierde sich mit dem Neuen Testament und der
christlichen Predigt bekannt machen, gelangen zu der über—
zeugung, daß sie von ihren Brüdern betrogen worden sind. Sie
ö bleiben zwar noch unter den Juden, aber sie sind es, welche
„das Christentum unter den Juden koscher machen“.
Die Juden selbst müssen dieses in grimmer Feindschaft
eingestehen. Ein Artikel im jüdischen „Morgenjournal“, den
Missionar Friedmann für diesen Bericht im „Lutheraner“ aus
der yiddischen Sprache übersetzte, enthielt am 13. Januar dieses
Jahres folgende Worte: „Obwohl die Juden im allgemeinen,
das heißt, solche Menschen, die diesen Namen mit Recht ver—
dienen, glauben, daß Juden nie aus überzeugung zur christ—
lichen Religion übergehen, so wäre es doch ein großer Irrtum,
Sleugnen zu wollen, daß eine große Zahl der jetzigen Generation
sich dem Christentum nähert. Diese Tatsache, die wir sehen
können, wenn wir nur unsere Augen ihr nicht verschließen, soll
einem jeden Juden, der seiner Religion treu ist, eine dringende
Mahnung sein, stets daran zu denken, daß die Zeit für größere
Bereitschaft und Wachsamkeit für uns gekommen ist. Sonst
kann kein einziger Jude sicher sein, daß seine Kinder zu dem
Häuflein getreuer Juden gehören werden, welches das Juden—
tum in der Vergangenheit in jeder Krisis, die der jetzigen ähn⸗
lich war, gerettet haben. Die Gefahr droht uns nicht allein
und am meisten von seiten der professionellen Judenmissionare,
wiewohl die meisten derselben eine außerordentliche Fähigkeit be—
sitzen und imstande sind, die christliche Religion so umzuwandeln,
daß aus ihr gar eine altjüdische wird. Da wir aber wissen,
wo dieselben ihre Nester haben, können wir sie bewachen und
unser Volk vor ihnen warnen. Die größte Gefahr droht uns
vielmehr von seiten solcher Menschen, die nicht öffentlich in das
Lager unserer Feinde hinübergehen, sondern sich unter uns
mengen und unter uns das Christentum koscher zu machen
suchen. Wir müssen danach streben, die Betrogenen und Ver⸗—
führten aufzuklären und zu retten, was sich noch retten läßt.“
Gewiß ist mit einer solchen sauerteigartigen Gärung des
Evangeliums unter dem Judenvolke das eigentliche Ziel unserer
Mission nicht erreicht. Darum bedarf es unsers Gebetes und
unserer getreuen Fortarbeit, damit Gott auch durch unsern
Dienst noch ein übriges aus Jsrael rette.
Im Auftrag der Judenmissionskommission
P. Rösener.
Zur kirchlichen Chronik.
Präses F. Pfotenhauer ist am 17. Februar wohlbehalten in
Porto Alegre, Brasilien, angekommen. G.
Die „Lutheran Education Society“ von Chicago und Um⸗
gegend konnte im Januar auf eine fünfjährige Tätigkeit zurück—
blicken. Diese Tätigkeit hat sich bisher fast ausschließlich auf das
Lehrerseminar in River Forest beschränkt. Der Kassierer des
Vereins hat in fünf Jahren 878,000 eingenommen und für das
Seminar ausgegeben; doch sind die von Chicagoer Gemeinden ge—
*. sammelten Summen für die Gebäude in River Forest (einzelne
SGemeinden sammelten §3000, §2000 usw.) hier nicht einge⸗
rechnet. Das vierzig Acker umfassende Grundstück kostete etwas
über 554,000. Für Taxen und „special assessments“ wurden
seither §10,000, für Fertigstellung des Grundstückes, Fuß⸗ und
Fahrwege, Anpflanzungen usw. über 58000 ausgegeben. Der
Verein zählt etwa 800 Glieder und die jährlichen, dem Seminar
zugute kommenden Gebühren betragen §55. Wohlhabendere Glie⸗
der steuern aber öfters größere Summen bei; ein Glied hat zum
Beispiel bisher jährlich 51000 oder mehr gegeben, im ganzen
57000. Außer Geld hat die Lutheran Education Socicty auch
sonstige Gaben für das Seminar entgegengenommen, zum Bei⸗
spiel vom Concordia-Kirchhof über 200 Bäume im Alter von
fünfzehn bis fünfundzwanzig Jahren, die einen Wert von meh⸗
reren tausend Dollars repräsentieren. Professoren und Schüler
wünschen dringend eine Turnhalle. In den Versammlungen der
Lutheran Education Society ist auch schon darüber geredet
worden; da aber die Lutheraner Chicagos jetzt beim Sammeln
von §80,000 sind für die fast vollendete lutherische Hochschule,
und da die lutherische Hospitalgesellschaft in Chicago in naher
Zukunft für einen Hospitalbau zu sammeln gedenkt, so nimmt der
Verein in bezug auf den Bau der Turnhalle gegenwärtig eine
abwartende Stellung ein. — Seit der Gründung der Lutheran
Education Society hat in Chicago die Gebefreudigkeit im allge⸗
meinen ganz bedeutend zugenommen. Aber das wichtigste Werk
des Vereins ist die Weckung eines größeren Interesses für das
lutherische Schulwesen und dessen Förderung. Wie P. Succop in
einer Rede sagte: „Die Lutheran Education Society hat das
Lehrerseminar den Gemeinden näher gebracht, den Herzen, Ge—
danken und Gemütern, den einzelnen Gliedern unserer Gemein—
den näher gebracht. In einem Jahr ist mehr über unser Lehrer⸗
seminar geredet worden als vorher in zehn Jahren.“ P. S.
Der bekannte Dn. Carroll ist wieder da mit seiner Statistik
über die Kirchen des Landes. Nach seinem Bericht über das Jahr
1915 hat die Zahl der sich zu einer Kirche Haltenden um 654,000
Personen zugenommen. Obenan stehen die Katholiken mit einer
Zunahme von 188,000, dann folgen die Methodisten mit 144,000,
die Baptisten mit 131,000, die Episkopalen mit 25,648. Den
Lutheranern schreibt Carroll eine Abnahme von 11,000 Gliedern
und ungefähr 1000 Genieinden zu. Er setzt selbst hinzu: so sehe
der Bericht aus, „vielleicht infolge mangelhafter Zählung“. Dann
sagt er wieder: „Ganz unerklärlicherweise stehen die Lutheraner
da mit einem Verlust von 1000 Kirchen. Das erklärt sich
vielleicht aus mangelhafter Berichterstattung.“ Der Lutheran
sagt mit Recht: Statt „vielleicht“ sollte Carroll sagen: „selbst⸗
verständlich“. Der Lutheran berichtet für das Generalkonzil
allein eine Zunahme von 43,460 Gliedern, 187 Gemeinden und
220 Pastoren. Wir sind nun in der Lage, sagen zu können,
daß der Bericht über den Bestand der lutherischen Kirche in
Amerika gar nicht anders als mangelhaft sein kann. Für unsere
Missourisynode, die größte der lutherischen Synoden, konnte nie—
mand die Zahlen haben. Da hat nämlich überhaupt keine Zäh⸗
lung stattgefunden, weil unser „Statistisches Jahrbuch“ gar nicht
herausgekommen ist, sondern auf Synodalbeschluß nur noch in
jedem dritten Jahre erscheint. Daß wir weder an Pastoren, Ge—
meinden noch Gliedern zurückgegangen sind, das wissen wir auch
ohne Zählung. Der Lutheran hebt noch hervor, daß die luthe—
rische Kirche in den Vereinigten Staaten in den letzten fünfzig
Jahren an Pastoren um das Sechsfache, an Gemeinden um das
Fünffache und an Gliedern mehr als das Siebenfache zugenom⸗
men hat. Und was die Zukunft anlangt, bemerkt er: „Und was
noch mehr ermutigend ist, ist die Tatsache, daß die lutherische
Bevölkerung im Gegensatz zu andern großen Gemeinschaften stark
am Zunehmen ist. Da gibt es keine solche Anzeichen von Rassen⸗
selbstmord (race suicide), der die meisten andern Kirchen in Neu—
england so entvölkert hat, und jetzt anderorts mit Macht herein—
bricht. Außerdem sichert ihr die Unterweisung ihrer Glieder im
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