Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 5 › Seite 88

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 29. Februar 1916, Seite 88

81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93

Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner72_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

⤓ Download .txt · copy text

88

Luthsranet

Katechismus allenthalben ein stetiges Wachstum.“ Dabei wollen
wir aber nicht übersehen, daß der sogenannte Rassenselbstmord
in der lutherischen Kirche, auch in unsern Kreisen, kein unbe—
kanntes Ding mehr ist. Ernste Pastoren klagen bitter über die
auffallende Abnahme der Kindertaufen, über die große Zahl der
kinderlosen und kinderarmen Familien und können sich nicht ein⸗
reden, daß das in allen Fällen natürlich, ohne Sünde und Schande,
zugeht. Die lutherischen Kirchen sind auch nicht immer so gut be⸗
sucht, wie sie sein sollten. Den Katechismusunterricht haben wir,
Gott Lob, in den Schulen und im Konfirmandenunterricht noch.
Es fehlt aber auch nicht an Leuten, die ihn in der Schule immier
mehr verkürzen möchten; und an wie vielen Orten sind die alten
lutherischen Christenlehren gefallen, bloß weil die Leute sich nicht
mehr dazu einfanden! E. P.
Anläßlich der Verhandlungen über Berechtigung der jetzigen
Waffenlieferungen Amerikas an England ist wiederholt behauptet
worden, Deutschland habe zur Zeit des Burenkrieges auch Waffen
und Munition an England verkauft. „Gesetz und Zeugnis“, ein
deutschländisches Blatt, schreibt dazu: „Wenn es wahr ist, daß
wir den Engländern wirklich Kriegsmaterial gegen die armen
Buren geliefert haben, und es scheint wahr zu sein, so empfangen
wir jetzt unsere Strafe nach dem Wort des HErrn: Mit welchem
Maß ihr messet, wird man euch wieder messen; ein voll, gedrückt,
gerüttelt und überflüssig Maß wird man in euren Schoß geben.“
Welch furchtbares Gericht wird dann aber über Nordamerika er—
gehen!“ — Wehe, wenn nach Gottes Verhängnis die Zeit einmal
käme, daß wir schreiben müßten: „Wenn es wahr ist, daß wir
den Engländern wirklich Kriegsmaterial gegen das hartbedrängte
Deutschland geliefert haben, und es ist unleugbar wahr und in
entsetzlichem Maße wahr, so empfangen wir jetzt unsere Strafe
nach dem Wort des HErrn: „Mit welchem Maß ihr messet, wird
man euch wieder messen.““ Nach dem sogenannten internatio⸗
nalen Gesetz erkennen die Völker es als ein Recht eines neutralen
Volkes an, einem kriegführenden Volke Kriegsmaterial zu liefern.
Und das Volk, das in der Lage ist, den lohnenden Handel zu be—
treiben, sieht in der Sache nur ein rechtmäßiges Geschäft und den
willkommenen Gewinn. Aber das Volk, zu dessen Nachteil der
Handel geschieht, lernt aus Erfahrung, daß es mit dem Handel
doch etwas anderes ist, nämlich eine Beteiligung eines Volkes am
Kriege, das doch nicht am Kriege beteiligt ist und zum Krieg⸗
führen auch keinen Grund hat. So ist ein solches Waffenliefern
auf dieselbe Stufe zu stellen wie ein ungerechter Krieg, ist also
ungerechtfertigtes Menschentöten, auf deutsch Mord. Wir lasen
in einem Blatt den treffenden Ausdruck: „Unser Waffenhandel
ist ein entsetzlich gesetzlicher Handel.“ Freilich darf da kein
Schalksauge sein, daß sich hinter dem Schrei sittlicher Entrüstung
Sympathie verstecke für das Land unserer Väter, das in diesem
Falle gerade unter der Waffenlieferung zu leiden hat, sondern
wir müßten geradeso urteilen, wenn der Handel zugunsten
jenes Landes geführt würde. Sonst wäre unser Vorhalt eines
unsittlichen Aktes Heuchelei vor Gott und Menschen. E. P.
Ein klares Beispiel, wie falsche Lehrer Verstecken spielen, und
zugleich, wie mit solchen Leuten umzugehen ist, gibt die folgende
Geschichte. Der Continent berichtet: In Lynn, Mass., wollten
Missionare der Mormonen ihre Wirksamkeit aufnehmen und
suchten um die Erlaubnis nach, auf den Straßen zu predigen.
Der Stadtrat hielt eine Versammlung ab, um diese Sache zu be—
raten. Die Mormonenprediger wurden gesragt: „Haltet ihr es
mit der Vielweiberei?“ Da antwortete der eine: „Wie sollten
wir es mit der Vielweiberei halten, die ja tot ist?“ Der andere
sagte: „Nein, wir befürworten die Vielweiberei nicht.“ Manche
im Stadtrat waren mit den gegebenen Antworten befriedigt. Der
Mayor der Stadt aber, der die Schliche der falschen Apostel kannte,
daß sie nämlich gern in unbestimmten und zweideutigen Worten

reden, legte ihnen die unmißverständliche Frage vor: „Haltet ihr
die Vielweiberei für verkehrt?“ Darauf bekannten beide, daß sie
das nicht täten, und fingen nun an auszuführen, welch eine herr⸗
liche Einrichtung die Vielweiberei sei. — So machen es oft die
falschen Lehrer, wenn sie ihre falsche Lehre an den Mann bringen
oder andere glauben machen wollen, daß sie ihren Irrtum haben
fahren lassen; dann gebrauchen sie unbestimmte, zweideutige
Redeweisen, die der Rechtgläubige richtig versteht, bei denen sie
aber ihren Irrtum festhalten. Da gilt es, daß man wie jener
Mayor die Frage in deutliche, unmißverständliche Ausdrücke ö
kleidet. Luther nannte das die Füchse aus ihren Löchern locken.

So konnten wohl Leute, die in der Lehre vom Sakrament ihren J ö

reformierten Irrtum festhielten und dabei doch aus mancherlei

Gründen mit den Lutheranern äußere Vereinigung suchten, solche 4

Reden führen, daß Einfältige, die das hörten, meinten: die haben
ihren Irrtum fahren lassen. Da konnten sie mit großer Wich—
tigkeit betonen: Gewiß empfangen wir im Abendmahl Christi
Leib und Blut, und wir müssen von unserm eigenen Zwingli

sagen: Es war schändlich von ihm, zu sagen, das Sakrament sei

ein leeres Zeichen. Sie verstanden das aber so: Während man
auf Erden, im Sakrament, bloß Brot und Wein empfängt,
schwingt sich der Glaube in den Himmel und empfängt da geist⸗
licherweise Christum, gerade wie der Glaube das immer tut, auch 3
außer dem Sakrament. Wenn man ihnen dann aber die Frage
vorlegte: Empfängt man hier auf Erden, im Sakrament, mit

dein Brot und Wein, und zwar mit dem Munde, Christi Leib

und Blut, und empfängt das auch der ungläubige Kommunikant,!
also jeder, der das Brot empfängt, von welchem Christus eben
sagt: „Das ist mein Leib?“ dann antworteten sie: Nein; Christi

Leib und Blut ist im Himmel, ist vom Sakrament so weit ent⸗ *

fernt wie der höchste Himmel von der untersten Erde. Einfältige,
wohlmeinende Christen sind da oft sehr leichtgläubig.
Leute Reden gebrauchen hören, die sie recht verstehen, dann ö

meinen sie gar nicht anders als: der andere versteht sie auch so. 4

Sie halten es oft für Streitsucht und kleinliche Wortklauberei,.!
wenn man auf bestimmten Redeweisen besteht. Das ist oft nötig

zur Reinerhaltung der Lehre und ist auch gar nicht gegen die

Liebe, die alles zum besten kehrt und alles glaubt und hofft.
Wenn der andere wirklich die richtige Meinung hat, dann wird
und kann er das nicht übelnehmen, wenn man bei einem zwei⸗
deutigen Ausdruck in aller Freundlichkeit fragt: Das verstehst du ö
doch so und so? und dann einen klareren Ausdruck dafür einsetzt.
Oft sind aber die mehrdeutigen Redeweisen absichtlich gewählt.
Da kommt dann keine Einigkeit in der Wahrheit zustande, son⸗
dern ein Verkleistern, das weder recht ist noch hält. E. P.

Die Unredlichkeit des Sektenwesens offenbart sich nirgends
so deutlich wie in den Benennungen, die sich die verschiedenen Ge⸗
meinschaften beilegen. Die größte und älteste Sekte, die Papst⸗
sekte, geht auch in diesem Stück allen andern voran, indem sie
direkt in das Glaubensbekenntnis der alten Kirche hineingreift.,
dort sich das schöne Wort „katholisch“ herausholt und sich als
dié alte, „allgemeine“ christliche Kirche aufspielt. Aber auch die;
neuesten Kirchen, religiösen Vereine und Verbindungen sind ö
Meister im Mißbrauch der Sprache, wenn sie eine Benennung
für ihre Genossenschaft suchen. Wir haben da die „Heiligen JIEsu!
Christi der letzten Tage“. So nennen sich die Mormonen, die
doch mit ihrer Vielweiberei und andern Greueln nicht nur von
der Gemeinde der Heiligen, der christlichen Kirche, sondern auch
von der anständigen menschlichen Gesellschaft sich ausgeschlossen

haben. Das schöne Wort „Zion“, mit dem schon das Alte Testa

ment auf die Kirche des Neuen Testaments weissagt, legen sich
die Dowieiten bei, jene schwärmerische Sekte, die so ähnlich, wie x
das der Apostel 2 Thess. 2 beschreibt, mit lügenhaften Zeichen und
Wundern unigeht. „Church nof Christ, Seientist,“ ist offizieller

Wenn sie.

English translation

Not yet translated.