Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 14 › Seite 260
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 4. Juli 1916, Seite 260
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8S Ner „Tuthieraness
Diese Beispiele zeigen, wie weit manche Arbeiterverbin⸗
dungen darin gehen, das Kontraktrecht der Eigentümer zu be—
streiten. —
Ein zweites Mittel, das die Arbeiterverbindungen be⸗
nutzen, ihr Ziel zu erreichen, ist der Boykott. Diese Maß⸗
regel besteht darin, daß unions gegen alle Unternehmer, die
ihnen nicht zu Willen sind, die Erklärungen erlassen, daß nie⸗
mand für sie arbeiten, auch niemand ihre Ware kaufen solle.
Sie erklären den Krieg gegen alle Arbeiter, die für einen
solchen Geächteten arbeiten; sie entziehen ihm alle ihre Kund⸗
schaft und auch denen, die von ihm kaufen. Um ihre Pläne
durchführen zu können, bringen sie an Waren, die von den
unions verfertigt werden, eine Marke an. So ist in Klei⸗
dungsstücke ein Zettel eingenäht mit den Worten: „Union-
made.“ Auf Zigarrenkisten liest man Union Label.' Auch
auf Zeitungen und in Büchern findet man diesen Vermerk.
So machen sie auch Handwerkszeug und Material kenntlich.
Außerdem werden auch durch ihre Zeitungen die Listen solcher
Leute bekanntgegeben, mit denen sie nicht auf freundschaftlichem
Fuße stehen. Von solchen Leuten sollen ihre Glieder auch nicht
kaufen. Da nun die unions ihre Glieder nach Millionen zäh⸗
len, so läßt sich leicht erkennen, wie groß der Schaden ist, den
sie einem Geschäft antun können. Und diese Macht wenden sie
nicht bloß an gegen Geschäftsbesitzer, sondern auch gegen alle
Arbeiter, die nicht mit ihnen gehen. Es ist manchem schon
schwer geworden, Arbeit zu finden, weil er sich den unions nicht
anschließen wollte. — Dies alles steht entgegen dem Rechte, das
Gott einem jeden über sein Eigentum gegeben hat. Jeder darf
sein Eigentum frei verwalten, solange er einem andern damit
nicht schadet. Er hat auch das Recht, Vermehrung und Auf⸗
besserung seines Eigentums zu suchen. Auch darin soll ihm
niemand dreinreden. —
Doch nicht bloß die Herren haben ihre Rechte, sondern
auch die Knechte und Arbeiter. Reden wir daher nun auch
über die Rechte der Knechte und Arbeiter.
(Schluß folgt.)
———— —
Reformationsjubiläum 1917.
Eine große Anzahl von Anfragen um Auskunft lagen
dem Zentralkomitee bei seinen jüngst abgehaltenen Sitzungen
wieder vor. Die meisten derselben werden durch Glieder des
Komitees brieflich beantwortet. Doch werden manche der be—
rührten Fragen auch für die Leser des „Lutheraner“ von In⸗
teresse sein. Es folgen hier einige mit der dazugehörigen
Information.
Sollte mit den Vorbereitungen für die gemeinschaft⸗
lichen Feiern des Reformationsjubiläums schon jetzt be⸗
gonnen werden? In größeren Städten, in denen die Frage
nach einem passenden Lokal eine wichtige ist, dürfte es weise
sein, schon jetzt wenigstens Datum und Festort zu bestimmen.
über die Vorbereitungen unserer New Yorker Brüder ist hier
schon berichtet worden. Auch in St. Louis ist ein großes
Konritee, in dem alle Gemeinden der Stadt und Umgegend
vertreten sind, an der Arbeit. Aus Milwaukee wird gemeldet,
daß an die vierzig Gemeinden schon ihre Zustimmung zu einer
großen Feier im Auditorium, und zwar am 4. November, ge⸗
geben haben.
Was sollte die Hauptfeier werden? Das Komitee
ist sich ganz einig in der Ansicht, daß nicht die großen öffent⸗
lichen Zusammenkünfte, sondern die Festgottesdienste in den
einzelnen Gemeinden die Hauptfeier bilden sollten. Auf den
bleibenden Nutzen gesehen, sind mit diesen Reformationsfest⸗
gottesdiensten in den Kirchen jene öffentlichen Feiern gar
nicht zu vergleichen. Letztere sind ein Zeugnis für die Welt —
und sollen es sein —, daß wir Lutheraner für die Gottesgaben
der Reformation bis auf diesen Tag dankbar sind. Aber in den
Festgottesdiensten innerhalb der einzelnen Gemeinden feiern
wir recht eigentlich als lutherische Christen. Es wäre des⸗
halb gar sehr unweise, wenn eine Gemeinde, um an einer
solchen Massenfeier teilnehmen zu können, den eigentlichen
Festgottesdienst an einem unpassenden Tage abhielte oder gar
ihn ausfallen ließe. Vor allem wollen wir die kühle über⸗
legung nicht verlieren und solch öffentliche Schaustellungen,
Umzüge, Massenversammlungen, weil sie etwa in den Zeitungen
großen Rumor machen werden, gar als die Hauptsache an der
Feier ansehen. Das wäre ein arg verpfuschtes Jubiläum. Wir
wollen allerdings an diesem großen Fest unsern Glauben be⸗
zeugen vor der Welt, und dazu dienen große gemeinschaftliche
Feiern in ganz vorzüglicher Weise. Wir wollen diese deshalb'
auch haben, wo es irgend angeht. Aber wir wollen den Er⸗
folg unserer Vorbereitungen nicht bemessen nach dem Spalten⸗
raum in den Tageszeitungen, den sie uns einbringen. Den
eigentlichen großen Segen dieses Jubiläums werden, wenn die
Welt nach einem Jahr noch steht, unsere Gemeinden durch die
Gottesdienste im eigenen Kirchenlokal haben.
Was für Vorbereitungen macht das Komitee für die
Feier? Manuskripte für Kinderfeiern in deutscher und englischer
Sprache sind in Vorbereitung. Auch wird für Literatur gesorgt,
die schon zum Teil diesen Herbst auf den Markt kommen wird.
Wie verhält es sich mit der Denkmünze?
Denkmünze hat ein Komitee, bestehend aus Prof. G. Mezger,
Prof. Th. Gräbner, Lehrer Th. Kühnert und Herrn Bernhard
Schieferdecker, Vorlagen geliefert, und unser Synodalagent,
Herr E. Seuel, der den Vertrieb der Münzen übernommen hat,
steht jetzt mit verschiedenen Prägeanstalten des Landes in Unter⸗
handlung. Es liegt im Plane des Komitees, noch dieses Jahr
die Münzen zum Verkauf fertigzustellen.
Betreffs der Jubelkollekte wäre zu berichten:
Der Englische Distrikt beschloß auf seiner Versammlung im
Juni, die in seinen Gemeinden erhobene Jubelkollekte in die
Kasse der Allgemeinen Kirchbaukasse fließen zu lassen. Es ist
dieser Beschluß aller Anerkennung wert, nicht nur weil der
Englische der jüngste unserer Synodaldistrikte ist, sondern auch
weil dieser Distrikt ein sehr ausgedehntes Missionsfeld be⸗
arbeitet, und es um so näher lag, daß man die Kollekte in *
Statt dessen hat
die Kasse des Distrikts fließen lassen würde.
man sich an die Empfehlung der Allgemeinen Synode ge⸗
halten, und zwar durch einstimmigen Beschluß. Dasselbe gilt
vom Nord⸗Illinois⸗Distrikt. Dieser Distrikt hat große Sum⸗
men für das Lehrerseminar in River Forest aufgebracht und
sich von jeher rege am Werk der Synode beteiligt. Nun war 3
der Plan angeregt worden, die Jubelkollekte dem Luther-4
Institut, einer lutherischen Hochschule in Chicago, zugute kom.
men zu lassen. Doch auch dieser Distrikt beschloß auf seiner 3
Sitzung mit größter Einmütigkeit, die Kollekte des Jubeljahres
der Allgemeinen Kirchbaukasse zuzuweisen.
Für die
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