Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 14 › Seite 262

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 4. Juli 1916, Seite 262

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S Der 2„Tutherane

auf aufmerksam gemacht werden, wie sie am allgemeinen Werke
unserer Kirche mithelfen können.

Leider müssen wir nun noch einer traurigen „Nachfeier“
Erwähnung tun.

Zwei Tage nach der Einweihungs feier, am Dienstagvor⸗
mittag, den 6. Juni, als Lehrer wie Schüler in ihren Klassen⸗
zimmern waren, bekam der städtische Wasserbehälter (reservoir),
der sich auf einer Anhöhe östlich von der Anstalt befindet, einen
Riß und überflutete den Campus und das Erdgeschoß des Lehr⸗
gebäudes, drang auch in die Turnhalle und in das Erdgeschoß
des neuen Gebäudes ein. Bedeutender Sachschaden ist an⸗
gerichtet worden. Allen Schülern, die durch das Wasser Ver⸗
luste erlitten (die meisten Koffer waren im Erdgeschoß des
Lehrgebäudes), wurde von der Stadt entsprechender Ersatz
dargeboten. Vertreter der Synode haben die Sachlage an
Ort und Stelle besehen und stehen mit Vertretern der Stadt
in Unterhandlung, so daß auch die Synode voraussichtlich
keinen Verlust erleiden wird. Vorkehrungen sollen getroffen
werden, daß ein solcher Dammbruch nicht wieder vorkommen
kann. — Der liebe Gott hat gezeigt, wie er in wenigen Minuten
mit Stein und Geröll schön gepflegte Anlagen überschütten
kann, ja wie unser Leben stets in seiner Hand ist. Lehrer und
Schüler versammelten sich deshalb umnittelbar nach dem Vor⸗
fall in der Aula und dankten Gott, daß keinerlei Unfall zu be⸗
klagen war. A. W. M.

—9999———5—
—— —

Versammlung des Atlantischen Distrikts.

In der Kirchenstadt Brooklyn, inmitten der Gemeinde
P. J. P. Riedels, versammelte sich vom 17. bis zum 23. Mai
der Atlantische Distrikt unserer Synode, um über die Reichs⸗
sache unsers Heilandes an der Ostküste unsers Landes zu be—
raten. Aus den Verhandlungen sei kurz berichtet, was etwa
die Brüder in andern Distrikten interessieren dürfte.

Der größte Teil der zur Verfügung stehenden Zeit wurde
der Besprechung der Schul sache gewidmet. Man erkennt
auch hier im Osten, daß neben der öffentlichen Verkündigung
des Wortes die Hauptaufgabe der Kirche in der christlichen Er⸗
ziehung der Jugend besteht. Mit ungeteiltem Interesse folgte
man der gründlichen und anregenden Arbeit Prof. R. W.
Heintzes über den „Einfluß der Reformation auf das Schul⸗—
wesen“. Der Referent zeigte an der Hand der Geschichte und
durch reichliche Zitate aus zeitgenössischen Schriften, wie im
Mittelalter das Schulwesen sehr im argen lag, und daß wir
es den Reformatoren und insonderheit unserm Luther ver⸗
danken, daß die Schulbildung nicht ein Vorrecht gewisser
Klassen geblieben, sondern ein Privilegium des Volkes ge—
worden ist. Der Reformation haben wir es auf die Rechnung
zu setzen, daß unsere Kinder heute so reichlich Gelegenheit
haben, sich das zum irdischen Fortkommen nützliche und zum
ewigen Leben nötige Wissen anzueignen. — Wer sich den voll⸗
ständigen Synodalbericht, der seinerzeit erscheinen wird, kom—
men läßt, wird in diesem Referat eine reiche Fundgrube haben
für die Vorbereitung auf die nächstjährige Jubelfeier.

Wurde in der Arbeit des Referenten die Schulsache mehr
theoretisch behandelt, so wurde sie an der Hand des Berichts
der Schulkommission in ihrer Anwendung auf unsere Verhält⸗
nisse praktisch beraten. Die Schulkommission legte dar, daß
zwar die Einrichtung von Schulen in unserm Distrikt mit be⸗

sonderen Schwierigkeiten verbunden sei, daß sie aber trotzdem
Gelegenheit gefunden habe, wenigstens eine Schule zu unter⸗
stützen, und daß Aussicht vorhanden sei, daß bald noch andere
um Unterstützung nachsuchen würden. Ein warmer Freund
der Gemeindeschule in New Nork hat die Schulkasse mit 8125
vierteljährlich bedacht und gedenkt dies auch in Zukunft zu tun.

Die Innere Mission des Distrikts nimmt eine
immer größere Ausdehnung an. Die verbesserten Verkehrs⸗
mittel in unsern Großstädten haben eine Zerstreuung unserer
Gemeindeglieder in die Vorstädte zur Folge. Diesen in den
Vorstädten sich ansiedelnden Gliedern muß nachgegangen wer⸗
den; viele Plätze sollten mit lutherischen Missionen versorgt
werden. Sonderlich in New York findet eine beständige Ver⸗
schiebung der Bevölkerungselemente statt, die die Kirche nicht
außer acht lassen darf, selbst wenn sie nur denen gerecht werden
will, die schon unter ihrer Pflege gestanden haben. Die in und
um New York liegenden Missionsplätze haben an Zahl und
Stärke zugenommen. In der Industriestadt Lowell, Mass.,
haben wir Fuß gefaßt und unsere Vorposten nun auch nach
Maine hinein vorgeschoben — Lewiston und Lisbon Falls.
Im Dienste der Mission stehen 19 Arbeiter, die an 25 Plätzen
den Samen des Wortes ausstreuen. Dutzende von Städten
mit Zehntausenden von Einwohnern müssen vorläufig noch un⸗
besetzt bleiben. Selbst die fünf Kandidaten, die kürzlich von
der Verteilungskommission für die Missionsarbeit in unserm
Distrikt bewilligt wurden, sind schier wie ein Tropfen am
Eimer. Nicht weniger als 514,000 im Jahr sind nötig für
dieses Werk des HErrn; davon will der Distrikt selber §10,000
aufbringen; für den Rest müssen wir uns auf die kräftige Mit⸗
hilfe der Allgemeinen Missionskasse verlassen.

Die Anstalt, die uns helfen soll, Arbeiter für unser
Missionsfeld vorzubereiten, und die uns besonders nahe steht,
unsere Concordia in Bronxville, zählt gegenwärtig
110 Schüler. Zur besseren geistlichen Versorgung der Anstalt
ist P. F. P. Wilhelm von Kingston, N. Y., berufen worden;
er wird auch in der Umgegend Mission treiben. Durch Ver—
mittlung der Lutheran Education Society ist mit der Anstalt
auch eine kaufmännische Schule im Geschäftsteil der Stadt New
Hork verbunden worden, die Concordia School of Accountancy
and Commerce. Diese Schule steht unter der Leitung luthe—
rischer Lehrer und zählt über hundert Schüler.

Aus der Studentenkasse des Distrikts wurden 21 Schüler
und Studenten unterstützt.

Trotzdem unser Distriktsorgan, „Zeuge und Anzeiger“, mit

mancherlei finanziellen Schwierigkeiten kämpfen mußte, beschloß

die Synode doch, das Blatt weiterzuführen, und zwar von nun
an, den Verhältnissen entsprechend, zweisprachig. Da der bis⸗
herige Redakteur, P. H. C. W. Stechholz, krankheitshalber sein
Amt niederlegen mußte, ließ sich die Fakultät unsers Gymna⸗
siums bereitfinden, unter Beihilfe eines Pastors die Schrift⸗
leitung zu übernehmen.

Die Kirchbaukasse des Distrikts hat gegenwärtig ein
Vermögen von §16,611.98; doch haben unverzinsliche Dar⸗
lehen es ihr ermöglicht, an hilfsbedürftige Gemeinden nahezu
530,000 auszuborgen.

Die Angelegenheiten der Allgemeinen Synode, die Be⸗
dürfnisse der verschiedenen Kassen und Berichte über den Stand
der Missionen wurden der Synode von den zuständigen Be⸗
amten vorgetragen.

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