Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 14 › Seite 266

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 4. Juli 1916, Seite 266

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Resultat: 434 stimmten dafür, den Paragraphen beizubehalten,
360 dagegen. Die deutschen Delegaten wählten fast alle für
erstere Stellung.“

In bezug auf die Feier des Reformationsjubiläums sagten
die Bischöfe in ihrer „Adresse“!: „Am 31. Oktober 1517 schlug
Martin Luther an die Tür der Schloßkirche in Wittenberg
95 Thesen gegen die römische Lehre vom Ablaß an, und das war
der Beginn der Reformationszeit. Die Thesen wurden eiligst ge⸗
druckt und weithin verbreitet. Die Universitätsdruckerei in Wit⸗
tenberg konnte der großen Nachfrage nach Abdrücken kaum nach—
kommen. Der Inhalt der Thesen erwies sich als gleichbedeutend
mit 95 wuchtigen Hammerschlägen, und deren Nachklang kam
vierhundert Jahre lang nicht zur Ruhe, sondern ist heute noch in
allen Landen hörbar. Die Bischöfliche Methodistenkirche, die
zwanglos das Evangelium predigt, wird in Gemeinschaft mit dem
gesamten protestantischen Christentum jene in der Kirchengeschichte
einzig dastehende Begebenheit in angemessener Weise feiern.“

über die Bibel und Bibelgesellschaften sagen die Bischöfe:
„Die Bibel ist noch immer da. Man hat gedroht, sie vom Throne
zu stoßen, man hat wiederholt ihretwegen gekämpft; dennoch ist
sie nach wie vor das heilige Buch — der Wissensborn, die In⸗
spiration und der Wegweiser für die Kirche. Die Amerikanische
Bibelgesellschaft hat in den letzten fünf Jahren über eine Million
Dollars für Stiftungszwecke zusammengebracht. Sie hat im
gleichen Zeitraum 5,250,000 Exemplare der Bibel in 89 ver⸗
schiedenen Sprachen herausgegeben. Mit den von den Bibelge⸗
sellschaften in Europa herausgegebenen Bibeln sind es 18,000,000
in mehr als 500 Sprachen und Dialekten. Die Gesamtpubli⸗
kationen der Amerikanischen Bibelgesellschaft binnen 98 Jahren
umfassen 103,519,891 Bände. Die Nachfrage nach der Bibel
war noch nie so groß wie jetzt; überdies ist ihr Studium in den
letzten fünfundzwanzig Jahren eifriger betrieben worden als in
den vorhergegangenen 2500 Jahren.“

Desgleichen über die Familie und Ehescheidungen: „Im
Jahre 1867 wurden in den Vereinigten Staaten im ganzen 9937
Ehescheidungen bewilligt; im Jahre 1906, also vierzig Jahre
später, mehr als siebenmal so viele, nämlich 72,062. In letzter
Zeit ist die Zahl derselben im Verhältnis zur Zunahme der Be⸗
völkerung um mehr als das Dreifache gestiegen. Bei weitem die
größte Anzahl der Ehescheidungen ist auf Rechnung starker Ge⸗
tränke, der großem Reichtum entspringenden Hintansetzung aller
durch die Heirat übernommenen Verpflichtungen oder trotziger
Selbstsucht zu setzen. Das durch diese erstaunlichen Tatsachen
verursachte Aufsehen hat mehrere Staaten veranlaßt, Kommissio⸗
nen zu ernennen, die darauf hinarbeiten sollen, daß gleichförmige
Ehescheidungsgesetze zustande kommen. Unsere Generalkonferenz
hat stets auf legislativem Wege in dieser Angelegenheit einen ent⸗
schiedenen Standpunkt eingenommen.“ „Wir wiederholen nun⸗
mehr nachdrücklich den vor vier Jahren gemachten Vorschlag, daß
dem auf „Scheidungen“ Bezug nehmenden Paragraphen, der jetzt
unter dem Titel Ratschläge“ erscheint, in der Kirchenzucht“ eine
Stelle angewiesen werde, die über allen Zweifel dessen legalen
und mandatorischen Charakter erkennen läßt, wie die General—
konferenz bereits entschieden hat. Die Bischöfe empfehlen die
Beibehaltung der Kommission, welche mit der Aufgabe betraut ist,
mit den von andern Glaubensbekenntnissen [Kirchenkörpern!] er—
nannten Kommissionen Beratungen zu pflegen, damit sie den in
Frage kommenden Staaten behilflich seien, der schändlichen Unter—
grabung des Familienlebens Einhalt zu tun. Falls irgendwo
methodistische Prediger in dieser Sache die in der „Kirchenzucht“
enthaltenen Verordnungen dem Buchstaben oder dem Geist nach
übertreten, sollten die maßgebenden Jahreskonferenzen gegen die⸗
selben vorgehen, ebenso wie in allen andern Fällen von Verstößen
gegen die Kirchenzucht.“ E. P.

Das Bekenntnis eines Mörders. Von dem Zahnarzt Waite

in New York, von dem und dessen Prozeß die Zeitungen meldeten,
der, um in den Besitz ihres Geldes zu kommen, seine reichen
Schwiegereltern ermordete, schuldig befunden und zum Tode ver⸗
urteilt wurde, wird jetzt gemeldet, daß er im Gefängnis, wo er
den Tod erwartet, fleißig die Bibel lese. Es wird von ihm das
Bekenntnis gemeldet: „Hätte ich vor fünfzehn Jahren die Bibel
gelesen, wie ich es jetzt im Gefängnis tue, dann hätte die Welt
nie etwas von mir zu hören bekommen, außer daß ich in einem
ehrbaren Berufe tätig wäre.“ — Das ist eine furchtbare Anklage
gegen die Familien, in denen Gottes Wort kein Heim hat, gegen
die Kirchen und Christen, die nicht alles tun, was in ihren Kräften
steht, den Leuten das Wort Gottes zu bringen, und vor allem
gegen den Unglauben und die Gleichgültigkeit der vielen, die bei
guten Tagen sich um Gott und sein Wort nicht kümmern. Für
Leute, die die Heilige Schrift lesen und glauben, braucht der Staat
keine Gefängnisse, Galgen und elektrischen Stühle. So tut die
Kirche⸗ auch dem Staat den besten Dienst, wenn sie das Wort Got⸗
tes an den Mann bringt. Das soll sie ja fleißig tun! E. P.
Unter der überschrift „Die Schande Floridas“ schreibt ein
katholisches Blatt: „Bigotterie hat im Staate Florida ihren
Höhepunkt erreicht. Am Ostermontag wurden drei katholische
Schwestern als Gefangene durch die Straßen St. Augustines mar⸗
schiert. Ihr Verbrechen war, daß sie den farbigen Kindern der
Stadt Unterricht im Schreiben und Lesen und in der Erkenntnis
Gottes erteilt hatten. Es besteht nämlich in Florida ein Gesetz,
welches Männern oder Frauen weißer Rasse verbietet, farbigen
Kindern in für dieselben errichteten Schulen Unterricht zu er⸗
teilen. Dies Gesetz, obschon für verfassungswidrig angesehen,
wurde dennoch in das Gesetzbuch eingeschrieben. Es wurde aber
niemals in Anwendung gebracht, bis im Jahre 1916 die
Guardians of Libert) ans Ruder kamen. Diese haben nun dem
ganzen Lande ein Beispiel gegeben, was sie eigentlich unter Frei⸗
heit und Gerechtigkeit verstehen. Die, welche zurzeit in Florida
herrschen, sind eine Schande für jene Männer des Staates, welche
hohe Amter verwalten, zu denen sie vom ganzen Volke des Staates
erwählt worden sind.
allen Bürgern Gerechtigkeit angedeihen lassen ohne Unterschied der
Rasse oder des Glaubens. Florida scheint aber kein Land zu sein
für Männer, welche Gerechtigkeit lieben und fest auf Innehaltung
amerikanischer Prinzipien der Freiheit bestehen; ganz besonders
sind sie in Florida nicht willkommen, solange jener Staat durch
jene regiert wird, welche die Rechte ihrer Mitbürger unter die
Füße treten. In dieser Krisis muß die ganze Kraft der katho⸗
lischen Kirche des Landes aufgeboten werden, solcher Ungerechtig⸗
keit einen wirksamen Damm entgegenzusetzen.“ — Wenn die
Sache sich so zugetragen hat, wie angegeben, dann ist das frei⸗
lich eine Schande. Wenn aber der ärgerliche Vorfall so ohne
weiteres den Guardians of Liberty in die Schuhe geschoben wird,
dann gehört das wohl in dieselbe Klasse von unsinnigen Anschul⸗
digungen, nach welchen dasselbe Blatt vor einiger Zeit einen Ver⸗
giftungsanschlag gegen den Erzbischof in Chicago der Menace auf
die Rechnung setzte, während andererseits ein antikatholisches
Blatt behauptete, daß die demokratische Partei ihre Nationalver—
sammlung in St. Louis halte, das sei das Tun der römischen
Geistlichkeit, die dort stark sei und den Konvent beherrschen wolle.
Der besagte Auftritt in Florida wird wohl seine Erklärung finden
in einem mancherorts im Süden sich noch findenden maßlosen
Widerwillen gegen die Neger, unter dem auch Leute zu leiden
haben, die weder Katholiken noch Guardians of Liberty sind.
Und wenn solche Unvernunft sich sogar in Gesetzen verkörpert hat,
dann ist im Namen der Religion, der Menschlichkeit und der Ver⸗
nunft darauf hinzuwirken, daß solche Gesetze abgetan werden.

E. P.

Ihr Amtseid fordert von ihnen, daß sie

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