Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 56, Nummer 26 › Seite 401
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. Dezember 1900, Seite 401
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Berausgegeben von der Peutschen Evangelisch⸗Lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigirt von dem Lehrer⸗Collegium des theologischen Seminars in St. Lonis.
56. Jahrgang.
St. Louis, Mo., den 25. December 1900.
No. 26.
(Eingesandt.)
An der Nrippe zu Bethlehem.
O seht, was hier die Allmacht thut,
Daß sie der Schwachheit sich erbarme!
Der Welten spielend trägt, der ruht
Als schwaches Kind im Mutterarme.
Heut kommt er nicht im Herrscherkleid,
Daß er die Welt in Trümmer schlage,
Heut kommt er, daß er unser Leid
Und tiefstes Weh geduldig trage.
Die Krippe ist sein Allmachtsthron,
Der Stall ist seine Herrscherhalle.
So glanzlos kommt der Hönigssohn,
Daß er den Weg der Armuth walle.
Fürwahr, er kommt in Rnechtsgestalt,
Entäußert sich der HBerrschergröße,
Daß er von aller List, Gewalt
Und Macht des Ceufels mich erlöse.
Du schwaches Uind, sei meine Uraft,
Du armer Gott, sei meine Fülle,
Wenn mich der Cod von hinnen rafft,
Und wird zu Staub die morsche Hülle.
Weihnachten.
Hohe Freude erfüllt in diesen Tagen unzählige Häuser und
Herzen. Lässige Hände werden eifrig, müde Kniee werden stark,
matte Augen erfüllt neuer Glanz. Tausende, die schon ver⸗
zagt Gott segnen und sterben wollten, schöpfen frischen Muth.
Warum?
Heute geht aus seiner Kammer
Gottes Held, der die Welt
Reißt aus allem Jammer.
Gott wird Mensch, dir, Mensch, zu gute,
Gottes Kind das verbindt
Sich mit unserm Blute.
Weihnachten ist die Feier der Offenbarung des Sohnes Got⸗
tes im Fleisch. Die Geburt JEsu Christi ist die Geburt eines
vollkommenen, sündlosen Menschen. Wie die Kinder Fleisch und
Blut haben, ist er es gleichermaßen theilhaftig worden. Hier ist
ein wirkliches, wenn auch wunderbar gewordenes Menschenkind,
ein vollkommener Mensch mit vernünftiger Seele und mensch⸗
lichem Leibe. Aber hier ist mehr. Dies Menschenkind ist Gott
von Art. Der ewige, eingeborene Sohn Gottes, der aus des
Vaters Natur vor der Welt geboren ward, ist hier im Fleische
erschienen. Sichtbar im Fleische sehen wir Gott. Der Sohn
Gottes, der im Anfang bei Gott war, hat sich mit der mensch⸗
lichen Natur vermählt. Gottheit und Menschheit vereinigen sich
heute. Der Sohn Gottes hat seine göttliche Art nicht verändert,
nicht eingeschränkt, nicht abgelegt, als er Mensch ward. Er blieb
in der Herrlichkeit, die er bei dem Vater hatte, ehe die Welt war.
Die menschliche Natur ist nicht verändert worden, als sie vom
Sohn Gottes in seine göttliche Person aufgenommen ward. Der
Mensch IEsus Christus ist in allen Stücken seinen Brüdern gleich,
außer der Sünde. Aber in des Weibes Sohn wohnt die ganze
Fülle der Gottheit. Der aus dem Samen Davids herkommt nach
dem Fleisch, ist Gott über alles. Der Jungfrau Sohn ist Gottes
Sohn. Diese Vereinigung Gottes mit dem Menschen ist so eng,
ja, enger als die natürliche Vereinigung von Leib und Seele in
anderen Menschen. Wie Leib und Seele Ein Mensch ist, so ist
Gott und Mensch Ein Christus. Aber während bei natürlichen
Menschen Leib und Seele durch den Tod getrennt werden, blei⸗
ben in Christo Gottheit und Menschheit unzertrennlich vereinigt.
Und weil die Vereinigung so innig ist, hat auch die menschliche
Natur Theil an den herrlichen Eigenschaften der göttlichen. Der
Sohn Gottes schüttet die Fülle seiner Güter in den Schooß dieser
seiner Braut. Die menschliche Natur bekommt göttliche Gestalt.
Wie das Eisen durch Vereinigung mit dem Feuer in Hitze erglüht
und doch seine Art nicht wandelt, so wird die menschliche Natur
durch Vereinigung mit der göttlichen der Eigenschaften Gottes
theilhaftig und bleibt doch menschliche Natur. O wunderbare
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