Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 56, Nummer 26 › Seite 405
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. Dezember 1900, Seite 405
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andere. Da wird der König von Italien im eigenen Lande
meuchlings ermordet von einem Scheusal in Menschengestalt, das
zu der immer größer werdenden Partei der Umstürzler gehört,
die alle göttliche und menschliche Ordnung je eher je lieber über
den Haufen stoßen wollen. Da finden in verschiedenen Groß⸗
städten Americas Rassenkämpfe statt zwischen Weißen und Negern,
die zu schmachvollen Aufständen führen, in denen Menschen wie
das Vieh niedergejagt werden. Da werden in verschiedenen Thei⸗
len unsers Landes Uebelthäter dem Arm der weltlichen Obrigkeit
entrissen und eigenmächtig hingerichtet unter Greueln und Mar⸗
tern, die man sonst nur von Heiden und Barbaren liest. Arbeiter⸗
unruhen, strikes“ haben stattgefunden, bei denen in frevelhafter
Weise mit Menschenleben gespielt worden ist, und Scenen sich er⸗
eignet haben, die man in unserer Zeit und in unserem Lande für
unmöglich halten möchte.
Und wie stellt sich das Volk zu solchen Vorkommnissen? Es
hört davon, liest davon, spricht davon, aber Eindruck macht es
nicht, die Erkenntniß, daß wir in „greulichen Zeiten“ leben, wirkt
es nicht. Die große Masse des Volks ist gefühllos, ja, stimmt
wohl gar ein in das tolle Kriegsgeschrei, theilt die Mordlust,
mischt sich unter die Aufrührerischen, billigt und heißt gut das.
gesetzlose Treiben. Keinem, der dem Gange der Ereignisse folgt,
kann die immer weiter um sich greifende Verrohung des Volkes
entgehen. Dazu kommen dann noch die himmelschreienden Un⸗
gerechtigkeiten, die im täglichen Leben und Wandel geschehen,
die Anmaßungen der Hohen, die Bedrückungen der Armen und
Geringen, das Leben in Saus und Braus, in Fressen und Sau⸗
fen, in Sünden und Schanden, die tolle Vergnügungs⸗ und Sin⸗
nenlust, lauter Dinge, die von Jahr zu Jahr zunehmen und dem
scheidenden Jahrzehnt ihren Stempel aufdrücken.
Fürwahr, das sind Zeichen der Zeit. Es sind lauter
Bestätigungen und Erfüllungen der Worte, die unser HErr von
der letzten Zeit geredet hat: „Ihr werdet hören Kriege und
Geschrei von Kriegen. q. .. Es wird sich empören ein
Volk über das andere und ein Königreich über das andere, und
werden sein Pestilenz und theure Zeit und Erdbeben hin
und wieder. . .. Viele werden sich unter einander ver⸗
rathen und werden sich unter einander hassen... . Und
dieweil die Ungerechtigkeit wird überhand nehmen,
wird die Liebe in vielen erkalten . . . und dann wird
das En de kommen.“ Matth. 24, 6. ff. An diesen Zeichen
wollen wir darum nicht achtlos vorüber gehen, sondern sie in ihrer
Bedeutung erkennen und uns dadurch mahnen lassen zu steter
Bereitschaft auf das Ende aller Dinge, auf das Ende der Welt.
Je böser und greulicher die Zeit ist, in der wir leben, je schreck⸗
licher das ist, was Gott in dieser ernsten Zeit nach seinem wun⸗
derbaren Walten zuläßt, je größer der Zorn ist, den der Teufel
hat, sintemal er weiß, daß er wenig Zeit hat (Offenb. 12, 12.),
je übler es auf dieser Erde zugeht, je deutlicher durch dieses alles
der HErr spricht: „Ich komme bald“: desto brünstiger wollen wir
flehen und seufzen: „Ja, komm bald, HErr JéEsu. Komm zum
Gericht und zur Erlösung mit deinem lieben jüngsten Tag. Mach
End, o HErr, mach Ende an aller unsrer Noth.“ Aber desto
ernster wollen wir uns auch hüten, daß wir nicht in das Wesen
dieser Welt verstrickt und gezogen werden, sondern wollen es viel⸗
mehr strafen mit Wort und Wandel; desto mehr wollen wir Fleiß
thun, daß wir geschickt seien mit heiligem Wandel und gottseligem
Wesen, daß wir warten und eilen zu der Zukunft des Tages des
HErrn; desto eifriger wollen wir wachen und beten, damit wir
würdig sein mögen zu entfliehen allem, das geschehen soll, und zu
stehen vor des Menschen Sohn. 2 Petr. 3, 11. 12. Luc. 21,
34—36. L. F.
1 P. Johanues Rennecke. T
Schluß.)
Als unser Rennecke nach Fort Wayne kam, war P. Wyneken,
der bisherige Seelsorger der dortigen Gemeinde, nach Baltimore
berufen worden, und die Gemeinde hatte Dr. Sihler berufen,
der jedoch erst im August jenes Jahres kommen sollte. Doch ver⸗
half ihm der Vacanzprediger, P. Husmann, zu einer Schulstelle
in Adams County, Ind. Es waren nur etwa 15 Familien. Ge⸗
halt bekam er nicht, sondern nur freies Quartier, das er sich ab⸗
wechselnd bald bei dem einen, bald bei dem andern suchen mußte.
Hier war Rennecke beinahe zwei Jahre.
Im Jahre 1846 gründeten dann P. Löhe aus Bayern und
andere Lutheraner das praktisch⸗theologische Seminar zu Fort
Wayne. Löhe hatte gleich 11 Jünglinge nebst einem Candida⸗
ten der Theologie als deren Lehrer nach Fort Wayne geschickt.
Dr. Sihler sollte auch Lehrer und Anstaltsdirector sein. Da
Rennecke von Kindheit auf den Wunsch gehabt hatte, ein Pre⸗
diger des Evangeliums IEsu Christi zu werden, in der Heimath
aber keine Gelegenheit zu seiner Ausbildung bekommen hatte, so
entschloß er sich bald, sich in diese Anstalt aufnehmen zu lassen,
um seinen Wunsch zu erreichen. Mittellos, wie Rennecke war,
erbarmte sich Dr. Sihler seiner, sowie auch des späteren P. Eirich,
und nahm beide in sein Haus auf. Sie hatten für etwas zu
leistende Hausarbeit: Holzhacken, Pferdbesorgen und dergleichen,
alles frei. Beide Jünglinge kamen kurz vor Anfang der ersten
Sitzung unserer Synode in Fort Wayne an und durften, als
Dr. Sihler und Professor Wolter zurückkamen, gleich am Unter⸗
richt Theil nehmen. Im Jahre 1849 machte Rennecke mit noch
zwei anderen Examen. Er sollte als Hülfsprediger und Lehrer
zu P. Brauer nach Addison. Es wurde aber daraus nichts, da
er seiner geschwächten Gesundheit wegen nicht in der rauhen Jah⸗
reszeit von Fort Wayne fort konnte.
Nachdem er wieder hergestellt war, vertrat er P. Nützel, der
krank geworden war. Damals brach auch die Cholera in Fort
Wayne aus, welche auch seinen lieben Lehrer, Professor Wolter,
nebst vielen Gemeindegliedern hinraffte. Nun kündigte Dr. Sih⸗
ler unserem Rennecke an, daß er nach St. Louis ziehen müsse,
da er vom Synodalpräses zum Nachfolger P. Schieferdeckers be⸗
stimmt sei, der nach Altenburg berufen sei. Da aber P. Schiefer⸗
decker noch in St. Louis amtirte, als Rennecke hinkam, so konnte
er nicht an diese Gemeinde berufen werden. Dr. Walther schickte
ihn denn zu P. K. zur Aushülfe. Erst 1850 bekam dann Rennecke
einen festen Beruf an die Gemeinde in St. Clair und in Monroe
County, Ill. Er wurde von P. Bünger unter Assfistenz P. Wun⸗
ders ordinirt und eingeführt. Jeden Sonn⸗ und Festtag mußte
Rennecke Vormittags in der einen und Nachmittags in der andern
Gemeinde predigen. Die Gemeinde in Monroe County hatte
ihren eigenen Lehrer, aber an seinem Wohnsitz mußte Rennecke
selber Schule halten. Fünf Jahre später, 1855, wurde er nach
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